Verbraucher : Herzschwacher Glühwurm

Katja Füchsel

DAS TESTURTEIL: 4 Punkte 0 Punkte: Hände weg und alle Bekannten warnen, 5 Punkte: Noch mal drüber schlafen, 10 Punkte: Sofort kaufen

testet einen leuchtenden Golfball Es war ein Gag – und er fand den Platz, der jedem dieser Spaß-Geschenke gebührt. Der Golf-Leuchtball staubte im Bücherregal vor sich hin, fast ein Jahr lang. Dann bekam er doch noch seine Chance.

Lustig – diese Botschaft gibt einem schon die Packung mit auf den Weg: „The second most fun you can have in the dark!“ Soso, es gibt also nur eine Sache, mit der man noch mehr Spaß im Dunkeln haben kann… Im Hellen betrachtet wirken Leuchtbälle eher unspektakulär. Eine Kugel aus transparentem Kunststoff, mit einem dünnen Bohrkanal in der Mitte. Wenn die Sonne untergegangen ist, bringt man den Leuchtstift mit einem energischen Knick für etwa 24 Stunden zum Fluoreszieren, steckt ihn in das Loch – und ist erst einmal enttäuscht. Denn in der Dämmerung schummert der Nitelite so träge vor sich hin wie ein übergewichtiger, herzschwacher Glühwurm. Kurz nach Sonnenuntergang ist er auf dem Fairway auch nicht viel besser zu sehen als sein konventioneller, weißer Kollege. Und hart ist das Ding. Man kann den „Sweet spot“, jene ideale Stelle am Schlägerblatt, bemühen, so oft man möchte: Süß schmeckt mit echten Bällen besser.

Aber wenn es richtig dunkel wird zwischen Abschlag, Fahne und Bunker, dreht der Nitelite (etwa sieben Euro, Stifte zum Nachladen für rund zwei Euro das Stück) auf. Lustig! Wie er futuristisch-leuchtend durch die schwarze Nacht fliegt. Lustig! Wie er gelb-grün-flackernd über das Grün kullert. Einziges Problem: Man sieht das Schlägerende nicht mehr, den Fairway sowieso und die Fahne erst recht nicht. Was soll der Quatsch also? Im „Lexikon des Golfballs“ heißt es dazu: „Wem das normale Golfen irgendwann zu langweilig wird, der spielt nachts und das mit Leuchtbällen. Nachtturniere, zumal in Zusammenhang mit Alkohol sind eine wahre Bereicherung für jeden Turnierkalender.“

Und tatsächlich: Ob in Voshövel, Kitzbühel oder Seltenheim – Nachtturniere sind offenbar schwer im Kommen. In Kitzbühel haben sie 80 riesige Halogenscheinwerfer aufgestellt, beleuchtete Ballone aufsteigen lassen und auf diese Art neun Spielbahnen taghell erleuchtet – alle fanden’s toll, aber auf einen Nitelite war unter 30000 Watt niemand mehr angewiesen. Andere stellen beim Nachtturnier eine Fackel an den Abschlag, eine aufs Grün. Auf dem schwarzen Stück dazwischen dürfte man sich ungefähr fühlen, als wenn mitten auf der Kellertreppe die Glühbirne versagt.

Es sieht also fast so aus, als ob der Platz im Regal dem Golf-Leuchtball auch für’s kommende Jahr sicher ist. Oder wir versuchen es das nächste Mal mit Alkohol. Soll ja eine wahre Bereicherung sein.

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