Verbraucher : Im Dutzend versenkt

Fatina Keilani

Das Testurteil: 8 Punkte0 Punkte: Hände weg und alle Bekannten warnen, 5 Punkte: Noch mal drüber schlafen, 10 Punkte: Sofort kaufen

Bisher hatte ich einen kleinen, wohlbepflanzten Balkon, seit kurzem aber besitze ich ein baufälliges Reihenhaus mit ungepflegtem Garten. Handwerker renovieren derzeit das Haus, aber niemand kümmert sich um den Garten. Damit er im Frühjahr nicht ganz so trostlos wirkt, beschloss ich, ein paar Blumenzwiebeln zu setzen, und die müssen jetzt unter die Erde, spätestens bis Dezember. Die Holländer sind auf diesem Feld natürlich führend, sie bieten nicht nur unfassbare Blumenvielfalt, sondern auch das passende Werkzeug an. Die Firma Sneeboer zum Beispiel stellt einen Blumenzwiebelpflanzer her, der das rückenschonende Einsetzen der Knollen erleichtern soll. Er funktioniert wie ein Spaten, dessen Schaufel man zu einem hohlen Zylinder eingerollt hat. Nach rechts ragt ein kleiner Steg raus, auf den man treten kann. Auf holländisch heißt der Zwiebelpflanzer Bollenpriem. Man bekommt ihn unter anderem für 62 Euro bei Manufactum.

Auf meine Anfrage bei Sneeboer schrieb Jaap Sneeboer, er habe gerade keinen Bollenpriem auf Lager. Kurz darauf schrieb er, er habe einen jetzt fertig geschmiedet, wohin er ihn schicken dürfe? Die Homepage erzählt die Familiengeschichte, wonach Jaap und seine zwei Brüder den Betrieb von Vater und Großvater übernahmen und immer noch mit Hammer, Amboss und Kohlenfeuer arbeiten.

Ich begann also, das Ding in unseren steinharten Lehmboden zu rammen, und bekam bloß Löcher von der Größe eines Eierbechers. Schnell entmutigt, griff ich zum Spaten, hob eine kleine Grube aus, schüttete die Zwiebeln rein und das Loch wieder zu. Dann rief ich meine Mutter an und wollte wissen, ob das richtig war. Sie hat einen wildromantischen Garten, der aussieht wie aus einer Zeitschrift. „Nein, du musst schon für jede Zwiebel ein eigenes Loch machen“, sagte sie. „Es muss doppelt so tief sein wie der Durchmesser der Zwiebel, rundherum Erde, und etwa zehn Zentimeter Abstand zwischen den Zwiebeln.“ Erzeugt man so etwa Romantik? Besonders die Tulpenzwiebel benötige dieses Einzelzimmer, da sie recht groß ist und sich selbst vermehre.

Nachdem ich den Boden etwas gelockert hatte, klappte der nächste Versuch besser. Sagenhaft schnell hatte ich ein Dutzend Zwiebeln versenkt. Die ausgestanzte Erde ließ sich als passgenauer Stopfen wieder einsetzen, auch die Tiefe stimmte. Echt gut, dieses Ding! Dann tauchte die Nachbarin auf. Sie erzählte, dass sie ihre Löcher mit einem alten Honigglas macht. Na, vielen Dank. Ich überließ ihr das Holländergerät. Am nächsten Tag gab sie es begeistert zurück. Besonders bei großen Zwiebeln sei der Hohlspaten eine riesige Arbeitserleichterung. Das finde ich auch.

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