Haartrockner im Test : Viel heiße Luft

Die meisten Produkte frisieren gut. Aber Vorsicht bei den Billigmodellen: Im Test ging eines nach drei Sekunden in Flammen auf.

Jahel Mielke

Vor rund 100 Jahren kam die Firma Sanitas auf die Idee, Haartrockner nach einem warmen, trockenen Alpenwind zu benennen. Der Fön war geboren, und er transportierte die warme Brise von draußen in deutsche Badezimmer. 1957 kaufte die AEG (jetzt AEG-Electrolux) die Firma Sanitas und damit auch die Rechte am Begriff. Nur sie darf „Fön“ verwenden. Alle anderen müssen ihre Geräte Haartrockner nennen.

16 davon hat die Stiftung Warentest nun geprüft. Experten kontrollierten Funktion und Sicherheit. Dazu gab es eine technische Dauerprüfung und einen Falltest. Friseure und Probandinnen bewerteten Handhabung und Frisierergebnis. Hier war unter anderem wichtig, ob die Haare geschont wurden und ob der Haartrockner ihnen Volumen verleihen konnte. Fast alle Modelle im Test nutzen Ionentechnologie (siehe Kasten). Sie soll vermeiden, dass die Haare sich aufladen und soll sie schneller trocknen.

Acht Geräte im Test schnitten „gut“ ab, darunter als bester der Braun Satinpro für 60 Euro. Er trocknete schnell, aber ohne dabei zu heiß zu werden und das Haar zu schädigen. Das geschieht in der Regel erst ab 100 Grad Celsius. Bei zu geringem Abstand zwischen Gerät und Haar können Schäden aber schon bei niedrigeren Temperaturen auftreten. So wie bei einem gefährlichen Zwischenfall im Test: Statt moderater Hitze schlug einer Prüferin eine 20-Zentimeter lange Stichflamme entgegen, als sie den neuen 10-Euro-Haartrockner der Marke Elta ausprobierte. Genau drei Sekunden hatte das Gerät gehalten. Die Folge: verschmorte Haare. Im Dauertest brannte der Elta nach 72 Stunden lichterloh. Eigentlich hätte er 400 Stunden Betrieb mit Pausen wegstecken müssen. Das Urteil: „mangelhaft“ wegen hoher Brand- und Verletzungsgefahr. Der Hersteller reagierte laut Stiftung Warentest bisher nicht. Das schlechte Testergebnis ist erstaunlich, weil das Gerät das GS-Zeichen für geprüfte Sicherheit trägt. Es wird von einer unabhängigen Prüfstelle wie dem Tüv vergeben. Außer dem Elta fielen zwei weitere, das Gerät von Panasonic und der Haartrockner des Starfriseurs Udo Walz, im Test durch. Der Bellissima von Walz überlebte den Fall aus 70 Zentimetern Höhe nicht und war am schlechtesten zu bedienen. Beim Panasonic-Gerät verformte sich das Kunststoffschutzgitter am Ventilator. So konnten Haare oder gar Finger leicht hineingeraten. Auch bei Elta, Solis und Remington gelangten Haare in den Ventilator. Generell sollte er regelmäßig gereinigt werden.

Die Mehrzahl der Geräte im Test trocknete die Haare „gut“. Eine Alternative zum teuren Testsieger ist der Haartrockner von Bosch. Er kostet mit 30 Euro die Hälfte und zeigte ähnlich gute Leistung.

Nicht nur Technologie und Aussehen der modernen Geräte haben sich verändert. Auch der Begriff ist nicht mehr der gleiche. Mit der neuen Rechtschreibung wurde ihm ein „h“ verpasst. Man föhnt sich nun. Und der Föhn weht über die Alpen. Nur nicht bei der AEG-Electrolux. Die darf weiterhin den „Fön“ verkaufen.

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