Hochzeit : Ein Ja fürs Leben

Am kommenden Freitag ist der 8.8.2008 – ein beliebter Tag zum Heiraten. Ab 2009 geht das auch ohne Standesamt. Weniger Bürokratie heißt aberr auch mehr Risiko.

Andreas Kunze,Heike Jahberg

BerlinAn diesem Freitag müssen die Standesbeamten wieder Überstunden machen. Denn der 8. August 2008 ist ein Datum, das Paare gern nutzen, um Hochzeit zu feiern. Am ebenfalls beliebten 9. September 2009 kann die Sache schon ein wenig anders aussehen. Denn ab dem nächsten Jahr können Paare auch ausschließlich kirchlich heiraten. Die Reform schlägt hohe Wellen: Kritiker befürchten bereits Vielfach-Ehen. Finanziell gesehen bringt die Ehe ohne Standesamt einige Nachteile, etwa bei der Krankenversicherung. Für Witwer mit Rentenanspruch wäre sie indes von Vorteil.

Gefägnis für Priester

Seit 1875 ist die standesamtliche Eheschließung in Deutschland obligatorisch. Erst danach darf die kirchliche Trauung vorgenommen werden. Priestern, die sich nicht daran hielten, drohte früher sogar Gefängnis; inzwischen gilt ein Verstoß gegen die Vorschrift nur noch als Ordnungswidrigkeit (Paragrafen 67 und 67a Personenstandsgesetz).

Ausnahmen sind derzeit nur erlaubt, wenn einer der Verlobten lebensgefährlich erkrankt und ein Aufschub nicht möglich ist oder „ein auf andere Weise nicht zu behebender schwerer sittlicher Notstand vorliegt, dessen Vorhandensein durch die zuständige Stelle der religiösen Körperschaft des öffentlichen Rechts bestätigt ist“. Ein eher seltener Fall.

Mit dem neu gestalteten Personenstandsgesetz soll die rein kirchliche Ehe ab 2009 ohne Einschränkung erlaubt sein. Paare können dann einige Formalitäten sparen sowie Geld für die standesamtliche Trauung. Allerdings besteht die Ehe dann auch nur vor Gott – der deutsche Gesetzgeber wird solche Eheleute weiterhin wie unverheiratete Paare betrachten.

Ehe nur vor Gott

Die Folgen sind beachtlich: So bestehen generell keine Unterhaltspflichten oder Erbansprüche bei fehlendem Trauschein. Auch der Splittingtarif für Verheiratete kann nicht in Anspruch genommen werden. Christoph Thieme, Düsseldorfer Fachanwalt für Familienrecht, weist allerdings darauf hin: „Für gemeinsame Kinder muss im Fall einer Trennung so oder so Unterhalt gezahlt werden, das hat mit einer standesamtlichen Trauung nichts zu tun. Selbst Betreuungsunterhalt kann ein nicht verheirateter Elternteil seit der jüngsten Unterhaltsreform praktisch wie ein Ehegatte beanspruchen.“

Dass ein nur kirchlich angetrauter Ehegatte erben soll, lässt sich über ein Testament regeln. Außerdem kann über Bezugsberechtigungen bei Lebensversicherungen sichergestellt werden, dass der Ehepartner ohne Trauschein versorgt ist. „Weitere typische Streitthemen für den Fall einer Trennung lassen sich ebenfalls vertraglich regeln, etwa der Verbleib des Hausrates“, so Experte Thieme.

Splitting nur mit Standesamt

Gravierender können die steuerlichen Nachteile sein, da zumindest bei Schenkungen und Erbschaften gesetzliche Eheleute und Kinder durch hohe Freibeträge privilegiert sind. Ob der fehlende Anspruch auf den Splittingtarif ein Nachteil ist, hängt von den Einkommensverhältnissen ab. Verdienen Eheleute etwa gleich viel, nutzt der Trauschein fast gar nichts. Sie zahlen so viel Steuern wie sie auch als Singles zahlen müssten. Lediglich bei großen Diskrepanzen (einer verdient sehr wenig, der andere sehr viel) macht sich der Trauschein bezahlt.

Teure kasse

Eindeutig im Nachteil sind Paare ohne Trauschein mit gesetzlicher Krankenkasse: Eine kostenlose Mitversicherung als Familiemitglied wäre nicht möglich. Das würde aber wiederum keine Rolle spielen, wenn beide ohnehin berufstätig sind und über eine eigene Mitgliedschaft verfügen. Auch bei privat Krankenversicherten spielt das Standesamt keine Rolle. Für Witwer hätte die Ehe nur vor Gott einen klaren Vorteil: Sie würden ihren Anspruch auf Hinterbliebenenrente behalten. Wer standesamtlich heiratet und damit per Gesetz als verheiratet gilt, verliert den Rentenanspruch.

Ehevertrag - für wen?

Wer sich nur kirchlich trauen lässt, sollte wichtige Fragen per Vertrag regeln. Aber auch wer zum Standesbeamten geht, sollte über einen Ehevertrag nachdenken. Zwar mag man es – frisch verheiratet – nicht für möglich halten, dass die Ehe eines Tages zerbrechen könnte. Doch leider ist es so: Über 200 000 Ehen werden in Deutschland jedes Jahr geschieden. Vor allem in den Großstädten ist das Risiko einer Scheidung groß. Jede zweite Ehe dort ist nur ein Bund auf Zeit. Vor allem Vermögende und Selbstständige sollten einen Ehevertrag in Betracht ziehen, damit zum ganzen Kummer mit der verblassten Liebe nicht noch wirtschaftliche Probleme hinzukommen.

Gewinne werden verteilt

Wenn die Ehepartner nichts anderes vereinbaren, leben sie nach dem Willen des Gesetzgebers in einer sogenannten Zugewinngemeinschaft. Damit ist gemeint: Was von beiden gemeinsam während der Ehe an Vermögen geschaffen wird, soll hinterher gerecht verteilt werden. „Jeder behält also das, was er in die Ehe eingebracht hat“, sagt Rechtsanwalt Christoph Thieme. „Nur das neue Vermögen muss ausgeglichen werden.“

Da fangen die Probleme aber schon an. Denn die wenigsten Eheleute schreiben zu Beginn der Ehe auf, was sie an Vermögen einbringen, etwa den Stand des Aktiendepots oder den Wert der Kapitallebensversicherung. Das muss aber später nachvollzogen werden können.

Der Ausgleich funktioniert dann wie folgt. Angenommen, beide hatten zu Beginn 100 000 Euro. Das Vermögen des Mannes wuchs während der Ehe auf 150 000 Euro, das der Frau dagegen nur auf 120 000 Euro (Stichtag ist das Datum der Zustellung des Scheidungsantrages). Zusammen haben die beiden also 70 000 Euro erwirtschaftet. Jedem stehen davon hälftig 35 000 Euro zu. Die Frau hätte bei diesem Beispiel einen Anspruch auf 15 000 Euro.

Besitzer großer Vermögen im Nachteil

War einer der beiden sehr vermögend, kann das Verfahren ungerecht wirken. Denn das große Vermögen wird wegen des Zinseszins-Effektes zwangsläufig schneller wachsen. Vor allem aber bei Selbstständigen kann der Zugewinnausgleich zur Katastrophe führen. Ihr Betrieb, etwa die Zahnarztpraxis, muss genau bewertet werden. Dabei zählen selbst die Kunden in der Kartei als Vermögenswert mit. Muss dann der oder die Ex ausbezahlt werden, bleibt oft nichts anderes übrig, als den Betrieb komplett zu verkaufen – womit die Existenzgrundlage verloren geht.

Rechtsanwalt Thieme rät: „So etwas lässt sich mit einem Ehevertrag vermeiden. Darin kann geregelt werden, dass der Betrieb bei der Zugewinnberechnung rausfallen soll.“ Möglich ist ein Ehevertrag übrigens auch noch während einer bereits bestehenden Ehe.

Des Weiteren können im Ehevertrag Ansprüche auf Unterhalt sowie der Versorgungsausgleich geregelt werden. Kindesunterhalt kann allerdings weder begrenzt noch gar ausgeschlossen werden. Beim Versorgungsausgleich geht es um Ansprüche auf gesetzliche Rente, Beamten-Pensionen, betriebliche Renten sowie Leistungen aus staatlich geförderter Altersvorsorge (Riester- und Rürup-Renten) sowie privaten Rentenversicherungen. Sie werden anteilig für die Zeit der Ehe aufgeteilt.

Wer versorgt wird

Mit einem Ehevertrag kann der Verzicht auf einen Ausgleich erklärt werden. Allerdings geht das nicht so ohne Weiteres. Der Bundesgerichtshof hat hier hohe Hürden aufgebaut, damit nicht eine der Parteien später ein Fall für das Sozialamt wird. Unproblematisch ist der Ausschluss des Versorgungsausgleichs dagegen bei kurzer Ehe und in den Fällen, in denen es so gut wie keine gegenseitigen Ausgleichsansprüche gibt.

Der Notar verdient mit

Was kostet ein solcher Ehevertrag? Das hängt vom gemeinsamen Vermögen zu Beginn der Ehe ab. Bei einem Vermögen von 50 000 Euro sind es etwa 320 Euro, bei 250 000 Euro sind rund 1000 Euro an den Notar zu zahlen (Achtung: Werden Fragen der Gütertrennung oder des Versorgungsausgleichs geregelt, ist immer eine notarielle Beurkundung notwendig). Eine zusätzliche Beratung oder Überprüfung des Vertrages durch einen Anwalt kostet extra.

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