Kaufen oder nicht : Jeder sein eigenes Kraftwerk

Dass Radler eine Menge Energie produzieren, die bisher ungenutzt verpuffte, hat den kalifornischen Faltradhersteller Dahon zu einer Weiterentwicklung des quasi Perfekten inspiriert: Andrea Dernbach lädt ihr Handy beim Radfahren auf.

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ReeCharge -Foto: promo

Wir Radfahrer fühlen uns ja ohnehin als Perlen in der Krone der Schöpfung: Wir retten das Klima, weil diese schöne Art der Fortbewegung statt Sprit nur Kalorien verbrennt, und entlasten die Kassen, weil wir Hexenschuss und Herz-Kreislauf-Krankheiten davonstrampeln. Dass wir dabei zudem eine Menge Energie produzieren, die bisher ungenutzt verpuffte, hat jetzt den kalifornischen Faltradhersteller Dahon zu einer Weiterentwicklung des quasi Perfekten inspiriert: Dahons „BioLogic ReeCharge“ fängt auf und speichert, was unsrer Beine Arbeit an Energie erzeugt, und gibt sie bei Bedarf ab. Vorzugsweise ans Handy, den iPod MP-3-Player und anderes Kleingerät – bis zum Ersatz eines Kohlekraftwerks durch Radenergie ist es wohl noch weit.

Der Selbstversuch war ermutigend: Einmal mit dem Nabendynamo verkabelt – der freilich ist ebenso Voraussetzung wie etwas mehr als haushaltsüblicher technischer Verstand für die Montage – genügt es, den leichten kleinen Akku an die Lenksäule zu knöpfen und auf die linke der drei Tasten, die Charge- In-Taste, zu drücken. Und los. Wenn’s dann rechts grün leuchtet, sollte die Sache funktionieren. Hat sie auch: Schon nach einer guten halben Stunde und zehn Kilometern vom tiefen Kreuzberg zum Savignyplatz meldeten die Kontrolleuchten volle Ladung. Es war also jenes Drittel Speicherenergie zurück, das der ReeCharge tags zuvor an mein leeres Telefon abgegeben hatte.

Dafür hatte er freilich deutlich mehr Zeit gebraucht als dessen Ladegerät. Mit älteren Handys fremdelt der ReeCharge ohnehin. Sei’s drum, bin jetzt schon süchtig. Der Gedanke, jemals wieder beim Radeln einfach so Energie zu verschwenden, die sich auch am Telefon verquatschen ließe – brrrr. Zwar ist der ReeCharge kaum mehr als weiße Salbe fürs Gewissen, wo doch allein Deutschlands Standby-Schaltungen die Leistung zweier Atomkraftwerke verfrühstücken. Aber quasi nebenbei auch noch sein eigenes, tadellos regeneratives Kraftwerk zu sein: Das ist für die Eitelkeit einfach unwiderstehlich. Den BioLogic ReeCharge gibt es für 45 Euro im Fahrradhandel, Vertragshändler findet man unter www.dahon-faltrad.de

DAS TESTURTEIL: Sieben von zehn möglichen Punkten

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