Verbraucher : Kind zufrieden, Vater auch

Clemens Wergin

testet einen Kindertragerucksack Elternlogik geht so: Wenn das Kind nur einigermaßen verständliche Ma-Laute aneinander reiht, kann es „Mama“ sagen. Und wenn es sich einige Sekunden auf dem Hosenboden hält, kann es sitzen. Diese Elternlogik funktioniert, bis man sich vor dem Wanderurlaub in Ligurien eine Kindertrage beschafft, auf der die Warnung steht: „Nur für Kinder, die gut sitzen können!“ Eine Aussage, die verschärft wird durch: „Längeres Sitzen in der Trage schränkt die Blutzirkulation ein!“

Immer die Gefahr absterbender Gliedmaßen vor Augen, haben wir beschlossen, den „Kid Comfort II“ der Rucksackfirma „Deuter“ vorsichtig anzutesten. In den Cinqueterre südlich von Genua kein Problem. Die „Via dell’amore“, der drei der fünf Dörfer an Liguriens Steilküste verbindet, ist ohnehin kein Klettersteig, sondern eher eine Touristen-Autobahn, wo sich Italienfans auf die Zehen treten. Also die Kleine in die Trage gesteckt und die zahlreichen Riemen festgezurrt. Erste Reaktion der Eltern: Ist Livia mit ihren knapp acht Monaten nicht zu klein für das Riesending, fällt die da nicht raus? Schnell war klar: Aus den Quer- und Längsverstrebungen dieses Kinderrucksacks hätte sich nicht mal der Zauberer Houdini befreit.

Erste Reaktion von Livia: „Was haben denn die mit mir vor?“ Eine Zurückhaltung, die schnell der Begeisterung wich, darüber, die Welt von oben betrachten zu können. Und sie hatte Spaß daran, den Vater von hinten an den Haaren zu ziehen und im Vorbeigehen Blätter und Blumen zu untersuchen, die am Wegesrand herunterhingen. Erstes Fazit: Kind zufrieden, Vater auch. Denn die Trage ist leicht und das Gewicht verteilt sich gut über Hüftgurt und Rückenriemen. Erwähnt sei auch der Prestigegewinn: Mit seinem sportiven Technolook macht der „Deuter“ einen zum professionellen Wanderer – und professionellen Vater.

Häufige Benutzung offenbarte kleine Schwächen. Der praktische, ausklappbare Standfuß der Trage verkratzt schnell. Und viel mehr als Wickelzeug und Ersatzkleidung für das Kind passt nicht rein. Aber eine fünfstündige Wanderung mit anfänglich quengelnder Livia zeigte absolute Kindertauglichkeit: Nach der ersten halben Stunde im Wiegeschritt hatte Livia eine Position gefunden, in der sie friedlich wegdöste.

Wenn ich ehrlich bin: So richtig sitzen konnte Livia vorher nicht – weil sie nicht wollte. Erst durch die Erfahrung mit der Kindertrage hat sie erkannt, dass zwei freie Hände was für sich haben. Auf dem langen Abstieg nach Portovenere hat sie mich dann am Kopf gekrault und zum ersten Mal „Papa“ gesagt, genauer: Papapapapapa … Schon klasse, so ’ne Kindertrage.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben