Verbraucher : Gute Leistung zum kleinen Preis

Ryanair, Easyjet und Co schneiden gut ab – jedoch sollte man auf die Zusatzkosten achten

Tanja Kewes

Wie Billigflieger funktionieren, weiß inzwischen jeder: Je früher man bucht, desto günstiger ist der Preis für ein Ticket. Auch, dass im Werbepreis oft Steuern und Gebühren nicht enthalten sind und diese Kosten erst kurz vor dem Bezahlen auf dem Bildschirm erscheinen, überrascht nicht mehr viele Reisende. Aber es gibt noch viele andere Nebenkosten, die man bedenken sollte, wenn man eine Reise bei einem Billigflieger bucht, wie etwa Übergepäck, Essen oder die Transportkosten zu den teils abseits gelegenen Flughäfen.

Die Stiftung Warentest hat Billigflieger und traditionelle Fluggesellschaften getestet. Ihr Urteil: Hinsichtlich Service, Preis, Verfügbarkeit und Geschäftsbedingungen fliegt es sich billig am besten (siehe Tabelle). Derzeit teilen sich acht Billigfluglinien den deutschen Luftraum: Air Berlin, dba, Condor, Hapag Lloyd Express (hlx), Easyjet, Germanwings, Ryanair und – noch – Germania Express (gexx). Ab April fliegen die gexx-Maschinen unter dem dba-Logo. Dba hat die gexx-Maschinen und Strecken übernommen und wird gexx auch das dba-Preismodell überstülpen.

Grundsätzlich fand die Stiftung Warentest heraus, dass es die Superschnäppchen wie Ein-Euro-Tickets fast nur auf den Werbeplakaten gibt. Der billigste Flug im Test war dennoch sehr günstig, und zwar bei Ryanair: 32,51 Euro für die Strecke Karlsruhe–Barcelona und zurück.

Zwar locken inzwischen auch die traditionellen Flieger mit günstigen Tickets. Doch bleibt das Billig-Angebot der nationalen Fluglinien gering und uneinheitlich. Einzig British Airways konkurriert mit einem Durchschnittspreis von 160 Euro für die Strecke Berlin–London mit Easyjet und Co.

Wer wirklich billig fliegen will, sollte auf jeden Fall die versteckten Zusatzkosten beachten, die oft unerwartet anfallen. Billigflieger – und auch traditionelle Fluggesellschaften – nehmen eine Extra-Gebühr, wenn man nicht im Internet, sondern per Telefon bucht, meist zwischen sieben und zehn Euro. Die Lufthansa verlangt sogar 30 Euro für die Buchung am Telefon oder am Schalter für innereuropäische Flüge, und auch die Internetbuchung kostet bei der Lufthansa zehn Euro. Billigflieger Easyjet kassiert ebenfalls und nimmt 6,50 Euro für die Zahlung per Kreditkarte, Ryanair verlangt 2,50 Euro Aufschlag. Auch die Kosten für einen Snack oder ein Getränk sollte man mit einkalkulieren – jedoch nicht bei allen Billigfliegern. Bei Air Berlin, dba und Condor gibt es Getränke und Snacks gratis.

Schweres Gepäck kann ebenfalls schnell zu Mehrkosten führen – die Billigflieger sind besonders streng bei der Berechnung von Übergepäck. Ryanair etwa verlangt sieben Euro pro Kilo Übergewicht und erlaubt nur 15 Kilo Freigepäck, bei den meisten anderen Fluggesellschaften sind dagegen 20 Kilo erlaubt.

Dazu kommt, dass die Billigflieger oft nicht an den zentralen Flughäfen landen – auch das ist vor allem bei der irischen Ryanair der Fall. Statt in Brüssel landet Ryanair in Charleroi, statt in Barcelona ist Girona das Ziel, und anstelle von Paris Beauvais. Das kann auch von Vorteil sein, weil die Abfertigung dort schneller funktioniert. Trotzdem sollte man daran denken, dass man noch die Fahrtkosten zum eigentlichen Ziel dazu rechnen muss.

Bei den Verbraucherzentralen gibt es jedoch „kaum Anfragen oder Beschwerden“, sagt Sabine Fischer. Für die Reiseexpertin der Verbraucherzentrale Potsdam hängt das mit dem klaren Konzept der Billigflieger zusammen: geringer Preis, mehr Eigenleistung des Kunden. „Die Menschen wissen, worauf sie sich einlassen – wie beim Lebensmittel- oder Elektronikdiscounter“, sagt Fischer.

Die Verbraucherschützer beobachten die Billigheimer dennoch genau. Und nicht ohne Grund: Häufig sind Formulierungen in den allgemeinen Geschäftsbedingungen nicht rechtens.

So musste Ryanair im vergangenen Jahr die Klausel „Sämtliche bezahlten Beträge (einschließlich Steuern und Gebühren) sind nicht erstattbar“ streichen. Denn bei der Stornierung eines Tickets muss die Fluggesellschaft Steuern und Gebühren zurückzahlen. Ein anderer Fallstrick: Klauseln, die die Haftung einschränken. „Bei grob fahrlässigem oder vorsätzlichem Handeln haftet der Veranstalter immer“, sagt Fischer und rät, genau hinzuschauen. Bei einem Klauselwerk von 35 Seiten wie bei Easyjet fällt das aber auch Experten schwer.

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