Gütesiegel : EU will gegen gefälschte Arzneimittel vorgehen

Der Handel mit gefälschten Medikamenten blüht. Die EU-Kommission will dem Treiben nun ein Ende setzen und eine Art Gütesiegel für verschreibungspflichtige Arzneimittel einführen. Die Kosten für das Siegel sollen die Krankenkassen tragen.

Pillen
Ein Siegel soll dem kriminellen Medikamentenhandel ein Ende setzen. -Foto: ddp

BrüsselEuropa muss nach Ansicht der EU-Kommission stärker gegen den wachsenden Handel mit gefälschten Medikamenten vorgehen. Industriekommissar Günter Verheugen legte am Mittwoch in Brüssel einen Gesetzentwurf vor, nach dem verschreibungspflichtige Arzneimittel künftig mit einem speziellen Siegel versehen werden sollen. Damit könne der Weg der Originalverpackung vom Hersteller bis zum Verbraucher verfolgt werden, sagte der deutsche Kommissar. 2007 wurden nach Angaben der EU-Behörde an den europäischen Grenzen gefälschte Medikamente im Wert von mehr als 2,5 Millionen Euro entdeckt. 2005 waren es noch Waren mit einem Wert von 561.000 Euro.

Die neue Kennzeichnung wird allerdings Geld kosten. "Das wird sich ohne Zweifel im Preis des Medikaments niederschlagen", räumte Verheugen ein. Die höheren Kosten müssten die Krankenkassen tragen. Die Kennzeichnung sei aber immer noch günstiger als der finanzielle Schaden, den ein Rückruf von gefälschten Medikamenten auslöse.

Parallelhandel wird nicht gefährdet

Für den sogenannten Parallelhandel sieht die Kommission durch ihre Vorschläge keine Gefahr. Parallelhändler kaufen Arzneimittel in einem EU-Staat zu niedrigeren Preisen, verpacken sie neu und verkaufen sie dann in einem anderen Mitgliedstaat mit höherem Preisniveau. Durch die billigeren Medikamente werden auch die Gesundheitssysteme entlastet. Die Händler müssten nur die neuen Verpackungen mit fälschungssicheren Siegeln verwenden, erklärte die EU-Behörde.

Der Verband der europäischen Parallelhändler (EAEPC) begrüßte den Kommissionsvorschlag. Die EU müsse darüber hinaus aber künftig stärker gegen den Verkauf von gefälschten Medikamenten im Internet vorgehen und europäische Grenzen schärfer kontrollieren.

Pharmaindustrie spricht sich gegen Parallelhandel aus

Die europäische Pharmaindustrie (EFPIA) forderte in einer Verbands-Mitteilung, den Parallelhandel zugunsten der Sicherheit von Patienten vollständig zu verbieten. Der deutsche Verband (VFA) forderte lediglich, die Anforderungen an Parallelhändler bei der Umverpackung zu verschärfen.

Verheugens Plan sieht außerdem vor, dass Arzneimittelhersteller künftig unter bestimmten Bedingungen die Öffentlichkeit direkt, etwa im Internet oder in medizinischen Fachzeitschriften, über ihre Medikamente informieren dürfen. Der Kommissar betonte, das bestehende Werbeverbot bleibe aber bestehen. Die einzelnen Mitgliedstaaten sollen die Veröffentlichungen der Hersteller überwachen. Kritiker befürchten Schleichwerbung der Unternehmen. Der Kommissar kündigte dazu an Gespräche mit der Industrie an.

Verheugen: "Europa soll wieder die Apotheke der Welt werden"

Der europäische Dachverband für Verbraucherschutz (BEUC) befürchtet, Pharmaunternehmen würden dann noch stärker in die Werbung und Vermarktung ihrer Arzneimittel anstatt in die Forschung investieren.

Mit der Neuordnung des Arzneimittelmarktes will sich die EU weltweit im Pharmasektor behaupten. "Europa soll wieder die Apotheke der Welt werden", sagte Verheugen. Ziel sei es, innovative und sichere Medikamente preiswert an den Patienten zu bringen. Der europäische Apotheker-Verband begrüßte die Pläne als "gute Neuigkeiten für die Patienten der EU". Dem Vorhaben müssen die EU-Staaten und das Europaparlament zustimmen. (sba/dpa)

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