Verbraucher : Magere Leistung

Viel Zucker und wenig Frucht fanden die Tester im fettarmen Jogurt. Doch mikrobiologisch waren alle Produkte in Ordnung

Corinna Visser

Jogurt ist gesund. Er ist ein wichtiger Lieferant von Kalzium und Eiweiß. Dabei ist Erdbeerjogurt der beliebteste Fruchtjogurt der Deutschen. Jeder fünfte, der über den Ladentisch geht, hat Erdbeergeschmack. Viele Kunden greifen dabei zur fettreduzierten Variante, weil sie Kalorien sparen wollen.

Die gute Nachricht ist: Wer Erdbeer- Magerjogurt kauft, muss sich vor krank machenden Keimen, Schimmelpilzen und Hefen nicht fürchten. Die Stiftung Warentest hat 16 Produkte am Ende des Mindesthaltbarkeitsdatums untersucht und hatte aus mikrobiologischer Sicht an den Milchprodukten nichts zu beanstanden. Dennoch gaben die Tester keinem der geprüften Jogurts die Note „gut“. Das Urteil der Experten: Die Jogurts enthalten zu viele Aromastoffe und sind wegen der hohen Kalorienzahl zum Abnehmen nicht geeignet.

Zwar wird magerer Jogurt aus entrahmter Milch gemacht und enthält maximal 0,3 Prozent Fett. 100 Gramm kommen auf 38 Kilokalorien. Zum Vergleich: Ein Vollmilchjogurt mit 3,5 Prozent Fett hat fast die doppelte Kalorienzahl, nämlich 66 Kilokalorien. Wer Magermilchjogurt isst, nimmt daher deutlich weniger Fett zu sich. Doch wer zu Fruchtjogurt greift, muss eine andere Kalorienbilanz aufmachen. Fett ist ein Geschmacksträger. Und wo an Fett gespart wird – der Jogurt aber dennoch süß schmecken soll – muss mehr Zucker oder Süßungsmittel hinein. Die Warentester fanden in den untersuchten Produkten bis zu 15 Gramm Gesamtzucker pro 100 Gramm Jogurt. Das treibt die Kalorienzahl in die Höhe: Bis zu 85 Kilokalorien enthielten die geprüften Erdbeer-Magerjogurts. Das ist nicht sehr viel weniger als ein Vollfettjogurt mit Fruchtgeschmack, der kommt bei 100 Gramm auf rund 100 Kilokalorien.

Auch Traubenzucker ist nach dem Urteil der Tester keine wirkliche Alternative. Im Gegenteil: Traubenzucker hat einen hohen glykämischen Index und regt die Bauchspeicheldrüse zur Insulinausschüttung an. Das macht Lust auf mehr.

Und die Erdbeeren? Eine wissenschaftliche Methode, den Fruchtanteil im Jogurt exakt zu analysieren, gibt es laut Stiftung Warentest nicht. Mit viel Glück enthält ein 150- Gramm-Becher Erdbeerjogurt etwa 16,5 Gramm Frucht, schreiben die Tester (siehe Kasten).

Dafür enthalten die untersuchten Zubereitungen um so mehr Aromastoffe. Bei vielen Jogurts schien es, als seien die Aromakomponenten „kunterbunt und beliebig zusammengemixt“ worden, schreiben die Tester. In einigen Fällen waren einzelne Geschmackskomponenten im Vergleich zu einem Jogurt mit zehn Prozent frischen Erdbeeren sogar bis zu 100-fach überdosiert.

Einen richtigen Sieger mochten die Tester darum bei den Erdbeer-Magerjogurts auch nicht küren, keines der untersuchten Produkte kam über ein „befriedigend“ hinaus. Die höchste Wertung erreichten dabei VitBalance von Penny/Elite und Weihenstephan, wobei Letzterer pro 100 Gramm mehr als doppelt so viel kostet wie sein Konkurrent.

Im Internet:

www.test.de

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