Verbraucher : Im Dutzend billiger

Beim Medikamentenkauf kann man viel Geld sparen – mit Generika, Reimporten und im Internet

Svenja Markert
328849_0_a78cfb10.jpg dpa
Apotheker müssen darauf achten, ob die Kassen mit den Pharmafirmen Rabattverträge abgeschlossen haben. Dann dürfen sie nur...dpa

Medikamente sollen billiger werden. Das fordert Gesundheitsminister Philipp Rösler (FDP). Er will die Pharmaindustrie mit Zwangsrabatten an der Sanierung der Krankenkassen beteiligen. In welchem Maße das den Versicherten helfen wird, ist noch unklar. Aber Patienten können auch zur Selbsthilfe greifen. Wir sagen Ihnen, wie Sie beim Pillenkauf Geld sparen.

BEFREIUNG

Verschreibungspflichtige Medikamente gibt es nur auf Rezept vom Arzt. Die gesetzlichen Krankenversicherungen erstatten die Kosten. In der Regel müssen jedoch Versicherte ab 18 Jahren in der Apotheke aus dem eigenen Geldbeutel zuzahlen: zehn Prozent des Medikamentenpreises, mindestens aber fünf, höchstens zehn Euro.

Allerdings gibt es Grenzen. Sollten die Zuzahlungen für verschreibungspflichtige Medikamente und Krankengymnastik, Heilmittel und Praxisgebühren mehr als zwei Prozent des Bruttoverdienstes ausmachen, können sich die Versicherten alles, was sie darüber hinaus zahlen müssten, gleich von der Kasse erstatten lassen oder am Jahresende zurückholen. Das Problem: „Es ist kein großer Aufwand, einen Antrag auf Befreiung zu stellen, aber man muss sich selbst darum kümmern, keiner weist einen darauf hin“, warnt Dörte Elß von der Verbraucherzentrale Berlin.

Um befreit zu werden, muss man seine bisherigen Ausgaben zusammenrechnen und die Belege zusammen mit seinem Einkommensbescheid bei der Krankenkasse einreichen. Chronisch Kranke haben besonders hohe Gesundheitskosten, deshalb gilt für sie eine Belastungsgrenze von einem Prozent. Tipp: Wer regelmäßig über der Belastungsgrenze liegt, kann gleich am Anfang des Jahres seinen Eigenanteil an die Kasse zahlen und sich für alle weiteren Ausgaben befreien lassen.

RABATTVERTRÄGE

In den vergangenen Jahren haben sogenannte Rabattverträge stark zugenommen. Die Krankenkassen haben mit Pharmaunternehmen Preisnachlässe ausgehandelt. Die Konsequenz: Die Apotheker sind verpflichtet, bestimmte Arzneimittel herauszugeben. Welche das sind, schwankt von Kasse zu Kasse. Daher verschreibt der Arzt in aller Regel nur noch den Wirkstoff. Verordnet der Arzt ein bestimmtes Medikament, für das es keinen Rabattvertrag zwischen Kasse und Pharmafirma gibt, tauscht der Apotheker das Arzneimittel aus. Der Arzt kann auf dem Rezept in Ausnahmefällen einen solchen Austausch ausschließen, wenn zum Beispiel eine Allergie vorliegt.

ZUZAHLUNGSFREIE MEDIKAMENTE

Der Arzt kann aber auch ein komplett zuzahlungsfreies Medikament verschreiben. Dazu gehören Arzneimittel, die wesentlich preiswerter sind als vergleichbare Mittel mit demselben Wirkstoff. Der Spitzenverband der gesetzlichen Krankenkassen veröffentlicht alle zwei Wochen eine aktuelle Liste. „Fragen Sie bei Ihrem Arzt nach, ob es auch für Sie ein zuzahlungsfreies Medikament gibt“, rät Verbraucherschützerin Elß.

GENERIKA

Freiverkäufliche, rezeptfreie Medikamente müssen die Verbraucher in der Regel selbst zahlen, die gesetzlichen Krankenversicherungen erstatten hier gar nichts. Nur bei Kindern bis zwölf Jahre ist das anders.

Für freiverkäufliche Medikamente gelten keine festen Preise, daher lohnt es sich immer, nach Nachlässen zu fragen und die Preise zu vergleichen. Eine gute Möglichkeit zu sparen: Generika kaufen. Diese Nachahmerprodukte haben denselben Wirkstoff wie das Originalmedikament, sind aber deutlich billiger. Fragen Sie in ihrer Apotheke auch nach Reimporten. Das sind Medikamente, die in Deutschland hergestellt wurden, dann aber ins Ausland exportiert wurden, wo sie weniger kosten. Anschließend werden die Mittel wieder nach Deutschland eingeführt und können hier preiswerter verkauft werden. Wer glaubt, selbst zum Importeur werden zu können, lebt gefährlich. Privatleute machen sich strafbar, wenn sie Billigmedikamente aus den USA oder China in die EU einführen wollen. Nur Medikamente für die Dauer der Reise dürfen ins Rückgepäck. Für Reisen innerhalb der EU gilt das nicht, hier gibt es keine Beschränkungen beim Eigenverbrauch.

VERSANDAPOTHEKEN

Frei verkäufliche und rezeptpflichtige Medikamente kann man auch über Versandapotheken beziehen. Bestellen darf man aber nur bei Online-Apotheken in Deutschland und in der EU. Bei frei verkäuflichen Medikamenten gibt es das größte Sparpotenzial. Tests der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen zeigen, dass die Preise von frei verkäuflichen Medikamenten bei Apotheken vor Ort wenig variieren, bei Versandapotheken jedoch schon. Manchmal seien Produkte bis zu einem Drittel billiger, manchmal aber auch teurer, fanden die Verbraucherschützer heraus. Den Preisvergleich bei Versandapotheken erleichtern Suchmaschinen wie medipreis oder medizinfuchs. Hier kann man das gewünschte Medikament in eine Suchmaske eingeben und das günstigste Angebot suchen lassen.

Die Verbraucherzentralen bewerten Anbieter aus Deutschland, den Niederlanden und Großbritannien als seriös. Diese Anbieter erkennen Sie unter anderem am Impressum der Internetseiten, das die Adresse der Apotheke und den Namen des Betreibers enthalten muss. Bei ausländischen Anbietern wird teilweise die Zuzahlung zu verschreibungspflichtigen Medikamenten erlassen. Auch ohne Internetzugang können Sie Medikamente bestellen. Einige Drogeriemärkte kooperieren mit Versandapotheken und bieten einen Bestell- und Abholservice an.

Der Einkauf bei Versandapotheken eignet sich aber nicht für jeden. Sollten Sie ein Medikament schnell benötigen, ist die Wartezeit von zwei bis drei Liefertagen zu lang. Bei rezeptpflichtigen Medikamenten vergeht noch mehr Zeit, da erst das Rezept an den Versandhandel geschickt werden muss. Meist fallen Versandkosten zwischen 2,90 bis 6,90 Euro an. Diese können die Einsparungen wieder zunichte machen. Ab einem bestimmten Bestellwert erlassen die Anbieter jedoch die Versandkosten. Haben Sie Zeit und wollen Sie Großpackungen kaufen, kann sich die Versandapotheke deshalb lohnen. Wenn Sie die persönliche Beratung schätzen, ist die Apotheke vor Ort die bessere Wahl.

Sparen können Sie aber auch hier, etwa bei den sogenannten Discounter-Apotheken wie DocMorris und Easy. Hier gibt es besonders häufig Rabattaktionen.

0 Kommentare

Neuester Kommentar