Verbraucher : Hauptsache, sie halten dicht Kondome sind sicher wie nie – mit einer Ausnahme

Gerald Drissner

Pro Minute werden in Deutschland 360 Kondome verkauft – und sie sind so sicher wie noch nie: Die Stiftung Warentest hat jetzt 14000 Stück untersucht. 25 von 26 Produkten erhielten die Note „gut“, nur ein einziges, das Durex „ultra strong“ war „mangelhaft“. Es war im Belastungstest gerissen.

Viele Verbraucher dürfte das Gesamtergebnis beruhigen. Denn noch im Mai hatte das Chemische- und Veterinäruntersuchungsamt (CVUA) Nitrosamine in Kondomen nachgewiesen. Sie zählen zu den stärksten krebserregenden Stoffen und entstehen beim Vulkanisierungsprozess, wenn Gummi durch Hitze und Schwefel belastbar gemacht wird. Doch die Stiftung Warentest gab Entwarnung: Sie fand bei der Prüfung nur geringe Mengen des Krebsgifts, diese lagen knapp über der Nachweisgrenze. „Für Kondome gibt es derzeit keinen Höchstwert für Nitrosamine“, sagt Werner Altkofer von der CVUA. Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte prüft deshalb gerade, ob ein Grenzwert festgelegt werden soll.

Bei dem Test mussten die Kondome im Labor mehrere Prüfungen bestehen: Beim Berstversuch pressten die Tester 18 Liter Luft hinein. Löcher und Poren spürten sie durch ein Bad in einer Elektrolytlösung auf. Ein Kondom ist fünf Jahre haltbar. Im Test wurde es mit Wärme künstlich gealtert und musste danach eine Dehnung auf das Siebenfache der Länge aushalten.

Kondome gelten als sehr sicheres Verhütungsmittel. Gemessen wird dies mit dem so genannten Pearl-Index. Der liegt für die Antibaby-Pille unter eins, für Kondome bei ungefähr vier. Das bedeutet: Wenn 100 Paare ein Jahr lang die Verhüter benutzen, werden statistisch gesehen vier Frauen ungewollt schwanger.

Kondome schützen aber auch vor ansteckenden Krankheiten. Das ist wieder wichtiger geworden, weil das Risiko, sich mit HIV anzustecken, gestiegen ist: Fast 2000 Deutsche infizierten sich im vergangenen Jahr mit dem Aids-Virus – 300 mehr als im Jahr 2002. „Das ist der höchste Wert seit zehn Jahren“, sagt Susanne Glasmacher vom Robert-Koch-Institut. Am Anfang einer neuen Beziehung verwenden nur 73 Prozent ein Kondom, im Jahr 2000 waren es noch 78 Prozent, fand die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung heraus.

Die nachlassende Vorsicht hat sich auch auf die Absatzzahlen der Hersteller ausgewirkt: 189 Millionen Kondome verkauften sie im vergangenen Jahr – vor vier Jahren waren es noch 207 Millionen Stück. Mit neuen Farben, Formen und Geschmacksrichtungen möchten die Produzenten den Verkauf wieder ankurbeln. „Kondome brauchen einen Mehrwert“, sagt Ercan Öksüz vom Hersteller Durex. „Wenn ich damit Spaß habe, nehme ich es auch gern.“

Kondome sind sechs Hundertstel Millimeter dick und damit sechsmal dünner als die menschliche Haut. Der Gesetzgeber stuft sie als Medizinprodukte ein. Seit dem Jahr 2002 gilt für Kondome eine internationale Norm, die eine Länge von mindestens 16 Zentimetern vorschreibt. Doch für jeden fünften Mann ist das Standard-Kondom mit einer Breite von 5,2 Zentimetern zu groß – es kann beim Sex abrutschen, fand die Gesellschaft für Sexualberatung, Pro Familia, in einer Untersuchung heraus. Die Hersteller wollen deshalb mehrere Größen anbieten – von 4,4 (Small) bis 5,6 Zentimetern (XXL). Die Angabe steht dezent auf der Rückseite der Packung.

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