Greenpeace-Studien : Unser tägliches Gift

Um unser Fleisch steht es nicht gut, um Obst und Gemüse nicht viel besser. Wir bekommen immer mehr Gift in unserem Essen serviert. Zwei aktuelle Greenpeace-Studien bringen erschreckende Zahlen ans Licht.

Susanna Gotsch
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Gift im Essen: Greenpeace fordert Politik und Wirtschaft auf, alle fährlichen Pestizide vom Markt zu nehmen. -Foto: Greenpeace

Weltweit werden 1134 Pestizide eingesetzt, die unser Essen belasten können. Welche davon besonders gefährlich sind, zeigt die "Schwarze Liste der Pestizide in Lebensmitteln" – eine Liste der Stoffe, die krebserregende, fortpflanzungsschädigende oder erbgutverändernde Wirkung haben. Das Ergebnis ist erschreckend: 327 Spritzmittel stehen auf der Liste, darunter 168 Mittel, die in der europäischen Union erlaubt sind. 13 der gefährlichsten Pestizide nehmen die Verbraucher häufig über das Essen auf. Dazu gehört das BASF-Produkt Iprodion, das trotz seiner vermutlich krebserregenden Wirkung zugelassen wurde und häufig in Trauben, Salat und Erdbeeren vorkommt. Oder Imazalil von Bayer, das in gespritzten Zitrusfrüchten zu finden ist, als akut giftig gilt und vermutlich Krebs auslösen und das Erbgut schädigen kann. "Chemikalien, die Krebs auslösen, das Fortpflanzungsvermögen beinträchtigen oder das Hormon- und Immunsystem schädigen können, gehören nicht auf unser Essen", verlangt Manfred Krautter, Chemie-Experte von Greenpeace bei der Vorstellung der neuesten Studien.

Pestizid-Last im Essen weit unterschätzt

Ebenso unerfreulich ist das Ergebnis der zweiten Studie "Grenzen der Pestizidanalytik". Die beschreibt, wie sehr die Sicherheit unter den Defiziten der konventionellen Lebensmittelkontrolle leidet: Die Hälfte der bislang 1350 bekannten Spritzmittel können von staatlichen Labors routinemäßig, d.h. mit geringem Zeit- und Budgetaufwand, nicht nachgewiesen werden. Die meisten Labors erkennen sogar weniger als 400 Wirkstoffe.

"Wir müssen davon ausgehen, dass weitaus mehr gesundheitsschädliche Spritzmittel in unserem Essen stecken, als bisher angenommen", stellt Krautter fest. Dr. Günter Lach, Chemiker und Herausgeber der Studie fordert: "Es muss möglich sein, in jedem Lebensmittel eine Belastung zu erkennen - schnell und unter vertretbarem Kostenaufwand. Neue und optimierte Analyseverfahren müssen entwickelt werden."

Giftig, unsichtbar, dennoch erlaubt

Allein in den vergangenen drei Jahren hat das zum Landwirtschaftsministerium gehörende Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) in Deutschland 38 Wirkstoffe zugelassen, von denen zwölf durch die Routineuntersuchungen der Labors nicht erkannt werden. Dazu zählt beispielsweise das Spritzmittel Amitrol von Bayer, das hormonelle Störungen hervorrufen kann und im Anbau von Äpfel, Birnen und Wein erlaubt ist.

Forderungen an Politik und Wirtschaft

"Minister Seehofer muss die Zulassung für solche im Essen kaum kontrollierbaren Pestizide sofort widerrufen. Die EU muss ihr Zulassungsrecht so ändern, dass derartige Pestizide nicht mehr auf den Markt kommen", so Krautter. Industrie, Landwirtschaft und Handel müssen gefährliche Pestizide der Schwarzen Liste auflisten und dafür Sorge tragen, dass diese "unsichtbaren" Subtanzen nicht mehr zum Einsatz kommen, das Risiko sei einfach zu hoch und die Gesundheit der Verbraucher stehe auf dem Spiel.

Der Ratschlag der Experten an die Verbraucher ist eindeutig: Wer keine Pestizide in seinem Essen haben will, kauft Bioware, die komplett frei ist von künstlichen Pestiziden. Wer weiterhin im Supermarkt einkaufen geht, sollte den Einkaufsratgeber "Essen ohne Pestizide" nutzen. Daraus geht hervor: Beim Einkauf kommt es auf den Supermarkt, das Herkunftsland und die Anbausaison an. Den Ratgeber gibt es kostenlos bei Greenpeace oder als PDF zum Download.

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