Verbraucher : Kalt erwischt

Olivenöl der höchsten Güteklasse „nativ extra“ muss geschmacklich fehlerfrei sein. Nicht alle Hersteller halten sich daran

Corinna Visser

Sie ist wieder da, die Zeit für Caprese: Dafür braucht man nicht nur frische Tomaten, Basilikum und Mozzarella, sondern vor allem ein fruchtiges Olivenöl. Auch frische Kräuter lassen sich jetzt gut zu einer leckeren Marinade verarbeiten. Die gute Nachricht vorweg: Anders als in früheren Tests fanden die Experten der Stiftung Warentest diesmal – mit einer Ausnahme – keine Weichmacher im Olivenöl. In puncto Schadstofffreiheit schnitt mehr als die Hälfte der getesteten Olivenöle sogar „sehr gut“ ab. Dennoch waren vier Produkte insgesamt „mangelhaft“: Sie schmeckten ranzig oder muffig und kaum noch fruchtig.

Das ist umso ärgerlicher, als im Test nicht nur ausschließlich Olivenöle der höchsten Güteklasse „nativ extra“ geprüft wurden, sondern auch, weil ein Bio-Produkt und ein sehr teures Öl zu den mangelhaften Produkten zählten. Fazit der Stiftung Warentest: „Spitzenpreise garantieren keine Spitzenklasse – schließen sie aber auch nicht aus.“ Fehler in Geruch und Geschmack wiegen bei Olivenölen mit der deklarierten Güteklasse „nativ extra“ schwer. Denn sie widersprechen den gesetzlichen Vorgaben der EU, sie sind schlicht Etikettenschwindel.

Testsieger mit der Gesamtnote „sehr gut“ wurde das Bio-Öl Neuco für 17,60 Euro pro Liter. Es fiel den Testern durch seine deutliche Fruchtigkeit auf. Das Roi Carte Noire Tropföl fanden die Tester sensorisch ähnlich gut, es ist aber mit 55,50 Euro pro Liter auch das teuerste Produkt im Test. Wer so viel Geld nicht ausgeben mag, bekommt gute Öle auch beim Discounter: zum Beispiel Lidl Luccese für 7,20 Euro. Eine hohe Belastung an gesundheitskritischen Weichmachern fanden die Tester ausgerechnet in einem mit „bio“ deklarierten Produkt: bei Mani Gold Bio. Weichmacher stehen im Verdacht, wie Hormone zu wirken und Unfruchtbarkeit hervorzurufen.

Olivenöl sollte man nicht zu lange aufbewahren. Monat für Monat verliert es an Frische und Fruchtigkeit. Bei kühler und dunkler Lagerung hält es zwei, maximal drei Jahre. Der Test zeigte aber auch, dass die Anbieter nicht immer das frischeste Öl abfüllen. Die Tester haben dabei eine mögliche Erklärung: Anbieter exklusiver Öle, die auf dem Etikett oft besondere Herstellungsverfahren, eine geschützte Herkunft und spezielle Olivenölsorten ausloben, lassen ihre Öle offenbar nicht immer durch ein amtlich anerkanntes Olivenöl-Panel kontrollieren. Discounter dagegen wüssten, dass ihre Produkte häufig geprüft würden und beugten daher mit eigenen Kontrollen vor.

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