Verbraucher : Karten-Notruf startet ohne Privatbanken

Felix Serrao

Berlin – Es hätte so einfach sein können: eine Nummer 116 116 für alle. Zwar kann theoretisch ab 1. Juli in Deutschland jede verlorene Bank- oder Kreditkarte – egal von welchem Geldhaus – über die Telefonnummer 116116 gesperrt werden. In der Praxis aber werden sich viele Kunden weiterhin mehrere Nummern merken müssen: Die Privatbanken nämlich machen bei der Einheitsnummer erst einmal nicht mit.

Sprecher der Deutschen Bank, Dresdner, Commerzbank und Hypo-Vereinsbank sagten dem Tagesspiegel, dass ihre Häuser abwarten wollen, ob sich der neue Service bewährt. Die privaten Kreditinstitute fordern Einzelverträge. Dabei dürften zu den offenen Verhandlungsfragen die Haftung zählen sowie die Kosten für das Sperren einer Karte: Denn der Kunde zahlt dafür nichts, den Preis von derzeit 1,60 Euro pro Karte muss die betroffene Bank übernehmen.

Bereits überzeugt und ab 1. Juli mit dabei sind indes die Sparkassen, American Express sowie Volks- und Raiffeisenbanken – letztere zu Beginn nur mit ihren Debit-Karten (früher „ec“). Die Kreditkarten sollen aber „in Kürze“ folgen. Damit kann die Mehrheit der Besitzer der insgesamt rund 110 Millionen Kredit- und Debitkarten in Deutschland den neuen Service nutzen. Im Inland ist die 116116 kostenlos, im Ausland fallen über die Vorwahl 0049 landesabhängige Gebühren an.

Betrieben wird der Notruf von der Frankfurter „Sperr-Notruf GmbH“. Zwei Call-Center, in Wilhelmshaven und Magdeburg, stellen Anrufer zu den eigentlichen Sperrdiensten der Kartenausgeber durch. Sind mehrere Karten weg, dann verbinden die Mitarbeiter nacheinander mit den jeweiligen Diensten. Zu den bekannten Unterstützern der 116116 zählen Bundesregierung und Deutsche Telekom. Weniger konventionell war allerdings der Verein, den „Sperr“-Geschäftsführer Michael Denck 2002 aufsuchte, um sein System auf mögliche Schwachstellen abzuklopfen – den Chaos Computer Club.

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