Verbraucher : Große Augen für großes Kino

Dagmar Rosenfeld

Das Testurteil: 2 Punkte 0 Punkte: Hände weg und alle Bekannten warnen, 5 Punkte: Noch mal drüber schlafen, 10 Punkte: Sofort kaufen

testet eine Fernseh-Brille

Kino für zu Hause. Leinwandformat, obwohl der Fernseher eine Bildfläche hat, die nur wenig größer ist als ein Mikrowellenfenster. Blockbusterfilme mit Blockbustersicht. Und das alles ohne aufwändige Aufbau- und Rumräumarbeiten. So zumindest hatte ich mir das Leben mit der Max-TV-Brille der Firma Eschenbach (Preis: 69,90 Euro) vorgestellt.

„Herzlichen Glückwunsch zu dieser Entscheidung“, steht dann auch in der Gebrauchsanweisung zur Max-TV-Brille. Nur, wie sehr man sich zum Hanswurst macht, wenn man die Brille aufsetzt, darüber verliert der Hersteller kein Wort. Sagen wir mal so, das Gestell mit den vorgebauten Vergrößerungsgläsern schmeichelt nicht gerade dem Gesicht. Vor allem aber macht die Brille große Augen. Sehr große Augen. Beim ersten Test-Fernseh-Gucken ist meine Schwester zu Besuch gewesen. Montagabend, „Wer wird Millionär“. Viel von Günther Jauch habe ich nicht mitbekommen, weil meine Schwester nicht aufhören konnte, mich anzustarren, und andauernd gesagt hat: „Mann, siehst du bescheuert aus.“

Nächster Versuch. Sonntagabend. Der Mann und ich gucken einen James-BondFilm. Ich setze die Max-TV-Brille auf. Der Mann schaut mich an. Er legt die Stirn in Falten und sagt: „Sehr witzig.“ Ich verstehe erst nicht – und dann fällt es mir wie Schuppen von den Augen (kleiner Wortwitz). Ich sehe aus wie der Mann, wenn er seine Brille auf hat. Seine echte Brille. Der Mann hat nämlich über zehn Dioptrien. Mittlerweile trägt er zwar Kontaktlinsen und die Brille hat er nur manchmal zu Hause an. Aber früher als Kind, da hat er richtige Glasbausteine vor den Augen gehabt. Sie haben ihn deswegen früher in der Schule „Vier-Auge“ genannt. Einmal haben sie ihn sogar auf dem Schulhof in einen Abfalleimer gesteckt – mit dem Po zuerst, Beine und Arme nach oben, so dass er da alleine nicht mehr rausgekommen ist. „Da machst du jetzt große Augen“, haben sie gerufen, bevor sie abgehauen sind.

Ich habe die Max-TV-Brille nicht mehr benutzt, jedenfalls nicht, wenn der Mann zu Hause war. Und auch nicht mehr zum Fernsehen, denn länger als eine halbe Stunde konnte ich sie ohnehin nicht tragen, ohne Kopfschmerzen von den großen Fernsehbildern zu bekommen.

Manchmal aber setze ich die Max-TV-Brille in der Küche auf. Auf die Idee bin ich gekommen, als ich eine Arztserie geguckt habe. Bei komplizierten Operationen tragen da die Chirurgen Brillen, die aussehen wie die aus dem Hause Eschenbach. Das mache ich jetzt auch, wenn ich Fleisch von Sehnen und Fett befreien will. Das wirkt sehr professionell, finde ich.

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