Kaufen oder nicht : Mit Anschluss

Philipp Lichterbeck testet Laufschuhe mit Musik.

Philipp Lichterbeck

Jeder Jogger wird sich die Fragen schon gestellt haben: Wie weit bin ich gerade gerannt? Und wie schnell war ich? Figurbewusste mögen sogar darüber grübeln, wie viele Kalorien sie verbrannt haben: Ist die Tüte Chips vom Fernsehabend (800 Kalorien) abgegolten oder doch nur das Radieschen aus dem Mittagssalat (13 Kalorien)? Für den ziellosen Läufer, der sagt, ich renne 45 Minuten und basta, mögen die Antworten egal sein. Interessanter werden sie, wenn man gezielt trainiert oder sich mit Freunden messen will. „Du brauchst für den Kilometer fünf Minuten? Mann, ich renne ihn in 4:55!“

Die Spezies des Leistungskontrollfreaks haben Nike und Apple nun entdeckt und bringen das „Nike+iPod“-Set auf den Markt. Das Prinzip ist einfach: Während des Laufens werden Daten von einem Sensor im Schuh an einen Empfänger übermittelt, der an einen iPod angeschlossen ist. Einzige Voraussetzung ist der Besitz eines iPods Nano. Der Vollständigkeit halber muss erwähnt werden, dass die für Marathonanwärter wichtigste Information nicht erfasst wird: der Puls.

Der Nike-Schuh, der 109,95 Euro kostet, ist im linken Exemplar unter der Einlegesohle mit einem ovalen Fach ausgestattet, in das man den acht Millimeter flachen und 6,5 Gramm leichten Sensor platziert. Den Sensor erhält man für 29 Euro. Danach schließt man den kleinen Empfänger an den iPod an. Bevor man losläuft, sollte man den Sensor unbedingt genau einstellen. Dazu muss man die genaue Länge der Strecke angeben, die man laufen wird. Parkjogger dürfte dies vor Probleme stellen; da ich aber auf dem Sportplatz bin, gebe ich 400 Meter ein und laufe eine Runde. Vor dem Laufen, kann man sich sogenannte Powersongs herunterladen, um seinen „Run“ zu „tunen“. Auf Platz eins der Läufercharts listet Nike „Eye of the Tiger“, das schon Rocky zu Höchstleistungen anstachelte. Ich höre lieber Iron Maiden: „Run to the hills“.

Nach einer Stunde habe ich genug. Auf Englisch teilt mir der iPod mit: „Zeit: 59 Minuten, 55 Sekunden. Strecke: 11,34 Kilometer. Geschwindigkeit: 5,25 Minuten pro Kilometer. Kalorienverbrauch 797.“ (Das entspricht übrigens etwas mehr als 130 Gramm Walnüssen.) Eine Stimme gratuliert mir zum bisher erfolgreichsten Training. Sie gehört Lance Armstrong.

Zu Hause angekommen kann man die Daten auf einer eigens von Nike eingerichteten Seite im Internet speichern, wo man mit anderen Läufern in Kontakt treten kann. In diesem Eventcharakter liegt vermutlich der tiefere Sinn der Kooperation von Nike und Apple. Denn für ambitionierte Läufer bietet Nike plus Apple zu wenig Informationen (etwa die fehlende Pulsmessung). Für alle anderen haben die Hersteller ein unkompliziertes Spielzeug entwickelt.

Das Testurteil: 6/10 Punkten

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