Verbraucher : In die Röhre geschaut

Noch sind Fernseher mit flachen Flüssigkristall-Bildschirmen klassischen Geräten unterlegen – doch das wird sich bald ändern

Anselm Waldermann

Derzeit haben Kunden noch die Wahl: Wer sich einen neuen Fernseher kaufen möchte, muss sich entscheiden zwischen einem klassischen Röhrengerät und einem flachen Flüssigkristall-Bildschirm (Liquid-Crystal-Display, LCD). Doch bald dürfte sich das ändern: Spätestens in drei Jahren werden LCD-Fernseher die gute alte Röhre verdrängen, schätzen Experten. Nur im Billigsegment wird die alte Technik langfristig bestehen bleiben. „Im hochpreisigen Bereich ab 2000 Euro muss sich die Röhre bald verabschieden,“ sagt Klaus Petri, Unternehmenssprecher von Philips.

Dabei haben die Flachbildschirme durchaus noch technische Mängel. In einem Test der Stiftung Warentest schneiden die Flüssigkristall-Bildschirme der meisten Hersteller schlechter ab als die entsprechenden Röhrengeräte. So erhielt beispielsweise der LCD von Loewe im Gesamturteil nur ein „befriedigend“, das vergleichbare Röhrengerät derselben Marke kam hingegen auf ein „gut“. Ähnlich sah es bei Philips oder bei Thomson aus. Nur die Flüssigkristall-Geräte von Sony und von Sharp konnten überzeugen: Sie kamen im Gesamturteil auf ein „gut“.

Insgesamt beklagten die Tester, dass die LCDs nur von vorne ordentliche Bilder bieten – je schräger der Blickwinkel ist, desto heller wird das Bild. Außerdem verwischen schnell bewegte Bilder auf den flachen Schirmen ein wenig: Autos oder Sportler, die durch das Bild huschen, ziehen einen leichten Kometenschweif hinter sich her. Die Tonleistung der LCDs war ebenfalls meist schwach – die flachen Geräte bieten nur wenig Raum für hochwertige Lautsprechersysteme. Und die flachen Fernseher sind immer noch teuer.

Auch andere Fachleute halten die LCDs noch nicht für perfekt. „Im Durchschnitt ist die Röhre den Flüssigkristall-Bildschirmen derzeit überlegen“, sagt Volker Straßburg von der Testzeitschrift „Video“. So könnten die Kristalle die ständig leuchtende Hintergrundlampe nicht völlig verdunkeln. „Die meisten Geräte bekommen deshalb keinen satten Schwarzton hin“, sagt Straßburg. „Schwarz wirkt stattdessen oft nur gräulich.“

Doch diese Mängel dürften bald behoben sein, schätzt der Experte. „In einem Jahr wird man von keinem störenden Faktor mehr sprechen können.“ Schon heute könne man die meisten Fehler der Flüssigkristall-Schirme nur noch im direkten Vergleich mit Röhrenfernsehern feststellen – im normalen Betrieb fielen sie schon gar nicht mehr auf.

Zumindest bei Geräten mit einer Bildschirmdiagonalen von 76 Zentimetern werde sich die LCD-Technologie deshalb schon bald durchsetzen: „In zwei, drei Jahren wird es in dieser Klasse keine Röhre mehr geben“, sagt Straßburg. Nur als Billiggeräte könnten Röhrenfernseher noch überleben.

Ähnlich sehen das auch die Hersteller. Laut einer Sony-Studie machten LCD- Fernseher 2003 noch zwölf Prozent des gesamten Markts für TV-Geräte aus, in diesem Jahr sind es schon 29 Prozent. Für 2005 prognostiziert das Unternehmen einen Anteil von 43 Prozent. „2007 wird die Röhre weitgehend verdrängt sein“, sagt die Sprecherin von Sony Deutschland, Myriam Hoffmann. Schon die Fußball-Weltmeisterschaft im Jahr 2006 werde einen Verkaufsschub bei Flachbildschirmen auslösen. Denn die WM wird aller Voraussicht nach in High Definition ausgestrahlt, also im breiten 16:9-Format mit deutlich höherer Bildqualität. Diesen Vorteil könne man aber nur mit einem Flachbildschirm richtig genießen, sagt die Sony-Sprecherin.

Auch bei Loewe ist klar: Der Trend zum Flachbildschirm lässt sich nicht mehr aufhalten. Zwar habe die Bildröhre „immer noch das beste Preis-Leistungs- Verhältnis“, sagt Unternehmenssprecher Roland Raithel. Doch er ist sich sicher: „Ab 2007/2008 werden in Deutschland mehr Flachbildschirme verkauft als Röhrengeräte.“ Derzeit würden die Deutschen der internationalen Entwicklung noch hinterherhinken: „In anderen europäischen Ländern und in den USA ist der Wandel zu Flachbildschirmen schon wesentlich weiter.“

Bei Philips gibt man traditionellen Fernsehgeräten ebenfalls keine große Zukunft mehr. „Die Röhre hat zwar noch leichte Vorteile, was die Kontraste angeht“, sagt Firmensprecher Klaus Petri. „Aber niemand wird wegen solcher technischer Mängel auf den Kauf eines LCD-Geräts verzichten.“ Ohnehin sei der große Vorteil der Flüssigkristall-Schirme ein ganz anderer: „Flache Bildschirme sind einfach sexier.“

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