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Wie man einen guten Investmentfonds findet – und womit man Qualität messen kann

Daniel Rhee-Piening

Mit dem Anstieg der Kurse im vergangenen Jahr und Anfang 2006 haben die Deutschen Aktien und insbesondere das Fondssparen wiederentdeckt. Das Ergebnis kann sich nach Angaben des Bundesverbandes Investment und Asset Management (BVI) sehen lassen. Anleger, die ihr Geld in Aktienfonds investiert haben, können sich über zweistellige Wertsteigerungen in den vergangenen zwölf Monaten freuen. Dabei erzielten Aktienfonds mit Anlageschwerpunkt Deutschland mit durchschnittlich mehr als 20 Prozent den stärksten Zuwachs. Europäische Aktienfonds kamen von Ende Juni 2005 bis Ende Juni 2006 auf ein Plus von 17,4 und Internationale von 11,4 Prozent.

Doch dies sind nur Durchschnittswerte. Fonds, selbst aus der gleichen Anlageklasse, können sich sehr unterschiedlich entwickeln. Und Statistiken zeigen, das die meisten Fonds – vom Asien- bis zum Rentenfonds – das erste Halbjahr mit einem Minus abgeschlossen haben. Viele Anleger fragen sich ratlos: Wie lassen sich die besten Produkte aus dem unübersichtlichen Angebot von mehr als 6000 deutschlandweit zugelassenen Publikumsfonds mit mehr als 9000 Anteilsklassen herausfiltern?

ZIELE

Wie bei jeder anderen Geldanlage muss der Sparer zunächst einmal seine persönlichen Ziele definieren. Soll einmalig ein Geldbetrag eingezahlt oder geparkt werden, oder sind regelmäßige Raten geplant? Wie lang ist der persönliche Anlagehorizont? Soll ein Vermögen aufgebaut werden oder soll Geld für die Altersvorsorge gespart werden? Sodann gilt es zwischen Aktien-, Renten- oder Geldmarktfonds zu wählen. Wer sich hier nicht genau festlegen will, kann auch gemischte Fonds oder Dachfonds kaufen. Fortgeschrittene schauen sich Branchen-, Länder- oder auch Private-Equity-Fonds an.

KOSTEN

Relativ schnell und vergleichsweise einfach lässt sich ermitteln, wie hoch der Ausgabeaufschlag ist – also der Mehrpreis, der sich als ein bestimmter Prozentwert des Rücknahmepreises bemisst und bei Aktienfonds meist bei vier bis fünf Prozent liegt. Gespart werden kann hier, wenn etwa Rabatte bei einer Direktbank in Anspruch genommen werden oder mit der Bank über den Ausgabeaufschlag verhandelt wird. Wer schon mit seinem Banker spricht, sollte auch gleich die Frage nach den Depotgebühren stellen. Häufig verwalten Fondsgesellschaften ihre Fonds nämlich ohne Gebühren .

Und wer sich über Gebühren Gedanken macht, sollte sich die Verwaltungskosten des Fonds genauer anschauen. Darunter fallen beispielsweise Kosten für das Fondsmanagement, für Wirtschaftsprüfer und Rechenschaftsberichte oder Prospektmaterialien, die direkt vom Fondsvermögen abgezogen werden. Alle Fondsgesellschaften, die Mitglied im Branchenverband BVI sind müssen die so genannte Total Expense Ration ( TER ) veröffentlichen. Die TER wird als Prozentsatz des Fondsvolumens im zurückliegenden Geschäftsjahr angegeben.

RENDITE

Erstes und häufig leider einziges Kriterium für die Beurteilung eines Fonds ist meist seine Wertentwicklung ( Performance) im Vergleich zu anderen Fonds seiner Klasse und/oder einem bestimmten Index. So kann der Anleger vergleichen, ob sich ein Fonds, der beispielsweise in deutsche Aktien anlegt, besser entwickelt hat als der Dax. Hilfestellung geben hier Renditetabellen etwa im Tagesspiegel, verschiedenen Fachmagazinen oder in der Zeitschrift „Finanztest“.

RISIKO

Eine wichtige Kennzahl ist die Volatilität eines Fonds, die etwas über die Schwankungsanfälligkeit und das Risiko der Kapitalanlage sagt. Einfacher verständliche Risikokennzahlen geben etwa das Ausmaß der höchstmöglichen Verluste oder die Dauer und Häufigkeit von Verlustperioden wieder. Doch hier zeigt sich die Schwäche all dieser Kennzahlen: Sie geben immer nur Auskunft über die Vergangenheit – verlässliche Aussagen für die Zukunft können sie nicht machen.

Kennziffern, die sowohl Performance und Rendite als auch das Risiko berücksichtigen sind die so genannte Sharpe Ratio , die Treynor-Maßzahl oder Jensens Alpha . Bei der bekanntesten, der Sharpe Ratio, wird die Risikoprämie – definiert als Mehrertrag des Fonds gegenüber einer risikolosen Anlage wie beispielsweise dem Sparbuch – ins Verhältnis zur Volatilität gesetzt. Je höher die Kennziffer ist, desto besser ist der Fonds.

RATING

Wem diese Kennzahlen zu kompliziert sind, kann sich an die Bewertungen von Rating-Agenturen halten. Die bekanntesten sind Morning Star, Standard & Poor’s (S&P), Feri Trust und Scope. Die Spezialisten vergeben entweder Buchstaben oder Sterne, um die Qualität eines Fonds zu kennzeichnen. Fonds, denen Morning Star oder S&P zum Beispiel fünf Sterne verliehen haben, zählen zu den besten zehn Prozent aller bewerteten Produkte eines Sektors. Ein Stern dagegen bedeutet, dass ein Großteil der Konkurrenz besser gearbeitet hat. Die Agenturen berücksichtigen dabei zunächst die Wertentwicklung eines Fonds, seine Schwankungsbreite und das Risiko über einen längeren Zeitraum. Manche Rating-Agenturen versuchen auch, „weiche“ Faktoren zu berücksichtigen, zum Beispiel den Investmentprozess, die Unternehmenskultur und das Management einer Fondsgesellschaft.

Auch diese Methode hat freilich einen Haken: Es sind immer nur vergangenheitsbezogene Kennziffern, die allenfalls ein Versprechen für die Zukunft geben.

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