Kinderlaufräder im Test : Vorsicht Gift!

Die Mehrheit der Kinderlaufräder enthält Schadstoffe in Reifen, Griffen und im Sitzbezug. Bessere Ergebnisse gibt es im Praxistest.

Yasmin El-Sharif

Schon Ende des 19. Jahrhunderts wusste Freiherr Karl Friedrich von Drais die Vorzüge eines Laufrads zu schätzen. Zu dieser Zeit flitzte der Adelige mit so einem pedallosen Rad durch Mannheim. Eine Sensation. Heute sind es überwiegend Kinder ab etwa drei Jahren, die auf Laufrädern fahren. Denn das macht Spaß; zugleich trainieren die Räder die Koordinationsfähigkeit der Kleinen, bereiten spielerisch auf das richtige Radfahren vor und sind platzsparender als ein Dreirad. Aber was taugen sie?

15 Modelle, vom einfachen Holzrad bis zum gefederten Alumodell, hat die Stiftung Warentest untersucht. Positives Ergebnis: In den Laborprüfungen bewiesen die Kinderlaufräder in allen Fällen eine sehr hohe Belastbarkeit. Selbst die Crash-Tests überstanden die meisten Räder ohne größeren Schaden.

Im Labor wurde allerdings auch nach Schadstoffen gesucht, die in Kinderspielzeug nichts zu suchen haben. Das Ergebnis war jedoch erschreckend. Die Tester fanden nämlich den Schadstoff PAK (polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe) in den Reifen fast aller Räder sowie Weichmacher in Griffen und Sitzbezügen. Sie können krebserregend, fruchtschädigend und erbgutverändernd wirken, möglicherweise auch die Fruchtbarkeit beeinträchtigen. Sie sind vor allem in weichen Kunststoffmaterialien zu finden. PAK und Weichmacher sind Kontaktgifte, sie dringen über die Haut in den Körper ein. Akut gefährlich ist das nicht – aber über längere Zeit drohen ernsthafte gesundheitliche Schäden.

Der in Spielzeug verbotene Weichmacher DEHP wurde in vier Modellen nachgewiesen, im First Bike, Monz Mini Viper, Coolproducts Rennrad und Kawasaki MX Trainer. Die Prüfer bezeichnen diesen Fund als „fatal“. Denn Laufräder gelten auch als Spielzeug. Demnach hätten diese vier Räder nicht verkauft werden dürfen. Der Rat der Stiftung Warentest: Wer ein solches Laufrad besitzt, sollte es zum Händler zurückbringen und den Mangel reklamieren. Insgesamt bekamen 11 der 15 Kinderlaufräder wegen der Schadstoffe ein „mangelhaftes“ Urteil.

Deutlich besser fielen die praktischen Fahrversuche durch Kinder aus. Sie fuhren Slalom um aufgestellte Hütchen und ackerten durch tiefen Sand. Erwachsene Prüfer beobachteten die Vorlieben und (negative) Erfahrungen der Kinder, zum Beispiel wenn der Fuß beim Fahren gegen die Hinterachsmutter stieß oder sich der Bremszug um die Lenkachse wickelte, bis das Hinterrad blockierte.

Am besten schnitten dabei die Laufräder ab, die ohne Zusatzausstattung wie Bremse, Glocke oder Ständer auskommen. Diese Extras wurden von den Kindern nämlich nicht benutzt, können aber zu Verletzungen führen. Ein knappes „Gut“ erreichten schließlich das Kettler Speedy für 40 Euro und das klassische, besonders haltbare und sichere Holzlaufrad Kokua Likea Bike Mountain für 179 Euro. „Befriedigend“ ist das Alurad Kokua Likea Bike Jumper mit Hinterradfederung.

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