Verbraucher : Kaltes für den Schiri

Henning Zander

Das Testurteil: 6 Punkte 0 Punkte: Hände weg und alle Bekannten warnen, 5 Punkte: Noch mal drüber schlafen, 10 Punkte: Sofort kaufen

Als ich in einer sehr frühen Phase meiner Jugend Fußballstar werden wollte, dachte ich dabei in allererster Linie an den Stürmer. Der schießt die Tore, der steht im Rampenlicht, der entscheidet das Spiel. Für eine kurze Zeit war auch die Position des Torwarts attraktiv. Ein Elfmeterheld wie damals bei der Weltmeisterschaft in Italien 1990 Bodo Illgner oder jetzt Jens Lehmann. Allerdings hatte ich kein großes Talent zum Toreschießen. Und im Tor selbst fühlte ich mich mit meiner Brille, um deren Unversehrtheit ich bangte, doch sehr unwohl.

Aber nie wäre ich auf den Gedanken gekommen, Schiedsrichter könnte eine Alternative sein. Und jetzt halte ich diese rote Pfeife in der Hand. Ein Zeichen? Es ist warm, in der Sonne vielleicht 40 Grad. Mit meiner Frau komme ich gerade von der Fanmeile. Das Spiel England – Portugal hat uns nicht besonders mitgerissen. Um die Laune zu heben, schlage ich ein Eis vor. Wir finden einen Stand von Langnese. Ich nehme das Eis mit dem Namen Fußball. Das finde ich angemessen für diesen Tag. Einen Euro kann man da schon investieren. Meiner Frau will ich auch einen Fußball kaufen, die schüttelt aber nur lächelnd den Kopf.

Das Eis sieht tatsächlich aus wie ein Fußball – jedoch nicht wie der WM-Ball „Teamgeist“ sondern wie der gute alte mit den schwarzen und weißen Sechsecken. Allerdings ist dieser Fußball nicht rund, sondern plattgedrückt. Er steckt auf einem sehr kurzen roten Stil, den man kaum mit zwei Fingern halten kann. „Flanken schlagen kann man damit nicht“, ulke ich. Meine Frau verdreht die Augen.

Die dunklen Sechsecke schmecken nach Schoko, die weißen nach Vanille. Nicht zu süß und auch nicht zu chemisch, wie man das von manch anderen Eissorten kennt. Schnell ist es auch aufgeschleckt und der ropte Stil entpuppt sich als Pfeife. „Tüüüüüüüüt!“

Klares Abseits. Mit der Pfeife sehe ich plötzlich viel klarer die ganzen kleineren und größeren Tätlichkeiten um mich herum. Diese gelbwürdigen Rempeleien zwischen den Passanten. Und sage mir nicht einer, hier ginge es um internationale Härte. So nicht. „Tüüüüüt!“ Ein Fahrradfahrer dreht sich zu mir um und wedelt mit der Hand vor seinem Gesicht. So geht man nicht mit dem Schiedsrichter um. Freundchen, jetzt stell ich dich vom Feld. „Tüüüüüüüt!“ Meine Schiedsrichterassistentin gibt mir ein Zeichen. Die 90 Minuten sind um. Jetzt geht es einkaufen.

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