Verbraucher : Lieb und teuer

Wie Eltern für ihre Kinder Geld anlegen können – und warum Ausbildungspolicen sich nicht lohnen

Veronika Csizi

Kinder, das wissen alle Eltern, kosten viel Geld. Rund 107136 Euro müssen Mutter und Vater im Schnitt aufbringen, bis das erste Kind volljährig ist. Das hat das Statistische Bundesamt ausgerechnet. Für ein Studium kommen dann noch einmal 30000 bis 45000 Euro hinzu, also etwa 500 bis 600 Euro pro Monat. Um diese Belastungen zu bewältigen, empfiehlt es sich, rechtzeitig für ein finanzielles Polster zu sorgen.

Vor allem für die Versicherer sind Eltern eine interessante Zielgruppe. Angeheizt durch das Ende des Steuerprivilegs für Lebensversicherungen  – Verträge, die ab 2005 abgeschlossen werden, müssen nach Ablauf versteuert werden – werben sie derzeit vehement für den Abschluss einer Ausbildungsversicherung. „Biene Maja Junior-Schutzbrief“ heißen diese Versicherungen beispielsweise bei der Nürnberger, „Kinderplan Vorsorge“ bei der Allianz, „Teddy“ bei der Skandia oder „Moneymaxx“ bei der Aegon.

Sparen die Eltern bereits ab der Geburt oder dem Kleinkindalter monatlich nur kleinere Beträge, so wirbt die Branche, komme am Laufzeitende, etwa bei Volljährigkeit des Kindes, ein ansehnliche Summe zusammen. Zudem ist ein Risikoschutz eingebaut: Stirbt der Versicherte, werden die Beiträge trotzdem weitergezahlt.

Der Versicherer Aegon rechnet vor: Schließt ein 38-jähriger Vater für seine zweijährige Tochter eine Ausbildungsversicherung mit einer Laufzeit von 20 Jahren und einem monatlichen Beitrag von 50 Euro ab, dann stehen der 22-jährigen 21000 Euro zur Verfügung. Aegon unterstellt dabei neben der gesetzlich garantierten Mindestverzinsung von 2,75 Prozent eine Überschussbeteiligung, die die Rendite auf 5,4 Prozent im Jahr anhebt.   

Die Stiftung Warentest wie auch der Bund der Versicherten  raten indes strikt ab. „Die prognostizierte Rendite kommt nie beim Kunden an“, sagt Thorsten Rudnik vom Bund der Versicherten. Das liege  an den sehr hohen Vertriebs- und Verwaltungskosten. Und: Nicht der ganze Beitrag werde verzinst, sondern nur ein Sparanteil, dessen exakte Höhe die meisten Versicherer verschweigen. Von 100 Euro Monatsbeitrag würden oft nur 60 bis 65 Prozent tatsächlich angespart, zudem sei die Überschussbeteiligung unsicher.

„Unter dem Strich bleibt oft nur eine garantierte Rendite, die unter einem Prozent liegt“, kritisiert Rudnik. Selbst mit den unverbindlichen Überschüssen seien mehr als drei Prozent selten. Zu einer Kündigung rät die Stiftung Warentest trotzdem nur in Einzelfällen. Denn: Oft liege der Rückkaufwert in den ersten Jahren der Versicherung deutlich unter der Sparleistung, bisweilen sogar bei Null, da er von den Kosten aufgezehrt werde.  

Als Alternative empfehlen die Finanzexperten zur Vorsorge für die Kinder eine Trennung von Geldanlage und Risikoabsicherung. Um Betreuung und Ausbildung auch im Todesfall eines Elternteils zu ermöglichen, sollten, so Rudnik, Vater und Mutter jeweils eine ganz normale Risikolebensversicherung abschließen. Rücklagen für Lehre, Studium, das erste Auto oder die erste Einrichtung können Eltern, die eine sichere und günstige Anlageform suchten, am besten mit Bundeswertpapieren schaffen. Bundesschatzbriefe würden zur Zeit zwar auch nur mit drei bis vier Prozent verzinst, die Rendite  sei jedoch zu 100 Prozent garantiert.

Auch Rentenfonds seien für diejenigen empfehlenswert, denen der Mut zu einem Investment in Aktienfonds fehle. Nach Statistiken des Bundesverbandes der Investmentgesellschaften haben deutsche Rentenfonds im Schnitt in den letzten 25 Jahren 6,21 Prozent pro Jahr abgeworfen. Ein 25-Jahres-Sparplan mit monatlich 50 Euro hätte knapp 35000 Euro gebracht, obwohl nur 15000 Euro eingezahlt wurden. Sparbriefe bei Banken bringen aktuell maximal 4,5 Prozent pro Jahr, allerdings zahlen manche Institute am Laufzeitende zusätzlich einen Bonus.

Viele Direktbanken, beispielsweise die Comdirect („Junior-Depot“) oder die Direkt Anlage Bank, bieten für Kinder und Jugendliche kostenfreie Depots an, in denen  Fonds nach Wunsch automatisch regelmäßig gekauft werden, zum Teil ohne Ausgabeaufschläge. Und: Die Erträge aus Aktien-Sparverträgen sind nach einem Jahr steuerfrei. Wer mit festverzinslichen Papieren oder reinen Banksparplänen Geld zurücklegt, muss die Erträge zwar versteuern. Dank des Steuerfreibetrages von 1421 Euro pro Jahr (inklusive Werbekostenpauschale), so rechnet „Finanztest“ vor, bleiben Guthaben bis etwa 47000 Euro bei drei Prozent Verzinsung trotzdem steuerfrei.  Überschreiten die Eltern diese Grenze, können sie das Geld auch auf den Namen des Kindes anlegen. Und, anders als bei Ausbildungsverträgen, ist das Ersparte jederzeit verfügbar.

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