Großhandel : Lebensmittelpreise explodieren

So etwas gab es seit 26 Jahren nicht mehr: Im März erhöht der Großhandel die Preise um 7,1 Prozent. Für Getreide, Saaten und Futtermittel gibt es sogar einen Preisanstieg von 52 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

Reis
Katastrophale Lage in Entwicklungsländern: Reis ist für viele unbezahlbar geworden. -Foto: dpa

WiesbadenEinen Preisanstieg von über 7 Prozent für Lebensmittel gab es seit 1982 nicht mehr, so das Statistische Bundesamt in Wiesbaden. Damals legten die Preise um 8,5 Prozent zu. Im Februar hatte der Jahresanstieg noch bei 6,0 Prozent gelegen. Grund dafür war vor allem der rasante Anstieg der Energie- und Lebensmittelpreise.

Verglichen mit März 2007 wurden vor allem Getreide, Saaten und Futtermittel teurer - sie legten um 52 Prozent zu. Milch, Milcherzeugnisse, Eier, Speiseöle und Nahrungsfette verteuerten sich um 23,5 Prozent. Für Kaffee, Tee, Kakao und Gewürze musste 13,2 Prozent mehr gezahlt werden. Feste Brennstoffe und Mineralölerzeugnisse verteuerten sich um 18,8 Prozent, Eisen und Stahl um 5,0 Prozent.

Wegen des starken Wettbewerbs im Einzelhandel bekommen die deutschen Verbraucher den Preisanstieg nur abgemildert zu spüren, so die Einschätzung des Groß- und Außenhandels (BGA).

Mehr Verzehr von Fleisch

Ein Grund für die Verteuerung von Lebensmitteln ist die hohe Nachfrage aus Schwellenländern wie Indien und China. Dort nimmt der Verbrauch von Fleisch und Milch rasant zu. "Neben der physischen Nachfrage gibt es Spekulanten, die die Preise treiben", sagte Holger Schmieding von der Bank of America. Zudem werde immer häufiger Getreide und Mais zu Biosprit verarbeitet. "Das Angebot kann damit nicht mehr Schritt halten", sagt Volkswirt Leim von der Dresdner Bank/Allianz-Gruppe.

Die Großhandelspreise sind ein Indikator für die künftige Inflationsrate, weil sie häufig über den Handel an die Verbraucher weitergegeben werden. "Da ist ein Preisschub in der Pipeline", sagte Volkswirt Wolfgang Leim "Die Inflation in Deutschland wird weiter zu hoch bleiben", sagte Volkswirt Karsten Junius von der DekaBank.

Proteste auf Haiti

Die Welternährungsorganisation befürchtet weitere Preissteigerungen für Nahrungsmittel. Von dieser Entwicklung sind vor allem arme Menschen bedroht. In mehreren Ländern kam es wegen der gestiegenen Lebensmittelpreise bereits zu Unruhen. In Haiti versorgte die Gruppe "Ärzte ohne Grenzen" nach eigenen Angaben in den vergangenen vier Tagen 170 Verletzte. Gut ein Viertel von ihnen hätte wegen Schusswunden versorgt werden müssen. Bei den gewaltsamen Protesten gegen hohe Lebensmittelpreise kamen in Haiti laut offiziellen Berichten fünf Menschen ums Leben. (sgo/dpa/AFP)

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