Verbraucher : Mahlen, zischen, brodeln

Bernd Matthies

DAS TESTURTEIL 0 Punkte: Hände weg und alle Bekannten warnen, 5 Punkte: Noch mal drüber schlafen, 10 Punkte: Sofort kaufen

testet eine Espressomaschine Feine Kulturmenschen sind ohne Espressomaschine nicht lebensfähig. Filterbrühe ist gestrig, ein Getränk für erledigte Fälle wie Karin Sommer. Dagegen schon die Namen der Espressoautomaten! „Orchestro Dialog Autocappuccino“ heißt der hier, das klingt wie eine Verdi-Koloratur. Stammt von Krups, mahlt und brüht aber in italienischem Geiste. Die vorgebliche Neigung zum Dialog täuscht allerdings: Der Neue gibt sich als Diktator. Den Anordnungen im Display ist Folge zu leisten, und zwar akkurat, sonst schweigt er oder spritzt sich missmutig den Vorbau voll.

Ideal des Espresso-Novizen ist das, was Antonio von der „Pizzeria Bella“ mit links aus seinem Profiautomaten presst: Eine winzige, starke Pfütze, aromatisch und heiß, aber nicht bitter und mit satter Crema. Nun los, Krups! Es mahlt, zischt, brodelt, die Tasse läuft über, und was drin bleibt, schmeckt wie im Fürstenhof Finsterwalde, lau, dünn. Also her mit der Anleitung. Bitte: Kaffee- und Wassermenge und sogar Temperatur sind einstellbar, und der Knopf oben in der Mitte verspricht sehr starken Kaffee. Zisch! Heiß, aber gallebitter. Nach endlosen Einstelländerungen und Tests mit anderen Kaffees finden wir: Antonios Espresso bleibt für diese Kiste unerreichbar.

Wir sind dann auf Cappuccino umgestiegen. Die Automatik saugt die Milch direkt aus dem Topf und pustet sie durch eine Düse oben auf den Kaffee, toll. Wir werden ein bisschen süchtig – und trennen uns doch nicht ungern. Denn der Diktator macht sich, wie alle Vollautomaten mit Mahlwerk, einfach zu breit in der Küche, ewig ist irgendwas, und auch die zahlreichen Plastikklappen und -fronten nerven. Eine andere Maschine? Ja, kleiner, solider. Und sie muss den Antonio-Test wenigstens knapp bestehen.

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