Verbraucher : Laut und leuchtend

Heike Jahberg

DAS TESTURTEIL: 10 Punkte 0 Punkte: Hände weg und alle Bekannten warnen, 5 Punkte: Noch mal drüber schlafen, 10 Punkte: Sofort kaufen

Telefonate mit unserer Tochter endeten in der Vergangenheit sehr schnell: „Ich geb mal an Papa oder Mama weiter“, sagte unsere Sechsjährige. Was für uneingeweihte Anrufer unfreundlich klingt, hat einen ernsten Hintergrund: Unsere Tochter hört nicht gut, seit zwei Jahren trägt sie deshalb Hörgeräte.

Mit ihren Hörhilfen kommt unsere Kleine im Leben gut zurecht. Normale Gespräche versteht sie gut, auch in der Schule gibt es keine Probleme. Nur das Telefonieren funktioniert nicht. Die Mikrofone der Hörgeräte, die leise Geräusche verstärken, stecken hinter dem Ohr – weit entfernt von der Hörmuschel des Telefons. Beim Telefonieren erweisen sich die Hörgeräte sogar eher als hinderlich. Ihre Ohrstücke am Eingang des Ohres wirken wie Ohrstöpsel. Kein Wunder, dass das Kind nicht telefonieren mag.

Das kann auf Dauer so nicht bleiben. Daher haben wir nach Abhilfe gesucht. Und wir haben eine Lösung gefunden. Sie heißt „Katharina das Große“ und ist ein Handy speziell für Leute mit Hör- oder Sehproblemen. Gedacht ist das Handy zwar eigentlich für Senioren, aber auch junge Leute mit Handicaps sind mit dem Mobiltelefon gut bedient.

Das Handy ist übersichtlich, die Tasten sind groß, gut beleuchtet und leicht zu erkennen. Es gibt zwölf Tasten, auf denen man Nummern speichern kann, und ein besonders großes Display. Der Komfort hat jedoch seinen Preis. Das Gerät kostet derzeit 289 Euro (Senio, Bergheimer Straße 19, 69115 Heidelberg, www.senio.de oder Telefon: 0800/7364633). Der Preis könnte sinken, falls sich eines Tages ein Mobilfunkanbieter findet, der das Gerät sponsert. „Katharina“ funktioniert übrigens mit Handyvertrag und -karte.

Handy-affine Menschen, die meinen, ein Handy dürfe nicht größer sein als eine Briefmarke, werden über das Seniorenhandy spotten. Tatsächlich ist „Katharina“ so groß wie die Handys der ersten Baureihe, die heute als „Knochen“ oder „mobile Telefonzelle“ belächelt werden. Es gehört daher schon ein wenig Mut dazu, das Gerät aus der Tasche zu ziehen und zu telefonieren, vor allem für Jugendliche.

Dass das Gerät wuchtiger sein muss als die trendigen Minigeräte, liegt jedoch in der Natur der Sache. Große Tasten brauchen nun einmal Platz. Und für schwerhörige Benutzer wichtig: Die Antenne ist unten im Gerät angebracht. Das minimiert Störungen in den Hörgeräten. Möglich ist es natürlich auch, frei zu sprechen und zu hören. Hier lässt sich „Katharina“ besonders laut stellen.

Für Menschen, die schlecht sehen oder hören, ist das neue Handy, das erst seit dem Sommer auf dem Markt ist, eine rundum gute Sache. Uns hat „Katharina“ ganz neue Erfahrungen beschert. Als wir unsere Tochter auf dem Handy angerufen haben, plauderte sie wie ein Wasserfall. Auf die Frage, ob sie das Gerät mal an Papa weitergeben könnte, sagte sie erstmals: „Nein“. Schon deshalb bekommt „Katharina“ von mir zehn Punkte.

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