Verbraucher : Mal ein grünes Auge riskieren

Antje-Elisabeth Kröger

DAS TESTURTEIL: 7 Punkte 0 Punkte: Hände weg und alle Bekannten warnen, 5 Punkte: Noch mal drüber schlafen, 10 Punkte: Sofort kaufen

„Hey, was ist denn mit dir passiert? Siehst ziemlich schräg aus.“ Das war der erste Kommentar von meinem Mitbewohner, der immer wieder sensibel auf äußerliche Veränderungen meinerseits reagiert. Heute geht es aber weder um eine neue Haarfarbe noch Frisur, sondern um meine Augenfarbe. Die ist eigentlich grün, aber jetzt gerade wasserstoffblau und um die Pupille mit kleinen, weißen Sternchen verziert.

Als ich in die U-Bahn steige, ist mein Blickfeld zwar etwas eingeschränkt, aber dafür ziehe ich alle Blicke auf mich – mit den Kontaktlinsen „Wild Eyes“ von Ciba Vision. Auto fahren sollte man mit diesen Linsen nicht, rät der Hersteller, weil man seine Umgebung nicht mehr vollständig erfassen kann. Beim Kaffee meint meine beste Freundin, sie könne sich nicht konzentrieren, wenn ich sie mit diesen Augen ansehe. Und da der Tragekomfort nicht allzu hoch ist – ich habe die ganze Zeit das Gefühl, dass ich was im Auge habe – wechsle ich auf der Toilette zu perlmutt-grün schimmernd.

Im Unterschied zu den ersten Kontaktlinsen, die das Auge vollständig abdecken und nur ein Loch für die Pupille frei lassen, sind das nun farbintensivierende Linsen („Freshlook Softcolors“). Sie sind transparent und in einer Farbe getönt, so dass sie die natürliche Augenfarbe nur verstärken. „Jetzt siehst du wenigstens wieder natürlich aus“, sagt meine Freundin. Und außerdem seh ich jetzt wieder alles. Die farbintensivierenden Linsen sind aber nur für helläugige Menschen geeignet. Dunkelbraun kann nur dunkler, aber nicht blauer oder grüner werden.

Farblinsen gibt es bereits seit 25 Jahren. Anfang der 80er ging es dabei noch um den medizinischen Aspekt. Das kann man heute nicht mehr sagen. Der Durchschnittsträger ist Mitte 20, weiblich und legt viel Wert auf sein Äußeres. Das heißt auch, dass man tief in die eigene Tasche greifen muss. Farblinsen, die im Monatstakt gewechselt werden, kosten beim Optiker im Schnitt 25 Euro. Für die Linsen mit den abgedrehten Motiven muss man rund 50 Euro bezahlen.

Vor allem das erste Einsetzen stellt hohe Anforderungen an den noch ahnungslosen Träger. Mein erster Kontaktlinsenversuch beim Optiker dauerte vier Stunden. Dabei schaffte ich es, drei Linsen zu demolieren und eher mit zwei weinenden als einem lachenden Auge wieder auf die Straße zu treten. Wer nämlich zum ersten Mal Kontaktlinsen trägt, muss sich die beim Spezialisten anpassen lassen. Da heißt es: Augen auf und durch! Aber wenn das geschafft ist, kann man seinen Gegenüber mit einem tiefen Blick in Saphirblau oder Grasgrün richtig schwach machen.

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