Verbraucher : Kurzfristig buchen – und profitieren

Last-Minute-Reisen sind bis zu 30 Prozent günstiger als der Normalpreis – Qualität und Rechte sind gleich

Gerald Drissner

Die Reisezeit hat längst begonnen, viele haben ihren Urlaub sogar schon hinter sich. Jetzt beginnt die Zeit der Last-Minute Reisen. Denn die großen Konzerne wollen ihre übrig gebliebene Ware noch los werden – zu Schnäppchenpreisen. Wer flexibel ist, kann jetzt unbesorgt die Reise in letzter Minute buchen. Denn: Last-Minute-Touristen haben genau die gleichen Rechte wie Frühbucher. Auch qualitativ gibt es keine Unterschiede. „Last-Minute-Reisen sind keine Ferien zweiter Klasse“, sagt Beate Wagner, Reisejuristin der Verbraucherzentrale in Nordrhein-Westfalen.

Ein Reiseanbieter darf seine Angebote nur dann offiziell mit dem Zusatz „Last-Minute“ versehen, wenn der Urlaub maximal 14 Tage vor Reisebeginn gebucht werden kann und die Reise günstiger ist als das ursprüngliche Angebot. Alles andere ist nach der derzeitigen Rechtssprechung ein Etikettenschwindel. „Bei einem Verstoß hat der Verbraucher aber keinen Anspruch auf einen günstigeren Preis“, sagt Verbraucherschützerin Wagner. Falls ein Veranstalter eine Last-Minute-Reise zum gleichen Preis oder sogar teurer als im ursprünglichen Katalog verkaufe, könne nur der Reisebüro-Verband oder ein Mitbewerber auf unlauteren Wettbewerb klagen.Bereits vier bis sechs Wochen vor Reisetermin werden die ersten Schnäppchen ausgeschrieben und landen auf dem Wühltisch – auch wenn sie dann noch nicht „Last-Minute“ heißen, günstiger sind sie schon.

Sicher ist jedenfalls, dass man in diesem Sommer mit einer kurzfristigen Buchung Geld sparen kann. „Die Katalogpreise liegen durchschnittlich sieben bis zehn Prozent unter denen des Vorjahres“, sagt Sybille Zeuch vom Deutschen Reisebüro- und Reiseveranstalterverband (DRV). Von diesen Preissenkungen profitieren auch die Last-Minute-Urlauber. Ein Vergleich von Last-Minute-Reisen mit ihrem Ursprungspreis im Katalog ist jedoch schwierig, weil die Angebote nicht immer eins zu eins aus dem Prospekt übernommen werden. „Im Schnitt sind wir 15 bis 30 Prozent günstiger als die Kataloge“, sagt Tanja Huber von Ltur, der größte Last-Minute-Anbieter in Deutschland. Im letzten Sommer lagen die Preise durchschnittlich 20 Prozent unter den ursprünglichen Preisen. Vor allem für Bulgarien, Tunesien und die Kanaren sind noch Kontingente übrig geblieben, die man jetzt billiger bekommt.

Eine Woche Ferien in Teneriffa kostet zum Beispiel bei Ltur 589 Euro, Flug und Vier-Sterne-Hotel inklusive. Sieben Tage Ibiza sind schon ab 240 Euro zu haben. Doch ein preiswerter Urlaub in Ägypten ist kaum mehr zu kriegen. „Das Last-Minute-Angebot ist wegen der starken Nachfrage und der vielen Frühbucher in diesem Jahr geringer ausgefallen“, sagt Sybille Zeuch, Pressesprecherin des Deutschen Reisebüro- und Reiseveranstalterverbandes (DRV). In den beiden Vorjahren blieben viele Anbieter auf ihren Reisen sitzen. Deshalb haben sie ihre Flug- und Hotelkontingente verringert, bestätigt Vera Konstanty von LTU-Touristik in Köln. Trotzdem ist auch in diesem Sommer noch genug übrig für den Kurzfrist-Bucher.

Griechenland ist das Schnäppchen des Sommers. Wer Ende Juli eine Woche Ferien in Kreta verbringen möchte, zahlt bei Bucher-Reisen 509 Euro – Flug, Viersterne-Hotel und Halbpension inklusive. Gerade für den August ist das Angebot der Reiseveranstalter für Griechenland sehr groß. „Viele Griechen machen nicht auf einer Insel im eigenen Land Urlaub, sondern gehen zu den Olympischen Spielen nach Athen“, sagt DRV-Sprecherin Zeuch. Bedenken wegen eines „Olympiazuschlags“ bei den Preisen müsse außer in Athen niemand haben, versichert die Reiseexpertin. Last-Minute zahlt sich fast für jeden Urlauber aus. Nur Familien, die an die Schulferien gebunden sind, sollten eher auf die Frühbucher-Rabatte setzen, um eine Enttäuschung in letzter Minute zu vermeiden. Der Preis sinkt, je näher der Abreisetag rückt. Wer aber zu lange wartet und hofft, die Reise noch etwas günstiger zu bekommen, kriegt oft nicht mehr die gewünschte Reise. Wer Pech hat, muss von Berlin zum Flughafen nach Saarbrücken fahren, weil es nur noch diesen Abflugsort gibt. Das aber gilt nicht für die flexiblen Bucher, für die weder Ort noch Zeitraum ausschlaggebend sind.

Ginge es nach den Wünschen der Reisebranche, könnte der Sommer wieder kalt und regnerisch werden. Das schlechte Wetter hat viele auf den letzten Drücker in die Reisebüros gelockt. „Je mehr Regen, desto mehr Buchungen“, sagt Ltur-Sprecherin Tanja Huber.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben