Verbraucher : Kleine Steuerflucht

Jedes Jahr werden schätzungsweise mehr als 30 Milliarden Euro hinterzogen. Dabei gibt es auch legale Wege, Steuern zu sparen

Hans W. Fröhlich,Heike Jahberg

Die Großen kommen davon, die Kleinen werden geschnappt. Bis Ende der vergangenen Woche konnten Steuerzahler diesen Eindruck haben. Doch mit den Ermittlungen gegen Ex-Post-Chef Klaus Zumwinkel hat sich das Blatt gewendet. Mit großem Aufwand ermitteln Steuerfahnder und Staatsanwälte wegen des Verdachts der Steuerhinterziehung.

Mehr als 30 Milliarden Euro schätzt Dieter Ondracek, Chef der Deutschen Steuergewerkschaft, die Summe, die jedes Jahr dem deutschen Fiskus hinterzogen wird. Ondracek plädiert für strengere Kontrollen und mehr Personal in den Finanzämtern. Denn die Methoden der Reichen, etwa über Auslandsstiftungen Steuern zu hinterziehen, würden immer raffinierter. „In den Finanzämtern fehlt das Personal, um das aufzudecken“, kritisiert Ondracek. Dagegen fielen die Betrügereien der kleinen Leute eher auf. „Die sind nicht so raffiniert“, meint der Chef der Steuergewerkschaft.

KLEINE MOGELEIEN

Arbeitnehmer mogeln gern bei Kleinigkeiten. So werden bei der Entfernung zur Arbeit schon mal zwei oder drei Kilometer aufgeschlagen. Oder man lässt sich für den neuesten Bestsellerkrimi, den man in der Buchhandlung gekauft hat, eine Quittung über „Fachliteratur“ ausstellen, um den Fiskus an den Kosten des Lesevergnügens zu beteiligen. Verlorene Liebesmüh, denn solche Quittungen werden vom Finanzamt nicht mehr anerkannt, der Fiskus will den Kassenbon sehen.

SCHWARZGELD

Auch Schwarzgeld wird nach Meinung von Steuerexperten nach wie vor in großer Menge ins Ausland gebracht, bevorzugt nach Luxemburg, Liechtenstein, in die Schweiz und nach Österreich. Dabei werden Skiferien gern mit einem Geldtransport verknüpft. Auf der deutschen Seite fährt man mit dem Lift hoch auf die Berge, im österreichischen Kleinwalsertal geht es dann auf Skiern und mit dem Geldrucksack auf dem Rücken hinab in Richtung Banken. Zwar kontrolliert der Zoll inzwischen auch auf der Piste, doch viele kommen durch.

SELBSTANZEIGE

Wer Steuern hinterzogen hat, dann aber ein schlechtes Gewissen bekommt, kann zur Selbstanzeige greifen. So lange noch kein Verfahren wegen Steuerhinterziehung eingeleitet ist, kann man seine hinterzogenen Steuern nacherklären und kommt so straffrei davon. Allerdings muss man auf den hinterzogenen Steuerbetrag eine Verzinsung von jährlich sechs Prozent draufschlagen. Unterm Strich wäre es daher billiger, die Einnahmen von Anfang an ordnungsgemäß zu versteuern. Wer dabei die ganz legalen Steuersparmöglichkeiten nutzt, ist auf der sicheren Seite und spart trotzdem Geld.

SPENDEN

Spenden sind ab 2007 bis in Höhe von 20 Prozent der Einkünfte für „steuerbegünstigte Zwecke“ Sonderausgaben. Das ist mindestens doppelt so viel wie bisher. Hinter „steuerbegünstigt“ verbirgt sich von Kultur und Bildung über Jugend und Sport bis zu Hundezucht und Karneval so ziemlich alles. Bei Spenden bis 200 Euro reicht ab 2007 als Nachweis der Kontoauszug mit dem Überweisungsbeleg, bisher lag diese Grenze bei 100 Euro. Wer sich im Verein oder anderswo gemeinnützig betätigt, erhält ab 2007 von seiner Aufwandsentschädigung 500 Euro ohne Einzelnachweis steuerfrei. Ist man im gemeinnützigen Rahmen ausbildend, erzieherisch, betreuend oder pflegend tätig, gibt es dafür den sogenannten Übungsleiter-Freibetrag, und der wurde ab 2007 von 1848 auf 2100 Euro angehoben.

HAUSHALT

Verbesserungen gibt es auch für all diejenigen, die Kindermädchen, Putzfrauen oder Handwerker in ihrem Haushalt beschäftigen. Dienstleistungen rund um den privaten Haushalt dürfen nämlich jetzt nicht mehr nur für Haushalte in Deutschland steuerlich geltend gemacht werden. Auch haushaltsnahe Dienstleistungen und Handwerkerarbeiten in selbst genutzten eigenen oder angemieteten Wohn- und Ferienimmobilien in der EU oder im Europäischen Wirtschaftsraum senken unmittelbar die Steuerschuld.

Das deutsche Finanzamt übernimmt 20 Prozent der Personalkosten von maximal 3000 Euro, also bis zu 600 Euro jährlich. Auch Speditionskosten für einen Privatumzug ins europäische Ausland können in dieser Höhe als haushaltsnahe Dienstleistung geltend gemacht werden.

Auch Mitglieder von Wohnungseigentümergemeinschaften, Mieter und Heimbewohner dürfen nunmehr anteilig Kosten geltend machen, die für ein haushaltsnahes Beschäftigungsverhältnis oder für Handwerkerleistungen von der Eigentümergemeinschaft, vom Vermieter oder von einem Verwalter in Auftrag gegeben wurden, zum Beispiel für die Reinigung des Treppenhauses. Voraussetzung ist unter anderem, dass der Anteil des Einzelnen exakt aus der jährlichen Nebenkostenabrechnung oder einer speziellen Bescheinigung des Verwalters hervorgeht.

ARBEITSZIMMER

Ausgaben für ein häusliches Arbeitszimmer dürfen ab 2007 nur noch abgesetzt werden, wenn sich im Heimbüro der „Mittelpunkt der gesamten betrieblichen und beruflichen Betätigung“ befindet. Das trifft auf relativ wenige Arbeitnehmer und Selbstständige zu. Dagegen ist ein Arbeitsraum etwa in der Wohnung der Eltern oder bei der Oma oder ein angemieteter Raum um die Ecke nicht von der Einschränkung betroffen, denn er ist kein „häusliches“ Arbeitszimmer.

Kosten für Schreibtisch, Bürostuhl, Ablageschrank, Computer und andere Ausrüstungsgegenstände dürfen als Arbeitsmittel übrigens auch weiterhin geltend gemacht werden, egal ob die Sachen in einem (nicht mehr anerkannten) Arbeitszimmer, im Wohnzimmer oder im Flur stehen. Auch Rentner oder Hausfrauen, die sich im Heimbüro etwas hinzuverdienen, haben gute Chancen, denn für sie gibt es in der Regel keinen anderen „Betätigungsmittelpunkt“ als das Arbeitszimmer in den eigenen vier Wänden.

STEUERBERATER

Einschränkungen gibt es auch bei der steuerlichen Absetzbarkeit von Steuerberatungskosten. Diese dürfen nicht mehr als Sonderausgaben abgesetzt werden. Damit gemeint ist beispielsweise das Honorar des Steuerberaters, das auf das Ausfüllen des Mantelbogens oder der Anlage Kind entfällt. Dagegen bleiben alle Steuerberatungskosten in unbegrenzter Höhe abzugsfähig, die als Werbungskosten oder Betriebsausgaben in Zusammenhang mit steuerpflichtigen Einnahmen stehen.

Mit einer geschickten Aufteilung des Honorars lassen sich Steuern sparen. Sind berufliche und private Aufwendungen untrennbar miteinander verbunden, zum Beispiel beim Mitgliedsbeitrag für einen Lohnsteuerhilfeverein, beim Kauf eines Steuerratgebers oder entsprechender Software, übernimmt der Fiskus Aufwendungen bis zu 100 Euro. Höhere Kosten können zur Hälfte als Betriebsausgaben oder Werbungskosten abgesetzt werden.

SPARERFREIBETRAG

Der Sparerfreibetrag wurde 2007 von 1370 Euro auf 750 Euro pro Person zusammengestrichen. Die Werbungskostenpauschale blieb bei 51 Euro. Damit sind für 2007 nur noch 801 Euro Zinsen und andere Kapitalerträge steuerfrei, für Ehepaare 1602 Euro. Das dürfte die Steuerbelastung vieler Sparer erhöhen. Umso wichtiger ist es, sich nicht mit der mageren Werbungskostenpauschale zu begnügen, sondern alle tatsächlichen Werbungskosten geltend zu machen, zum Beispiel Depotgebühren, Ausgaben für die Anlageberatung, Vermögensverwaltung, Fachliteratur oder Finanzierungskosten.

KINDERGELD

Für erwachsene Kinder in Ausbildung gibt es bis zum 27. Lebensjahr das Kindergeld und die weitere steuerliche Kinderförderung nur, wenn sie selbst nicht zu viel verdienen. Der Grenzbetrag der eigenen Einkünfte und Bezüge des Kindes liegt bei 7680 Euro im Jahr. Ein Euro mehr, und die gesamte Kinderförderung ist verloren. Erwachsene Kinder und deren Eltern sollten deshalb alle Ausbildungskosten geltend machen. Außerdem sind neben den Pflichtbeiträgen zur Sozialversicherung jetzt auch die Beiträge zur studentischen, privaten und freiwilligen Kranken- und Pflegeversicherung abzugsfähig, ebenso Einzahlungen in die betriebliche Altersversorgung per Gehaltsumwandlung (2007 bis 2520 Euro).

ABGABEFRIST

Die Frist für die Abgabe der Einkommensteuererklärung 2007 läuft am 2. Juni ab. Wer sich von einem Lohnsteuerhilfeverein oder von einem Steuerberater helfen lässt, bekommt Verlängerung bis Silvester. Wer nicht zur Einkommensteuer veranlagt wird, hat dagegen bis zum 31. Dezember 2011 Zeit.

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