Verbraucher : Klima-Anlagen

Von der Eisenbahnaktie bis zur Windparkbeteiligung: Umwelt-Investments werden immer beliebter

Nils-Viktor Sorge

Der Klimawandel hat Depots und Konten der Privatanleger erreicht. Als Händler von Solaraktien, Nachhaltigkeitsfonds oder gar CO2-Emissionsrechten investieren sie verstärkt in den Schutz der Atmosphäre. Die Welt retten wollen dabei längst nicht mehr alle – mit den Öko-Anlagen lassen sich erkleckliche Renditen erzielen: Während die Gletscher schmelzen, wachsen die Werte im Depot.

„Auch konventionelle Anleger haben festgestellt: Hoppla, da passiert was“, sagt Kirein Franck, Leiter der Research-Abteilung des auf nachhaltiges Investment spezialisierten Imug-Instituts in Hannover. Allein das Volumen von ethisch-ökologischen Fonds in Deutschland ist nach Angaben des Instituts 2006 um vier Milliarden Euro auf nunmehr zehn Milliarden Euro emporgeschnellt.

Fossile Brennstoffe werden knapp – Händler sind daher überzeugt, dass Strom aus Wind, Sonne, Erdwärme und Biogas weltweit immer wichtiger wird. Staatliche Förderprogramme und Klimaschutzabkommen beschleunigen den Wechsel. Anleger können auf verschiedene Weise profitieren. „Zu jedem Anlageprodukt gibt es eine grüne Variante“, sagt Max Deml, Autor des Ratgebers „Grünes Geld“.

AKTIEN

Aktien aus dem Bereich erneuerbare Energien haben zuletzt hohe Wertzuwächse erzielt. Das wohl schillerndste Beispiel ist das Papier von Solarworld, das sich von einem Tiefststand von 50 Cent (2003) auf 70 Euro verbesserte. Doch die heutigen Kurse spiegeln gerade im Solar- und Windkraftbereich bereits äußerst optimistische Erwartungen wider. „Viele Notierungen nehmen bereits eine hervorragende Geschäftsentwicklung in den nächsten drei Jahren vorweg“, sagt Deml. Michael Feigl vom Hamburger Institut für Finanzdienstleistungen erwartet, dass Anleger mit einer Phase rechnen müssen, „in der es lange Gesichter gibt“.

Dass es nicht unbedingt Titel aus den gefragten Boom-Segmenten Solar und Windkraft sein müssen, zeigt ein Blick in den Naturaktienindex NAI. Der NAI versammelt ökologisch wirtschaftende Unternehmen. Darunter sind Firmen wie East Japan Railway, ein Hersteller energiesparender Lokomotiven, oder Interface (USA), das Teppiche nicht aus Erdöl, sondern aus Mais herstellt. Sie setzen auf klimaschonende Produkte und haben zuletzt ebenfalls kontinuierlich an Wert gewonnen.

AKTIENFONDS

Wer am Aktienmarkt nicht alles auf eine Karte setzen will, hat inzwischen die Auswahl unter mehr als 130 sozial-ökologischen Aktienfonds in Deutschland. Auch aus den Werten des NAI-Index ist ein Fonds gebildet worden, der Green Effects. Wertzuwachs im vergangenen Jahr: 24 Prozent. Damit zählt er zu den besten Fonds, die die Stiftung Warentest in einer aktuellen Analyse untersucht hat. Auch das Sustainable Business Institute der European Business School in Oestrich Winkel vergleicht die in Deutschland zugelassenen Fonds. Am besten entwickelte sich der Raiffeisen Futura Swiss Stock mit einem Plus von 35,5 Prozent. Bester Energie-Fonds war 2006 der New Energy Fund A von Merrill Lynch mit einem Plus von 31,6 Prozent (siehe Tabelle). Die Kriterien, wann ein Fonds als ökologisch eingestuft wird, sind aber von Gesellschaft zu Gesellschaft verschieden.

Die Fondsmanager werben damit, dass Öko-Aktien in den vergangenen Jahren stärker gewachsen sind als der Gesamtmarkt. So legten die mittlerweile 30 NAI-Titel seit dem Index-Start 1997 jährlich im Schnitt um 15,6 Prozent zu – der herkömmliche Aktienindex MSCI Welt stieg nur um 6,7 Prozent.

ZERTIFIKATE

Der Zertifikate-Boom hat auch die umweltorientierten Anleger erreicht. Banken bieten auf einzelne Branchen spezialisierte Produkte an. Das Risiko steigt, wenn das Zertifikat nur auf wenigen Aktientiteln basiert. Produkte wie das World Alternative Energy von Societé Générale oder das Dax Global Alternative Energy der Deutschen Bank sind breiter gestreut.

Wer mit seinem Geld nicht nur Gewinne einstreichen möchte, sondern tatsächlich in klimaschonende Technologie investieren, ist mit Zertifikaten nicht immer gut beraten. Denn anders als bei Aktien und indirekt auch bei Aktienfonds erwirbt der Anleger mit einem Zertifikat keinen Anteil an Unternehmen, sondern überlässt sein Geld dem ausgebenden Kreditinstitut. Und dieses ist nicht in jedem Fall verpflichtet, das Geld vollständig ökologisch zu investieren, sagt Max Deml.

BETEILIGUNGEN

Bei Beteiligungen kommt das angelegte Geld dem Klimaschutz direkt zugute. Vorreiter des Öko-Investments waren einst Windparkbeteiligungen. Mit Beträgen ab 5000 Euro sind Anleger heute aber auch bei Solarparks oder geschlossenen Biogasanlagen-Fonds mit Namen wie „Cash Cow“ dabei. Lockten früher hauptsächlich Steuersparmöglichkeiten, kommt die Rendite heute aus dem Geschäft am Strommarkt. Wenn staatliche Förderprogramme wegfallen, bricht der Gewinn jedoch ein. Windparkanteilseigner verfolgen daher außer der Windvorhersage die politische Debatte um die Förderung des Windstroms mit besonderem Interesse.

Mittlerweile versuchen immer mehr ausländische Windparkbetreiber in Deutschland Geld einzusammeln, indische sind auch schon darunter. Denn die besten Standorte zwischen Nordsee und Alpen sind bereits vergeben. Etwas Geduld könnte sich jedoch lohnen – in ein paar Jahren, so Ökoanlage-Berater Max Deml, werden immer mehr alte Windparks in Deutschland durch neue ersetzt. Dann werden neue geschlossene Fonds aufgelegt – und es könnte einen zweiten Boom bei den Beteiligungen geben.

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