Kindersitz : Geborgen und sicher

Besonders für Babys gibt es gute Kindersitze. Doch viele zeigten Mängel beim Seitenaufprallschutz.

Jahel Mielke

Manche Elfjährige ist beleidigt, dass sie im Auto noch auf einem „Kindersitz“ Platz nehmen soll, obwohl sie sich doch gar nicht mehr wie ein kleines Kind fühlt. Bis zum zwölften Lebensjahr und bis zu einer Größe von 1,50 Metern ist das in Deutschland aber Pflicht: Kinder, die im Auto mitfahren, brauchen einen geprüften und altersgerechten Sitz. Eltern sollten sich daran halten, auch wenn der Nachwuchs den Sitz „blöd“ findet: Die Schultern und Becken kleiner Kinder sind zu schwach, um den Autogurt richtig zu halten. Bei einem Unfall könnte er deshalb tief in Hals und Bauch einschneiden. Zudem kann die Polizei ein Bußgeld von 40 Euro und einen Strafpunkt verhängen, wenn ein Kind im Auto nicht korrekt gesichert transportiert wird.

Die Stiftung Warentest hat nun mit dem ADAC acht Autokindersitze getestet, von der Babyschale bis zum „mitwachsenden“ Sitz für Schulkinder. Um die Unfallsicherheit zu bewerten, wurden Sitzkonstruktion sowie Seiten- und Frontaufprallschutz geprüft. Die Tester bewerteten als zweites Kriterium die Handhabung, zum Beispiel Einbauen und Anschnallen, sowie den Komfort der Sitze.

Mehr als die Hälfte der Produkte im Test werden mit dem Anschnallgurt befestigt. Zwei Sitze lassen sich über sogenannte Isofix-Haken anbringen. Sie werden in Ösen im Auto eingerastet. Ein Modell bietet ein neues Befestigungssystem namens „Isofast“ (siehe Kasten).

Die Ergebnisse des Tests sind durchwachsen. Von drei Babyschalen, die von der Geburt bis zu einem Gewicht von 13 Kilo verwendet werden können, waren zwar zwei „gut“, eine aber „mangelhaft“. Die „mitwachsenden“ Sitze, die maximal für 36 Kilogramm geeignet sind, schnitten deutlich schlechter ab. Nur ein Produkt von fünf war „gut“. Die Tester bemängelten vor allem den Seitenaufprallschutz vieler Sitze.

Babyschalen. Mit Isofixbasis ist die Brio Primo die beste Babyschale im Test. Wird sie mit dem Autogurt befestigt, rutscht sie auf Platz zwei hinter das Produkt Nania Be-One. Diese Babyschale ist „gut“ und mit rund 50 Euro auch preiswert. Die 129 Euro teure I’coo C-Care schnitt nur „mangelhaft“ ab. Das Produkt wurde wegen des schlechten Seitenaufprallschutzes abgewertet.

Mitwachsende Sitze. Der einzig „gute“ Sitz im Test ist der Sunshine Kids Monterey für 130 Euro. Er ist für Kinder zwischen 15 und 36 Kilogramm geeignet. Die speziellen Isofast-Gurte sichern auch den leeren Sitz im Auto, damit er beim Bremsen nicht durchs Fahrzeug fliegt. „Mangelhaft“ schnitt der Chicco Neptun ab. Er soll drei Gewichtsklassen von neun bis 36 Kilogramm abdecken. Kinder ab 22 Kilogramm können laut Anbieter auch ohne Rückenlehne mitfahren. Als sie im Test allerdings abgenommen wurde, war der Seitenaufprallschutz des Sitzes nur „mangelhaft“.

Im Juni hatten die Warentester bereits 22 Kindersitze in verschiedenen Gewichtsklassen geprüft. Einige dieser „gut“ getesteten Produkte sind ebenfalls noch im Handel erhältlich (siehe Tabelle).

Laut dem ADAC kaufen viele Eltern statt Kindersitzen sogenannte Sitzerhöher. 46 Prozent der Schüler und 24 Prozent der Kindergartenkinder werden mit diesen einfachen Kissen ohne Rückenlehne transportiert. Dies ist zwar erlaubt, aber nicht zu empfehlen. Da Sitzerhöher keine Rücken- und Kopfstütze haben, bieten sie wesentlich weniger Schutz als reguläre Kindersitze. Schlimmer ist es, wenn Kinder ohne Gurt mitfahren. Mehr als ein Drittel der Schüler waren 2008 nach einer Umfrage des ADAC auf dem Weg zur Schule nachlässig oder gar nicht angeschnallt. Das kann gefährlich werden: Schon ein Aufprall auf ein festes Hindernis mit einer Geschwindigkeit von 30 Stundenkilometern kann schlecht gesicherte Kinder tödlich verletzen.

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