Kult-Spielzeug : Giraffe vom Aussterben bedroht

Das Gummitier "Sophie la Girafe" ist der Renner - ein Kultgeschenk. Doch nachdem die Zeitschrift "Öko-Test" im November-Heft das Spielzeug als nicht verkehrsfähig deklarierte, ist die Verunsicherung groß.

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Süß. Aber auch gefährlich?
Süß. Aber auch gefährlich?Foto: Kitty Kleist-Heinrich

15,90 Euro für ein kleines, quietschendes Gummitier? Ein angemessener Preis für ein Kultgeschenk, dachte sich Antje Thulke aus Berlin-Friedrichshain. Ihre bald zweijährige Tochter wie eigentlich alle Kinder aus der früheren Krabbelgruppe haben eine „Sophie la Girafe“. Die ist der Renner, was wohl auch an ihrer feinen Herkunft liegt, die Eltern ein gutes Gewissen bereitet: Nicht aus China, nicht aus weich gemachtem Plastik, nein, Sophie wird seit 50 Jahren in den französischen Alpen vom Hersteller Vulli aus Naturkautschuk gefertigt.

Im Nachbarland ist Sophie quasi das Pflichtgeschenk für alle Neugeborenen. Und nachdem die kleine Berliner Firma „Element for Kids“ vor wenigen Jahren exklusiv die Vertriebslizenz für Sophie in Deutschland und Österreich erworben hatte, hielt das Gummitier auch hierzulande in vielen Kleinkindzimmern Einzug. Doch Sophies Karriere erlebt nun einen kräftigen Knick, nachdem die Zeitschrift „Öko-Test“ im November-Heft das Spielzeug als „nicht verkehrsfähig“ deklarierte. Begründung: Bei Tests im Labor hätten sich „erhebliche Mengen nitrosierbarer Stoffe“ aus dem Gummi gelöst, auf dem die Babys herumkauen können und sollen. Aus dieses Stoffen könnten sich im Körper krebserregende Nitrosamine bilden, schrieb das Blatt. Auch habe man „erhöhte Gehalte der krebsverdächtigen Verbindung Naphthalin“ gefunden. Konsequenz: „Wer Sophie schon gekauft hat, sollte ihr au revoir sagen“, empfahlen die Tester.

Als Antje Thulke das las, entsorgte sie das Quietschtier ihrer Tochter im Müll und gab die als Geschenk gekaufte Sophie im Laden zurück. Dort war man kulant. Denn eine Rücknahmepflicht besteht nicht – weil die Testergebnisse nicht amtlich sind und es keine Rückrufaktion gibt. Der Hersteller Vulli zweifelt die Ergebnisse denn auch massiv an und wehrt sich derzeit auch vor Gericht gegen eine Weiterverbreitung des Berichts. „Diese Behauptungen von Öko-Test sind falsch“, heißt es in einer Stellungnahme. Sophie sei erst im Juli dieses Jahres getestet worden. Ergebnis: Sie würde alle EU-Grenzwerte unterschreiten und sei „voll verkehrsfähig“. Anders als Öko-Test nannte Vulli auch das untersuchende Institut.

Nun also richten Richter über Sophie. Das Ergebnis könnte eine volle Rehabilitierung des Produktes sein. Doch viele Eltern haben ihr Urteil längst gesprochen: Weg damit. Silvia Pankunin von der Berliner Vertriebsfirma ist entsetzt. Sei so ein Gerücht – und sei es noch so falsch – einmal in der Welt, breche unter Eltern Panik aus. „Der Öko-Test ist für uns existenzbedrohend“, sagt sie.

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