Verbraucher : In die Röhre schauen Klarer fernsehen

Flache TV-Bildschirme erobern den Markt. Besser als die klassischen Bildröhren sind sie nicht

Alexander Visser

Neben den LCD-Geräten hat die Stiftung Warentest auch acht klassische Bildröhrenfernseher getestet. Die Dicken brauchen zwar viel Platz – vor allem bei Bilddiagonalen um die 70 Zentimeter –, sind dafür aber auch sehr solide . Fast alle geprüften Geräte erhielten die Note gut. Testsieger wurde der Panasonic TX-29 PX20D mit einer Note von 2,0. Die Prüfer bescheinigen hohe Bildqualität und hervorragende Umwelteigenschaften. Der Preis von 950 Euro stimmt auch. Mit einer Note von 2,1 fast ebenso erfolgreich getestet wurde der Loewe Nemos 29, der mit einem Durchschnittspreis von 1230 Euro allerdings zu den teureren Geräten gehört. Der günstigste Fernseher mit der Note „gut“ wurde der Thomson 29DC 4105, den sich Heimkinofreunde für rund 630 Euro ins Wohnzimmer stellen können – genug Platz vorausgesetzt. avi

Die Seite „TESTEN“ entsteht in Kooperation mit der Stiftung Warentest .

Die Zukunft des Fernsehens, da ist sich Ralf Schäfer sicher, gehört den Flachbildschirmen: „In Japan kauft längst niemand mehr Bildröhrengeräte, und auch bei uns geht der Trend eindeutig in Richtung LCD“, diagnostiziert der Fernseh-Fachmann vom Verband der Elektrotechnik. LCD steht für liquid chrystal display, also Flüssigkristallbildschirm, der bei Computern längst Standard ist. Doch der Ingenieur gesteht ein, dass die Zukunft in seinem eigenen Wohnzimmer noch nicht angekommen ist: Da steht noch ein herkömmliches Bildröhrengerät.

Auch viele andere Verbraucher sehen noch keinen Anlass, ihre dickbäuchige Kiste gegen einen flachen Schirm auszutauschen. Die Zukunft mag den LCD-Geräten gehören, doch, so zeigt ein aktueller Vergleich von Stiftung Warentest, heute gibt es auch noch gute Gründe für ein Röhrengerät. Die Produkttester haben insgesamt acht Röhrengeräte mit Bilddiagonalen um 70 Zentimeter und acht große LCD-Fernseher untersucht. Vor allem im Preis ist die traditionelle TV-Technik noch unschlagbar: Hochwertige Röhrengeräte gibt es schon ab unter 1000 Euro, Flüssigkristall-Geräte kosteten mindestens doppelt so viel.

Allerdings geht der Preistrend steil nach unten: „Vor zwei Jahren hatten wir bei großen LCD-Geräten noch einen Durchschnittspreis von rund 4515 Euro, jetzt liegen wir bei 2600 Euro“, sagt Roland Stehle von der Gesellschaft für Unterhaltungs- und Kommunikationselektronik (GfU). Nächstes Jahr, so Stehle, könne es aufgrund ausgeweiteter Kapazitäten in Asien zudem zu einem weiteren Preissturz kommen. Mit dem sinkenden Preis steigt die Nachfrage: Während 2001 gerade mal 8000 LCD-Fernseher verkauft wurden, rechnet die GfU 2004 mit 475000 Geräten.

Design-Liebhaber schätzen die schlanke Linie der LCD-Fernseher. Technik-Fans freuen sich über die hohe Bildschärfe und Farbbrillanz. Allerdings ergab der Test in punkto Bildqualität Schwachpunkte. Bei schnellen Bewegungen können die Bilder verruckeln, die Ansicht erscheint „pixelig“. Auch die Farbwiedergabe ist zuweilen unnatürlich, reine Farben gleiten in Pastelltöne ab oder werden graustichig. Die Röhrengeräte schnitten hier besser ab.

Die Tester haben herausgefunden, dass die Bildqualität bei LCD-Geräten entscheidend von der Datenquelle abhängt: Kommen die Empfangssignale von einem digitalen Gerät, wie dem DVD-Spieler, ist das Bild gut. Wer sich einen LCD-Fernseher zulegt, sollte also über einen digitalen TV-Anschluss nachdenken, etwa via Satellit. In und um Berlin haben die Zuschauer sogar noch mehr Alternativen als das übrige Deutschland: In dieser Pilotregion gibt es Digital-TV auch per Kabel oder Antenne.

Wer über die Anschaffung eines Flachbildschirms nachdenkt, sollte sich auch über den Blickwinkel informieren, ab dem bei LCD-Geräten das Bild seine Kontraste verliert. Je weiter zur Seite die Zuschauer sitzen, desto schlechter die Bildqualität. Beim Testsieger Sony können Betrachter immerhin bis 50 Grad zur Seite rutschen, vor dem Gerät von Toshiba stapeln sich die Zuschauer in der Mitte. Auch bei der Tonqualität waren die Röhrengeräte der neuen Technologie noch überlegen, die oft etwas schrill klingt. Zudem glänzten die Flachen nicht bei den Umwelteigenschaften: Anders als Bildröhrengeräte verursachten fast alle LCD-Bildschirme selbst in ausgeschaltetem Zustand Stromkosten.

In der Handhabung erwiesen sich die LCD-Geräte nicht grundsätzlich komplizierter als Röhrenfernseher. Und sie erwiesen sich im Warentest als vielseitiger: Wer am Großbildschirm Computerspiele, Internet oder Fotoprogramme nutzen will, sollte darüber nachdenken, schon heute die Zukunft in sein Wohnzimmer zu lassen.

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