Verbraucher : Kindergeburtstag für Große

Dagmar Rosenfeld

Das Testurteil: 10 Punkte 0 Punkte: Hände weg und alle Bekannten warnen, 5 Punkte: Noch mal drüber schlafen, 10 Punkte: Sofort kaufen

Mein inniges Verhältnis zu Getränken mit Geschmack, das hat viel mit meiner Kindheit zu tun. Denn bei uns zu Hause gab es nur Mineralwasser, ohne Kohlensäure. Saft, Fanta, Cola, Sunkist oder Capri Sonne – das haben auf dem Pausenhof die anderen getrunken, während ich mich mit fadem Wasser aus einer Garfield-Plastikflasche zufrieden geben musste. Kindergeburtstage waren deswegen immer eine große Chance – eine große Chance, um an Getränke mit Geschmack heranzukommen. Während die anderen Topfschlagen und Plumpssack gespielt haben, habe ich mich mit Cola aus bunten Plastikbechern voll laufen lassen.

Erwachsen werden hieß für mich, endlich selber bestimmen zu können, was ich trinke. Erwachsen werden hieß für mich auch, festzustellen, dass literweise Cola trinken zwar glücklich, aber auch dick macht. Also habe ich mir antrainiert, Cola light, die weniger als eine Kalorie hat, zu mögen. Als ich das geschafft hatte, habe ich den Mann kennen gelernt und wir sind zusammengezogen. Also habe ich dem Mann beibringen müssen, was der Unterschied zwischen Coca- Cola und Coca-Cola light ist und wie man sie voneinander unterscheidet – Cola hat ein rotes Etikett, Cola light ein silbernes.

Jetzt, wo ich gelernt habe, Cola light zu mögen, und der Mann nicht nur gelernt hat, sie von echter Cola zu unterscheiden, sondern beim Einkaufen auch daran zu denken, beide Sorten mitzubringen, jetzt also kommt Coca-Cola Zero auf den Markt – sie schmeckt wie echte Cola, hat aber weniger als eine Kalorie. Der Mann war ziemlich irritiert, als auf einmal eine Cola-Flasche mit schwarzem Etikett in unserem Kühlschrank stand. Die neue Flasche hat unser Rot-Silber-System durcheinander gebracht, und Unordnung kann der Mann nicht leiden. Nach anfänglichem Fremdeln habe ich ihn aber doch dazu überreden können, die neue Cola-Sorte wenigstens zu probieren.

Ich finde, sie schmeckt lecker, leicht nach Zitrone, trotzdem herrlich süß und ein bisschen nach Kindergeburtstag. „Wie früher echte Cola“, seufze ich. Der Mann nippt an seinem Glas und sagt gar nichts. Ich schenke mir nach. „Na ja“, sagt der Mann, „geht so“. Ich ignoriere das. „Ist doch toll, jetzt brauchen wir nur noch eine Sorte Cola zu kaufen“, sage ich und sehe in Gedanken reihenweise Colaflaschen mit schwarzem Etikett in unserem Kühlschrank stehen. „Nein“, sagt der Mann, „ich trinke keine Mädchengetränke ohne Kalorien.“

Jetzt gibt es in unserem Haushalt drei Cola-Sorten. Ich kaufe die Zero-Variante, der Mann die klassische Cola und er bringt auch noch eine Flasche Cola light mit. „Gewohnheit“ sagt er und lässt die Milch neben dem Kühlschrank stehen, weil zwischen den drei dickbäuchigen 1,5Liter-Colaflaschen kein Platz mehr ist.

Liebe Coca-Cola GmbH, ich finde es wirklich großartig, dass ihr Coca-Cola Zero erfunden habt. Aber hätte euch das nicht zehn Jahre früher einfallen können?

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