Verbraucher : Krönung oder Abzugshaube

Bernd Matthies

DAS TESTURTEIL 0 Punkte: Hände weg und alle Bekannten warnen, 5 Punkte: Noch mal drüber schlafen, 10 Punkte: Sofort kaufen

testet einen Kaffeeröster Wurst, Fleisch, Wein, Käse: Immer mehr Menschen nehmen immer mehr industriell konfektioniertes Zeug zu sich. Auf der anderen Seite gibt es immer mehr Feinschmecker, die vor keiner Mühe zurückschrecken, um an beste Qualität heranzukommen – und sie kriegen sie auch, allen kulturpessimistischen Unkereien zum Trotz.

Das ist beim Kaffee nicht anders. Doch auch Spezialisten schrecken spätestens vor dem Selber-Rösten zurück. Das muss nicht mehr sein, denn zwei einstige Eduscho-Fachleute haben jetzt den „Röstmeister“ entwickelt, ein Gerät fürs gepflegte Heim, das Rohkaffee in gebrauchsfertige Bohnen verwandelt. Frischer geht es nicht, außer man hat eine Rösterei in der Nähe und lässt sich deren Ware mit Blaulicht kommen.

Den enthäuteten Rohkaffee liefern die Bremer Tüftler gleich mit. Vier Sorten gibt es bislang: Guatemala, Brasilien, Kenia und Espresso. 300 Gramm, eine Gerätefüllung, kosten 2,99 Euro, das Gerät selbst wird für 249 Euro geliefert (www.dieckmann-kaffee.de, Telelefon: 0421/322675-0). Es steht stark da, so groß wie eine in die Länge gezogene Küchenmaschine, der Kaffee ist fix eingefüllt in die Trommel, wir wählen einen Röstgrad zwischen eins und sieben, drücken die Starttaste, und das Gebläse heult los wie ein Wohnzimmerjet.

Nach etwa sechs Minuten sind die Bohnen getrocknet. Das kriegt die Elektronik nicht mit, aber wir hören es knacken und drücken den sinnfällig „Knacktaste“ benannten Knopf. Fortan geht alles von selbst. Wir können in Ruhe nach der verkramten Kaffeemühle suchen und sind nach einer Viertelstunde stolze Besitzer eines halben Pfunds Röstkaffee. Im Haus breitet sich wieder Ruhe aus, dazu ein ziemlich intensiver Geruch. Rösten riecht, leider, längst nicht so gut wie Mahlen. Der Rat der Anleitung: „Röstmeister unter eine Abzugshaube stellen!“, kommt nicht von ungefähr.

Der Kaffee schmeckt prima. Unser Favorit ist Guatemala, geröstet auf Stufe vier, aber auch der Espresso gerät ausgezeichnet mit guter Crema, wenn man ihm die letzte Dröhnung der Stufe sieben verpasst – der Sechser bleibt etwas blass.

Das ist natürlich was für Fans. Wer mit der Krönung glücklich ist, sollte die Finger davon lassen. Auf Dauer werden wohl mehr als vier Sorten nötig sein, um den Spaß am Rösten zu erhalten, und auch die Lautstärke des Geräts und die Ausdünstungen des Rohkaffees beeinträchtigen den Spaß ein wenig. Spezialisten mit Platz in der Küche und einem Faible für Selbstgemachtes sollten dennoch zugreifen.

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