Handytarife : Telefonate aus der Türkei bleiben teuer

Seit Juli sind die Preisobergrenzen für Handytarife und SMS-Versand weiter gesunken. Doch das gilt nur für Länder der EU.

Corinna Visser
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Foto: ddp

Mit dem Handy im Ausland zu telefonieren – das war lange Zeit ein sehr kostspieliger Service. Über die hohen Rechnungen ärgerten sich nicht nur die Urlauber nach ihrer Rückkehr, sondern auch die EU-Kommission. Die schreibt den Telefongesellschaften inzwischen Höchstpreise für Handy-Telefonate und den Versand von SMS innerhalb der EU vor. Seit dem 1. Juli sind diese Preisobergrenzen noch einmal gesunken: Ein abgehendes Telefonat darf höchstens 43 Cent, ein ankommendes maximal 19 Cent kosten – zuzüglich der jeweiligen Mehrwertsteuer. Bei 19 Prozent Mehrwertsteuer wie in Deutschland macht das 51 Cent beziehungsweise 22 Cent pro Minute. Die Höchstgrenze für den Versand von SMS liegt bei elf Cent, inklusive Mehrwertsteuer also bei 13 Cent.

Verbraucherfreundlicher wird auch der Abrechnungstakt: Nach Ablauf der ersten 30 Sekunden werden ausgehende und bereits ab der ersten Sekunde eingehende Anrufe im Sekundentakt abgerechnet. Üblich war früher in der Regel eine Abrechnung pro angefangene Minute. Bisher bezahlten die Verbraucher daher nach Angaben der EU-Kommission bis zu 24 Prozent mehr, als sie der Gesprächszeit nach tatsächlich vertelefoniert hatten.

Doch aufgepasst: Auch wenn jetzt alles so klingt, als sei man vor hohen Gebühren sicher – die Preisobergrenzen gelten nur für Länder der EU, also zum Beispiel nicht für die Schweiz. Und ein Anruf aus der Türkei nach Deutschland ist zum Beispiel mit 1,47 pro Minute bei Vodafone oder 1,49 bei T-Mobile so teuer wie eh und je.

Besonders vorsichtig sollte sein, wer ein Urlaubsfoto per MMS nach Hause senden, im Ausland seine E- Mails über das Handy abrufen oder schnell einmal mobil im Internet surfen will. Hier fallen zum Teil immer noch sehr hohe Gebühren an. Verbraucherschützer raten daher, sich vor Reiseantritt genau über die Tarife für den Versand von Daten und MMS zu informieren – oder im Urlaub lieber darauf zu verzichten.

Und auch wenn nun Preisobergrenzen für die Länder der EU gelten, so bedeutet das nicht, dass die Mobilfunkanbieter nicht daneben auch andere Optionstarife anbieten können. Diese Tarife können – je nach individueller Nutzung – billiger oder teurer sein als die Höchstpreise. Zwei Beispiele: T-Mobile bietet den Wahltarif „Relax Holiday 30“ an. Für eine Pauschale von zehn Euro erhält der Kunde 30 Gesprächsminuten in der EU. Wer die 30 Minuten vollständig ausnutzt, telefoniert also für 33 Cent pro Minute. Wer weniger telefoniert, zahlt entsprechend mehr. Beim „Reiseversprechen“ von Vodafone gilt im Ausland derselbe Tarif wie im Inland. Pro Gespräch werden aber zusätzlich 75 Cent berechnet. Wer lange telefoniert, kann im Vergleich zum EU-Tarif sparen. Bei sehr kurzen Telefonaten kann der Preis pro Minute aber auf mehr als einen Euro steigen.

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