KAUFEN oder NICHT : Experimente auf der Zunge

Henrik Mortsiefer testet molekulare Cocktails.

Henrik Mortsiefer

Ich hatte nie einen Chemiebaukasten. Lebenslang, so schien es, würden mir die explosiven Erfahrungen anderer Jungs vorenthalten bleiben. Inzwischen bin ich der Generation Baukasten entwachsen, die Experimentierfreude ist geblieben. Deshalb wagte ich mich an eine altersgerechte Versuchsanordnung. Das Unternehmen Biozoon bietet einen Baukasten zur Herstellung molekularer Cocktails an. Alkoholika und Säfte lassen sich damit unter Zuhilfenahme von natürlichen Pulvern in ungewöhnliche Aggregatzustände versetzen: bunte Schäume, kaviarähnliche Perlen, fluide Gele. Die Mix-Getränke sollen nicht nur mit bunten Farben überraschen, sondern auch Gaumen und Zunge mit seltsamen Konsistenzen verwirren. Allein, der Weg dorthin ist lang. Wer nicht zufällig über einen Bestand an Hochprozentern verfügt, muss erst einkaufen: Wodka, Gin, Tequila, Rum, Sekt, Säfte, Sirup, Sahne, Obst… Da kommen mit dem „Cocktail-Pro“-Set (49,90 Euro etwa bei Pro Idee) schnell 100 Euro zusammen. Der Kasten liefert Dosierlöffel, Pipetten oder Messbecher sowie die Pülverchen zum Anrühren. Nach aufwendiger Küchenarbeit (zirka eine Stunde) gelangen mir zwei Gläser Kir Royal, in denen lustige Cranberry-Drops schwammen, die wie Kaviar auf der Zunge zerplatzten. Nett! Nach meinem Geschmack lohnten die Mühen der Vorbereitung das Ergebnis allerdings nicht. Ich setze mich lieber wieder in die Cocktailbar meines Vertrauens – und lasse die Profis mixen.

DAS TESTURTEIL: 2 von 10 Punkten

0 Punkte: Hände weg und alle Bekannten warnen, 5 Punkte: Noch mal drüber schlafen, 10 Punkte: Sofort kaufen

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