Internet : Ebay-Händler leben gefährlich

Viele Händler des Internetauktionshauses betreiben ihre Geschäfte gewerblich, geben sich jedoch als privat aus und umgehen damit den Fiskus. Fahnder machen Jagd auf die Steuerhinterzieher.

Nils-Viktor Sorge

Jeden Tag bekommt der Berliner Steuerfahnder Wolfgang Lübke Post vom Internet-Auktionshaus Ebay. In den Briefumschlägen mit dem bunten Logo befinden sich Daten von Händlern, die sich verdächtig gemacht haben. „Viele geben vor, privat zu handeln, betreiben die Geschäfte aber längst gewerblich“, sagt Lübke.

64.000 Menschen leben von Ebay

Das Internet wird als Marktplatz immer wichtiger – und damit auch als Tummelfeld für Steuerbetrüger. Allein über Ebay wechselten in Deutschland im Jahr 2006 Waren im Wert von vier Milliarden Euro den Besitzer. Rund 64.000 Menschen verdienen einen maßgeblichen Anteil ihres Lebensunterhalts mit dem Handel bei dem Auktionshaus. Wie viel Geld dem Fiskus durch die Lappen geht, vermag dieser selbst nicht zu beziffern.

Ab wann Verkäufer als gewerblich tätig gelten, ist nicht eindeutig festgelegt. Wer aber Waren kauft, um sie über Ebay wieder anzubieten, vor allem Neuwaren verkauft und häufig aktiv ist, wird es schwer haben, nachzuweisen, dass er all dies privat tut. „Wer 500 Verkäufer-Bewertungen von anderen Ebay-Mitgliedern erhalten hat, hat ja 500 Verkaufsverhandlungen geführt“, sagt Lübke. „Das kann dann nicht nur Omas Plattensammlung sein.“

Persönliche Daten müssen bei Verdacht herausgegeben werden

Die Steuerfahnder entwickeln ständig neue Programme, mit denen sie das Internet nach Händlern durchforsten, die weder Umsatzsteuer erheben noch Gewinne dem Fiskus mitteilen. Die Software „Xpider“ filtert mit einem Kriterienkatalog gezielt Seiten heraus, die auf eine unternehmerische Tätigkeit schließen lassen. Anschließend sammelt das Programm die verdächtigen Vorgänge. Erhärtet sich ein Verdacht, fragen die Beamten gezielt bei Ebay oder anderen Handelsplattformen wie Amazon.de nach.

Diese müssen mit dem Fiskus zusammenarbeiten. „Wenn es ein Verfahren gegen ein Mitglied gibt, sind wir verpflichtet, den Behörden die Kontodaten preiszugeben“, sagt Ebay-Sprecherin Maike Fuest. So nenne das Auktionshaus dem Amt beispielsweise die tatsächlichen Namen von Händlern, die anonym auftreten. Ebay übermittelt aber insbesondere auch die Handelsaktivitäten vergangener Jahre. „Die Daten bleiben einige Jahre gespeichert“, sagt Fahnder Lübke.

„Man muss allgemeinen Trends nachspüren“, berichtet er. Mal werden verstärkt PCs von Aldi, mal Fußball-Eintrittskarten und dann wieder Designerschuhe gehandelt. Zuletzt überführten die Fahnder einen Mann, der massenhaft Diätdrinks verkaufte. Umsatz pro Jahr: 90.000 Euro. Ihm droht eine fünfstellige Geldbuße. Ins Gefängnis wandert man jedoch erst, wenn man dem Fiskus mehrere hunderttausend Euro Steuern vorenthält.

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