Handys als Weihnachtsgeschenk : Notfall oder Status

Schon für Vierjährige gibt es Telefone mit einfacher Bedienung. Eltern schätzen den direkten Kontakt mit ihren Kleinen. Teure Dienste können gesperrt werden.

Alexander Wragge
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Fast jedes zweite Kind zwischen sechs und 13 Jahren besitzt ein Handy. -Foto: ddp

Wenn sich Kinder und Jugendliche zu Weihnachten ein Handy wünschen, haben Eltern allen Grund, skeptisch zu sein. Das Herunterladen von Spielen, Logos und Klingeltönen kann schnell teuer werden. Multimediageräte können Kinder mit Gewaltbildern und Pornografie in Kontakt bringen. Und auch die Frage, ob die elektromagnetische Strahlung der Geräte gerade Kindern gesundheitlich schadet, ist noch nicht abschließend geklärt. Daher rät das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS), vorsorglich auf Handys für Kinder zu verzichten, selbst wenn das Umweltzeichen „Blauer Engel“ Geräte als besonders strahlungsarm ausweist.

Andererseits schätzen viele Eltern den Vorteil, dass sie über das Handy direkten Kontakt mit ihren Kindern halten können und auch für ihre Kinder immer erreichbar sind. Laut einer Studie des Medienpädagogischen Forschungsverbunds Südwest besitzt heute fast jedes zweite Kind im Alter zwischen sechs und 13 Jahren bereits ein Mobiltelefon. Da fragen sich die restlichen Kinder, warum sie noch keines haben.

Doch der Kauf sollte gut vorbereitet werden. „In jedem Fall sollten Eltern sich vor dem Kauf mit ihren Kindern zusammensetzen und über die Bedürfnisse und Risiken reden“, sagt Telekommunikationsexpertin Bettina Seute von Teltarif.de. Damit es skeptischen Eltern leichter fällt, dem Nachwuchs ein Telefon zu schenken, setzt eine Reihe von Anbietern auf kindgerechte Geräte, Tarife und Funktionen. Eltern können sich zwischen Einzelgeräten mit beliebigen Netzen und Komplettpaketen entscheiden.

Für die Kleinsten sind zum Beispiel die robusten Notfalltelefone auf dem Markt. Schon Vierjährige sollen ihre Bedienung bewältigen können. Geräte wie das Teddyfone (119 Euro) und das Juniorhandy (99 Euro) können mit diversen Netzanbietern und Tarifen betrieben werden. Mit ihren großen wenigen Tasten können Kinder allein die Nummern anrufen, die von den Eltern zuvor eingespeichert wurden. Teure Zusatzdienste haben keine Chance, das Teddyfone verfügt nicht einmal über ein Display. Per Knopfdruck lässt sich dafür eine automatische Notfall-SMS an die Eltern verschicken.

Neben den Notfallfunktionen sind es Ortungsmöglichkeiten, mit denen Anbieter für Kinderhandys werben. Im Fall des i-Kids-Handy (etwa 100 Euro) kosten Ortungen und weitere Überwachungsfunktionen zum Beispiel 9,90 Euro im Monat. Eine Alternative bieten Internetdienste wie „Trackyourkid“, die auch mit normalen Geräten funktionieren. Ohne Vertragsbindung kostet hier eine einzelne Telefon-Ortung, die Handys auf wenige Hausnummern genau lokalisieren kann, zwischen 75 Cent und einem Euro. Ob und wann eine derartige Überwachung durch die Eltern sinnvoll ist, bleibt den Familien überlassen.

Fraglich ist auch, ob sich ältere Kinder lange mit bärchenförmigen Notfallhandys zufrieden geben. „Handys sind für viele Kinder und Jugendliche ein Statussymbol, da steigen schnell die Ansprüche“, sagt Bettina Seute von Teltarif.de. Soll das Handy sicher sein und gleichzeitig Spiele und Musik bieten, steht das multifunktionale Kinderhandy von Kandy Mobile (etwa 50 Euro) für Kinder ab sechs Jahren zur Auswahl. Teure Hotlines, Abos und dergleichen sind bei dem Vertragshandy gesperrt. Musik und Spiele bietet das Unternehmen selbst, die Inhalte sollen „kindgerecht“ sein. Inklusive einer monatlichen Grundgebühr von 12,90 Euro entstehen laut Unternehmen im Schnitt rund 20 Euro laufende Kosten. Eine Obergrenze ist einstellbar.

Auch der Anbieter Toggo Mobile bietet gesicherte Multimediahandys im Paket mit einem „Kindertarif“. Sie stammen von den Firmen Nokia (etwa 50 Euro) und Sony Ericsson (etwa 100 Euro). Zwar kostet die monatliche Grundgebühr inklusive Spiele und kostenlosem Telefonieren mit den Eltern hier nur rund zehn Euro, bei Gesprächen fallen allerdings immer relativ teure 25 Cent pro Minute an, auch bei Anrufen ins Festnetz.

Wer die Kosten für die speziellen Kinderhandys für zu hoch hält, kann laut Bettina Seute auch zu normalen Handys mit günstigen Prepaid-Karten greifen (siehe Tabelle). „Wenn Eltern ihren Kindern vertrauen und sie über die Gefahren aufklären, ist auch das denkbar.“ Die Kostenkontrolle ist gewährt, da nur ein begrenztes Guthaben verfügbar ist. Bei Anbietern wie Blau.de und Fonic kosten Gespräche in alle Netze nur zehn Cent. Auch Alfred Odenwald von der Verbraucherzentrale Berlin sieht in normalen Handys mit Prepaid-Karten eine sinnvolle Alternative. „Hauptsache ist, die Kosten sind gedeckelt.“ Kinder müssten so schnell wie möglich lernen, Telefonkosten im Griff zu haben. Von Handyverträgen ohne Kostensperre rät Odenwald dringend ab. Um den Austausch von Gewaltvideos und Ähnlichem zu verhindern, helfe Offenheit und Vertrauen zwischen Eltern und Kindern.

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