Verbraucher : Hass und Begeisterung

Carsten Brönstrup

DAS TESTURTEIL: 8 Punkte (0 Punkte: Hände weg und alle Bekannten warnen, 5 Punkte: Noch mal drüber schlafen, 10 Punkte: Sofort kaufen)

testet eine Videokamera

Ich hasse Videokameras. Es gibt nichts Schlimmeres als Touristen, die in Kirchen und Fußgängerzonen Camcorder wie Waffen vor sich hertragen und im Aufnahmewahn Dutzende Leute niederrempeln. Und mir graust vor technikversessenen Vätern, die die Trauung ihrer Tochter auf Kassette bannen und den Pfarrer anraunzen, der versehentlich durchs Bild läuft. So ein Ding kommt mir nicht ins Haus, schwor ich. Doch was sind solche Grundsätze wert, wenn man plötzlich Frau und Kind hat. Das erste Gebrabbel, die Krabbelübungen müssten auf Film, forderte die Frau so ausdauernd, bis ich mich genötigt sah, eine Kamera bei Ebay zu ersteigern. Günstig war sie – aber schon nach kurzer Zeit kaputt.

Statt Schrott nun State of the Art, beschloss ich und besorgte eine Sony DCR-DVD 92E – die Niederlage sollte wenigstens Spaß machen. Das gelang zu meiner Überraschung. Die Kamera zeichnet nicht auf Kassetten, sondern auf DVDs auf. Der Vorteil: Man verbringt nicht Ewigkeiten mit nervigem Vor- und Zurückspulen, sondern kann auf dem Berührungs-Display einfach in der Mini-Vorschau die Szene antippen, die man sehen möchte. Oder die Fotos, denn die lassen sich mit der Kamera auch passabel aufnehmen. Bewegte wie stehende Bilder liefert das Gerät ohnedies in höchst akzeptabler Qualität ab. Außerdem ist es noch geräuscharm, von geringem Gewicht und kinderleicht zu bedienen.

Das ist auch nötig, denn es dauert, bis nach dem Auspacken zwischen all den bunten Prospekten die Anleitung gefunden ist. Vergeblich sucht man aber in der Kamerakiste nach einer unbespielten DVD für die ersten Filmversuche. Die muss man trotz des Kamerapreises von 600 Euro einzeln zukaufen, die Scheibe mit einer Stunde Spielzeit für unverschämte 15 Euro. Ein Grund mehr, Videokameras zu hassen.

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