Interview : "Mondpreise lehnen wir ab"

PKV-Chef Volker Leienbach kritisiert Honorarforderungen der Ärzte.

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Herr Leienbach, wie teuer wird die private Krankenversicherung im nächsten Jahr?

Das ist von Unternehmen zu Unternehmen unterschiedlich, als Verband können wir dazu nichts sagen.

Warum wird es immer teurer?

Die Lebenserwartung steigt ständig, der medizinisch-technische Fortschritt nimmt zu. Hinzu kommt das Bestreben der Ärzteschaft nach auskömmlichen Honoraren. Das entfaltet sich über die Höhe der Gebühren und die Menge der Untersuchungen. Oder wie sollte man sich sonst erklären, dass beispielsweise die Laborkosten bei Privatversicherten pro Kopf fünf Mal so hoch wie sind wie bei Kassenpatienten? Dieser Unterschied ist jedenfalls medizinisch nicht zu erklären.

An diesem Donnerstag will der Bundestag Zwangsrabatte der Pharmahersteller beschließen. Wie profitiert die PKV davon?

Die Privatversicherten werden durch ihre Einbeziehung in die Rabatte der Arzneimittelhersteller jährlich um einen dreistelligen Millionenbetrag entlastet. Auch für andere Leistungsbereiche gilt: Wir sind bereit, eine angemessene Vergütung zu zahlen, aber Mondpreise lehnen wir ab. Dasselbe gilt für überflüssige Untersuchungen.

Die Regierung will zudem die Wartezeit für Gutverdiener, die sich privat versichern wollen, von drei Jahren auf zwölf Monate verkürzen. Wie viele neue Kunden bringt Ihnen das?

Die Regierung führt ja nur das wieder ein, was bis 2007 schon gegolten hat. Betrachtet man den Vorher-Nachher-Effekt – also die Neuzugänge aus dem letzten Jahr der alten Regelung mit den Neukunden im ersten Jahr mit der Drei-Jahres-Frist – liegt die Differenz bei 16 000 Versicherten. Das ist weniger als viele glauben. Die Wartefrist gilt ja nur für Angestellte und nicht für Beamte. Von unseren neun Millionen Versicherten machen die Angestellten nur 13 Prozent aus.

Die privaten Versicherer legen einen Teil des Geldes ihrer Versicherten am Kapitalmarkt an, um mit den Zinseinnahmen Beitragserhöhungen im Alter zu dämpfen. Bisher kalkulieren sie dafür mit einem Zinssatz von 3,5 Prozent. Ist das realistisch angesichts der Zinsflaute an den Kapitalmärkten?

Ja, wir haben 2009 sogar 4,27 Prozent erwirtschaftet, auch in diesem Jahr werden wir wahrscheinlich deutlich über 3,5 Prozent liegen. Die Portfolios der Versicherer sind gut gemischt, den Rechnungszins von 3,5 Prozent können wir locker darstellen.

Volker Leienbach

ist Verbandsdirektor und Geschäftsführendes Vorstandsmitglied des Verbands der privaten Krankenversicherung (PKV-Verband). Mit ihm sprach Heike Jahberg.

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