Verbraucher : Kleben und Heilen

Alle 30 Produkte eignen sich für die Versorgung von kleinen Wunden. Aber viele halten noch besser, als sie sollten

Maren Peters

Autsch - das tut weh. Ein Sturz mit dem Fahrrad, ein Stolperer beim Fußballspielen, ein Schnitt beim Rasieren und schon ist das Knie aufgeschürft, das Kinn blutig. Schlimm sind solche Verletzungen meistens nicht, entzünden können sie sich trotzdem, weil die schützende Haut durch die Verletzung beschädigt ist und fiese Keime in die Wunde dringen können. Was dagegen schützt (und nebenbei auch tröstet), sind Pflaster. Große und kleine, bunte und stützstrumpffarbene, sensitive und besonders dehnbare hat die Stiftung Warentest untersucht – und war mit dem Ergebnis bei den meisten zufrieden. „Alle eignen sich für die Versorgung von kleineren Verletzungen“, sagt Ursula Falkenstein von der Stiftung Warentest. Ein sehr gutes Ergebnis war allerdings nicht dabei, größere Ausfälle aber auch nicht zu beklagen.

Im Test haben elf Probanden 30 verschiedene Wundpflaster aus den fünf gängigsten Gruppen ausprobiert. Getestet wurden Standard- und Elastikpflaster, Sensitivpflaster, Wasser abweisend und Kinderpflaster, entweder als Meterware oder als Einzelpflaster (Strip). Spezial-Produkte wie Gel- oder Silberpflaster waren nicht dabei. „Bei Bagatellwunden reicht aber auch ein normales Pflaster“, sagt der Berliner Dermatologe Thomas Bauer. Und auch die medizinische Wirkung wurde nicht untersucht. „Es ging nur um die Handhabung im Alltag“, erklärt Ursula Falckenstein.

Um herauszubekommen, wie gut die Pflaster kleben und wie gut oder schlecht sie sich wieder entfernen lassen, mussten die Tester unter anderem Legosteine zusammenbauen, Federgriffhanteln zusammendrücken, die Fäuste ballen und sich einmal die bepflasterten Hände waschen. Schon nach vier Stunden hatten die Pflaster den Belastungstest überstanden – und wurden vorsichtig wieder abgezupft. Projektleiterin Heike Dieckmann hält den Test trotzdem für aussagekräftig. „Im täglichen Gebrauch wechseln wir das Pflaster ja auch häufig“ sagt sie. „Das ist relativ praxisnah.“

Im Ergebnis schnitten fast alle Produkte – unabhängig vom Preis – mit „gut“ oder „befriedigend“ ab. Verbesserungspotenzial sehen die Tester nur bei den Anwendungshinweisen, weil sie kaum Hinweise zur Wundversorgung fanden. „Man sollte die Pflaster einfach nach persönlichen Vorlieben auswählen“, rät Warentesterin Falkenstein. Auch die Standardpflaster, die als Meterware billiger sind als Strips, schnitten im Test keineswegs schlechter ab als teurere Spezialprodukte. Das „medi + self Wundpflaster standard war bei der Handhabung sogar Testsieger, und dabei nur etwa ein Drittel so teuer wie das in dieser Kategorie Zweitplatzierte „DermaPlast textil elastic“-Pflaster. Die meisten Standardpflaster ließen sich aber schwerer wieder entfernen als die spezialisierte Konkurrenz, vorübergehende Hautrötungen verschwanden aber schnell wieder.

Im richtigen Leben, raten Mediziner, sollten Pflaster alle ein bis zwei Tage gewechselt werden. Bis oberflächliche Verletzungen wie Schürfwunden geheilt sind, dauert es etwa zehn Tage. „So lange sollte sie auch durch ein Pflaster geschützt werden“, sagte Dermatologe Bauer. Den Schorf, der sich bei der Heilung bildet, sollten Patienten dranlassen, rät er. Denn darunter wächst – gut geschützt – die neue Haut.

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