Lebensmittelpreise : Butter wird wieder billiger

Erst im Sommer hatten sich die Butterpreise verdoppelt - jetzt liefern sich die Discounter schon wieder Preiskämpfe. Eine Entwarnung ist das nicht.

Maren Peters

Berlin - Anfang der Woche senkte Marktführer Aldi den Preis für Markenbutter von 1,19 Euro auf 95 Cent pro 250-Gramm-Päckchen. Und auch Konkurrent Lidl setzte den Preis fürs Päckchen Markenbutter von zuletzt 1,69 Euro auf 1,29 Euro herunter. „Das ist eine Überraschung“, kommentierte Monika Wohlfarth von der Zentralen Markt- und Preisberichtstelle der Landwirtschaft (ZMP). „Die Notierungen für abgepackte Butter sind seit Wochen fast unverändert.“

Den Bauern schmeckt die Preisoffensive gar nicht. Bauernpräsident Gerd Sonnleitner wittert in der Aldi-Offerte einen „klaren Verstoß zum Verbot des Verkaufs unter Einstandspreis“ und damit einen Verstoß gegen das Wettbewerbsrecht. Die Butterkontrakte der Molkereien mit dem Discounter liefen noch bis Ende Dezember, argumentierte Sonnleitner am Dienstag – und forderte das Bundeskartellamt auf, den Fall zu prüfen. Kritik an der Schnäppchen-Aktion kam auch vom Bundesverband Deutscher Milchviehhalter.

Die Händler sehen die Entwicklung dagegen wesentlich entspannter. „Die aktuellen Preissenkungen bei Butter zeigen, dass der Wettbewerb im Einzelhandel funktioniert“, sagte Verbandssprecher Hubertus Pellengahr. Für den Handel ist der Butterpreis ein so genanntes „Ankerprodukt“: Viele Verbraucher kaufen ihre Lebensmittel da ein, wo die Butter besonders billig zu haben ist.

Die Preise für Butter und andere Lebensmittel hatten sich in den vergangenen Monaten kräftig verteuert. Die Händler gaben damit die gestiegenen Einkaufspreise weiter. Allein im November waren die Großhandelspreise für Milch, Milcherzeugnisse, Eier, Speiseöle und Nahrungsfette im Vergleich zum Vorjahresmonat um mehr als ein Viertel nach oben gegangen, wie das Statistische Bundesamt mitteilte.

Die Verteuerung der Lebensmittel hatte neben gestiegenen Energiekosten auch wesentlich dazu beigetragen, dass die Inflationsrate in Deutschland im November auf drei Prozent gestiegen war – und damit den höchsten Wert seit 13 Jahren erreichte.

Doch die Preissenkung bei der Butter wird eine Ausnahme bleiben. Bauernpräsident Sonnleitner erwartet sogar einen weiteren Anstieg der Preise, bemühte sich aber, diese Prognose abzuschwächen. „Sie werden sehr moderat für unsere Verbraucher steigen“, sagte er am Dienstag in Berlin, als er den Situationsbericht für das abgelaufene Wirtschaftsjahr vorlegte. Verbraucher und Bauern müssten sich in Zukunft insgesamt auf stärkere Schwankungen einstellen. Zuletzt seien die Preise durchschnittlich um 2,4 Prozent angestiegen, sagte Sonnleitner.

Die Bauern haben von der Entwicklung profitiert. Wegen der weltweit steigenden Nachfrage nach Lebensmitteln und des Booms bei der Bioenergie verdienten sie wieder deutlich mehr Geld. Der Gewinn je (Familien-)Arbeitskraft sei im Wirtschaftsjahr 2006/07 um 2800 Euro auf 25 300 Euro gestiegen, sagte Sonnleitner. Auch der durchschnittliche Brutto-Monatsverdienst verbesserte sich im Vergleich zum Vorjahr von 1900 Euro auf 2110 Euro (Grafik). Besser verdient haben vor allem Ackerbauern, Veredelungs- und Milchviehbetriebe.

„Eine goldene Nase verdienen sich die Landwirte trotz dieser wirtschaftlichen Entwicklung nicht“, sagte Sonnleitner. Der Aufschwung an den Agrarmärkten komme nicht bei allen Betrieben an, vor allem nicht bei den Schweinehaltern.

Für das kommende Wirtschaftsjahr zeigte sich der Bauernpräsident insgesamt optimistisch – was sich auch in steigenden Investitionen wiederspiegele.

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