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Moritz Honert testet ein Handy für Anfänger. Auch Menschen ohne langjährige kommunikationstechnologische Sozialisation sollen mit dem Gerät problemlos umgehen können.

Moritz Honert
Motorola Handy Foto: Mike Wolff
Foto: Mike Wolff

Dick Tracys Uhr konnte es, ebenso K.I.T.T., das Auto aus der Fernsehserie Knight Rider und mein neues Handy kann es auch: sprechen! „Aufwärtstaste zum Löschen drücken“ zum Beispiel.

Ansonsten beschränkt sich die freundliche Männerstimme des „Motorola Motofone F3“ in der Regel auf das laute Ansagen der Menüpunkte. Auch das reicht jedoch aus, dass mich Umstehende beim Hantieren mit dem Gerät für einen kompletten Technikidioten halten. Nicht ganz zu Unrecht, denn die Bedienung des Modells ist so simpel gestaltet, dass auch Menschen ohne langjährige kommunikationstechnologische Sozialisation mit dem Gerät problemlos umgehen können.

Worte wie „Seniorenhandy“ oder „Idiotentelefon“ hört die freundliche Dame von der Herstellerfirma trotzdem nicht so gern. Sie spricht lieber von einem „Einsteigermodell“. Im Endeffekt läuft beides jedoch auf dasselbe hinaus: Mit dem Gerät kann man telefonieren, SMS verschicken – das war’s. Fotokamera, MP3-Player oder Internetzugang gibt es genau so wenig wie Bluetooth oder Videospiele. Vibrationsalarm und Wecker, der unpraktischerweise nur bei eingeschaltetem Gerät funktioniert, müssen hier schon als Extras gelten. Bei der jungen Generation punktet man so nicht.

Auch was die Optik angeht, spaltet das Gerät das Land in Jung und Alt. Während meine mit einem Handy aufgewachsenen Kollegen sich von dem 70 Gramm schweren, nur einen Zentimeter dicken und je nach Vertrag gerade mal 20 Euro teuren Gerät an ein Spielzeug erinnert fühlen, gefällt das Telefon älteren Semestern ausgesprochen gut. Vielleicht ist dafür aber nicht nur die Optik verantwortlich, sondern in erster Linie das Display, das alle Zeichen in riesigen, sieben Millimeter hohen und auch ohne Lesebrille gut erkennbaren Lettern darstellt, und das mit seiner grau-schwarzen Optik an eine Kreuzung aus digitalem Radiowecker und antiker Schiefertafel erinnert.

Genau dieses Display ist aber auch eines der großen Mankos des Modells. Die einzelnen Zeichen sind so groß, dass Nummern von Anrufern manchmal nicht komplett auf den Bildschirm passen – von SMS-Nachrichten ganz zu Schweigen. Da werden Wörter in der Mitte auseinandergerissen und um ans Ende einer 23 Wörter langen Mitteilung zu gelangen, musste ich 24 Mal auf den „Weiter“-Knopf drücken. Ändern lässt sich die Schriftgröße nicht. Lästig. Gleiches Urteil gilt auch für das SMS-Schreiben. Die Tipphilfe T9 haben die Entwickler nämlich nicht eingebaut. Beim krampfigen Knöpfchendrücken kommt man sich mit dem „F3“ deshalb trotz guter Klangqualität und Akkulebenszeit manchmal vor wie in der Techniksteinzeit. Dazu hat man dann allerdings den passenden Soundtrack: Die Signaltöne klingen täuschend echt nach alten C64-Spielen.

Das Testurteil

Vier von zehn Punkten

(0 Punkte: Hände weg und alle Bekannten warnen, 5 Punkte: Noch mal drüber schlafen, 10 Punkte: Sofort kaufen.)

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