iPhone : „Einfach schön“

Apple hat in den USA mit dem Verkauf des iPhones begonnen und einen weiteren PR-Coup gelandet – die Kunden stürmen die Läden.

Christoph von Marschall[Washington]
iPhone
Der große Ansturm: Jagd auf die begehrten iPhones -Foto: AFP

Die Vorfreude währte Stunden, der Moment der Erfüllung war fast nüchtern kurz. Vier Minuten nach dem Verkaufsstart um 18 Uhr am Freitag Abend verlässt der erste stolze iPhone-Besitzer die Filiale der Telefongesellschaft AT&T an der Wisconsin Avenue im Nordwestteil von Washington DC. Daniel, 22, dunkle Locken, breiter Brustkorb unter einem schwarzen T-Shirt mit rotem Schriftzug des LaCross-Teams „Presidents“, hatte es sich am Donnerstag, kurz vor Mitternacht, mit einer Matratze auf dem Bürgersteig vor dem Laden bequem gemacht. Er tat es für seinen Vater, einen Producer der TV- Gesellschaft ABC. Und deshalb packt er es auch nicht aus, nicht mal den vielen Kameras zuliebe. Vier, fünf Mal stellt er sich strahlend in Positur, die verschlossene Packung triumphal Richtung Objektive gestreckt, ein Siegerlächeln im Gesicht.

Es ist die Bildbotschaft, auf die Hersteller Apple und AT&T, die sich den Monopolzuschlag unter den Netzbetreibern gesichert hatten, hofften – und bekommen, landesweit: Euphorie, die ansteckende Kauflust wecken soll. Von New York bis Kalifornien halten die Apple-Fans ihre Neuerwerbung vor die Fernsehlinsen, mal im schicken schwarzen Einkaufstütchen mit dem Apple-Logo, mal ausgepackt in der einen Hand, mit den Fingern der anderen zärtlich darüber streichend.

Seit Wochen hatten die PR-Strategen die Neugier auf das angebliche Wundergerät, das „Jesus Phone“ genährt: Mobiltelefon, Organizer, persönliche digitale Musik-, Foto- und Videobibliothek in einem, dazu leicht bedienbar. Mit kleinen Fingerbewegungen auf dem „Touchscreen“, dem auf Berührungen reagierenden Bildschirm, wählt man sich durchs Menü.

Position zwei in der Wisconsin Avenue halten Evan und Mic, beide 20, die beide nicht sagen, ob sie sonst studieren oder arbeiten. „Party machen“, geben sie als Hauptbeschäftigung an. Das iPhone soll ihnen dabei helfen. Ganz schnell wollen sie es im Internet anbieten und für „so ungefähr 1200 Dollar“ verkaufen, das Doppelte des Ladenpreises. Kurz nach Mitternacht hatten sie sich angestellt.

Nur 16 Leute waren gegen 14 Uhr am Freitag in der Schlange gewesen, vier Stunden vor dem großen Moment. Das Kalkül, der Andrang bei den Apple-Stores werde größer, bei AT&T kleiner sein, geht auf. Einige Meilen weiter nördlich, in einer Einkaufsmall in Bethesda, warten am Ende über 200 vor der Apple-Filiale.

In der Wisconsin Avenue haben die meisten Klappstühle dabei und angesichts des Wetterberichts Schirme in den verschiedensten Formen und Farben. Mit einem kleinen rot-weißen in Glockenform, der gerade mal einem Kopf Schutz bot, sitzt Daniel auf seiner Matratze. Deborah, James und Cindy fallen unter ihrem ausladenden dunklen, in die Jahre gekommenen Golf-Schirm etwas aus dem Rahmen. Die drei Schwarzen Mitte bis Ende 40 sind auch nach Sprache, Alter und Kleidung keine typischen iPhone- Fans. Man hätte sie eher im armen Südosten oder gar im Obdachlosenmillieu vermutet. Gegen Bezahlung halten sie die Stellung. Wie viel herausspringt, wollen sie nicht sagen. Aber die Vermutung 50 Dollar geht ihnen dann doch gegen die Ehre. „Viel mehr.“ 100 Dollar? „Mehr.“ Erst beim Angebot „einige hundert Dollar“ folgt ein zustimmendes Nicken.

Brian, 26, steht kurz vor dem Abschluss in Grafik-Design. 500 Dollar für die Version mit dem kleineren Speicher, vier Gigabyte, 600 für das 8-Gigabyte- Modell sind viel Geld. Aber „das iPhone ist einfach schön, ich bin ein großer Fan.“ Den Preis kann man auch umgekehrt sehen: Ein iPod kostet 300, ein gutes Handy mit Organizer 300, mobile Geräte mit Internetzugang ebenso. Das alles in einem Apparat für 500 Dollar, „das ist doch geradezu ein Schnäppchen“.

Dies ist die typische Haltung unter den Wartenden, deren Zahl bis 18 Uhr auf rund 70 anschwillt: Es ist cool, das iPhone zu haben. Es ist Kultobjekt und Statussymbol. Dafür geben sie gerne Geld aus in Amerika.

„Selbst wenn der Vorrat ausgeht, bekommt jeder, der heute den Vertrag abschließt, ein Gerät binnen zwei, drei Tagen per Post zugesandt“, verspricht Alexa Kaufman, die Apple eigens für die Öffentlichkeitsarbeit in die Wisconsin Avenue geschickt hat. Wie viele Geräte in diesem Laden warten, kann oder will sie nicht sagen. Aber diese Botschaft ist ihr wichtig: „Endlich kommt ein Fortschritt im Handybereich aus den USA und nicht aus Europa oder Asien, wie all die letzten Jahre. Darauf sind wir stolz.“

Punkt 18 Uhr öffnen sich die Türen, ein Polizeiwagen wartet an der Ecke, für alle Fälle. Die ersten zehn aus der Schlange werden eingelassen, die Zahl der Medienvertreter drinnen ist größer. Dann geht es im Drei- bis Vier-Minuten-Takt. Nach einer guten Stunde ist verkauft, was auf Lager war, im ganzen Großraum Washington mit seinen 70 AT&T-Filialen und einem Dutzend Apple-Stores. Der Internetpreis fällt in der Nacht von 1300 auf 700 Dollar. So groß war der Andrang auch wieder nicht.

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