Lebensmittel : Etikettenschwindel beim Essen

Analogkäse, Garnelen aus gepresstem Fischeiweiß, falscher Kochschinken: Die Skandale um Lebensmittelimitate häufen sich. Doch vieles bleibt unentdeckt, weil die Kontrolleure fehlen. Union und Grüne fordern jetzt einen besseren Schutz.

Heike Jahberg,Rainer Woratschka

Berlin - Nach den sich häufenden Skandalen um imitierte Lebensmittel will die Union die Verbraucher mit schärferen Gesetzen schützen. Nötig sei eine bessere Kennzeichnungspflicht, die verhindere, dass Verbraucher durch das Beschönigen oder Weglassen von Informationen getäuscht werden, sagte die Verbraucherbeauftragte der Unionsfraktion, Julia Klöckner, dem Tagesspiegel. Sie forderte zudem „eine große Aufklärungskampagne“.

Die Verbraucherzentrale Hamburg veröffentlichte am Freitag eine Liste von elf Produkten, die lediglich billige Ersatzstoffe enthalten – darunter gepresstes Fischeiweiß in Garnelenform, „Schokokekse“ ohne Schokolade und ein „Meeresfrüchtecocktail“ aus Krebsfleischimitat. Diese Produkte stünden stellvertretend für viele andere Tricksereien im Lebensmittelsektor. Zudem legten die Verbraucherschützer eine zweite Liste mit Fällen vor, in denen Analogkäse verwendet wird. Statt aus Milch besteht dieser aus Pflanzenfett und Eiweiß. Die Käseimitate sind billiger und werden daher gern von Bäckereien und Pizzerien verwendet. Auch in Berlin sind Lebensmitttelkontrolleure in den vergangenen Monaten verstärkt auf solche Käseimitate gestoßen.

Die Skandale scheinen sich zu häufen. Zum Wochenbeginn hatten Kontrolleure in Hessen festgestellt, dass bei rund 68 Prozent aller in der Gastronomie entnommenen Proben kein echter Kochschinken verwendet wurde. Doch viele Fälle bleiben unentdeckt. „In Deutschland fehlen 1200 Lebensmittelkontrolleure“, sagte Martin Müller, Vorsitzender des Bundesverbandes der Lebensmittelkontrolleure, dem Tagesspiegel.

Solange die Hersteller die Zutaten korrekt angeben, halten sie sich an die geltenden Gesetze. Dennoch handle es sich um „totale Verbraucherveräppelung“, sagte Klöckner. Bei Imitaten müsse „auch draufstehen, dass es sich um Imitate handelt“.

Grünen-Fraktionsvize Bärbel Höhn warf der Union vor, sie habe „nichts unternommen, um die Verbraucherrechte gegenüber der Ernährungswirtschaft zu stärken“. Billige Imitate würden „teilweise bewusst durch appetitliche Bilder und fehlende Kennzeichnung als hochwertige Lebensmittel verkauft“, sagte sie dem Tagesspiegel. Um solche Verbrauchertäuschung zu verhindern, seien bessere Kontrollen und eine bessere Kennzeichnungspflicht nötig. Außerdem brauche man ein Verbraucherinformationsgesetz, „das die Ergebnisse von Lebensmittelkontrollen für alle öffentlich zugänglich macht“.

Verbraucherministerin Ilse Aigner (CSU) wollte sich zu der neuen Liste nicht äußern. Eine Sprecherin verwies nur darauf, dass die Politikerin die Gastronomie zu der Selbstverpflichtung aufgefordert habe, keine Imitate mehr anzubieten.

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