Verbraucher : Mehr Eis, weniger Kalorien

Dagmar Rosenfeld

DAS TESTURTEIL 0 Punkte: Hände weg und alle Bekannten warnen, 5 Punkte: Noch mal drüber schlafen, 10 Punkte: Sofort kaufen

testet ein Magnum Light Um eines gleich zu Anfang klar zu stellen: Es ist nicht so, dass ich es nötig hätte, Kalorien zu zählen. Wie viel Fett oder Zucker mein Essen enthält, ist mir egal. Eigentlich. Doch in diesem Fall ist es anders, denn in diesem Fall geht es um Strategie – und zwar um meine persönliche Eis-Ess-Strategie. Schließlich ist ein Sommer ohne Eis, genauer ohne Magnum, noch genauer ohne viel Magnum (natürlich die Classic-Variante ohne Mandelschnickschnack und so) nichts wert. Und da ein Magnum-Light 30 Prozent weniger Fett und Kalorien enthält als die Standard-Variante, tut sich hier eine Möglichkeit auf, sich den Sommer mit noch mehr Magnum-Eis zu versüßen – ohne ernsthaft zu verfetten. Soviel zur Strategie, die ziemlich genial ist, wie ich finde.

Zum Test-Eis-Essen lade ich meine Schwester ein. Weil wir vor Jahren unser erstes Magnum gemeinsam gegessen haben, will ich jetzt auch das erste Magnum-Light mit ihr teilen. Wir packen das Eis aus der glänzenden Aluhülle. Genüsslich beiße ich in die dunkle Schokolade, die langsam auf der Zunge schmilzt. Meine Geschmacksnerven jubilieren, voller Vorfreude auf das cremige Vanilleeis unter der Schokoladenschicht. Aber nichts ist mit cremig. Ein sämiger, extrem süßer Klumpen Eis klebt auf meiner Zunge. Und statt Vanillearoma bleibt der leicht bittere Beigeschmack von Süßstoff an meinem Gaumen haften.

„Die Schokolade ist gut, aber das Eis ist nicht so doll“, sage ich und spüle mit einem Glas Wasser die Eisreste in meinem Mund hinunter. Bestimmt haben die von Langnese für das Magnum-Light ganz normale Schokolade genommen und das Fett und den Zucker nur beim Eis eingespart. „Vielleicht“, sagt meine Schwester, „ist es so wie mit Cola-Light. Du musst erst viel davon trinken, um dich an den Geschmack zu gewöhnen. Und am Ende magst du dann nur noch Cola-Light und keine normale Cola mehr.“

Also besorgen wir im Supermarkt Nachschub. Vier Dreierpacks Magnum-Light sollten erstmal reichen. Nach dem vierten Eis ist meine Zunge leicht taub, Schokolade klebt an meinen Zähnen und das viele Wasser, dass ich zum Runterspülen getrunken habe, gluckst in meinem Bauch. Und als auch das fünfte Magnum Light noch genauso fies schmeckt, wie das erste, geben wir auf. 1700 Kalorien und 99 Gramm Fett haben wir bis dahin in uns reingestopft. Dafür hätte jeder von uns dreieinhalb echte Magnum-Eis essen können. „Aber schlecht war meine Strategie nicht“, sage ich. „Stimmt“, sagt meine Schwester. Würde sie dabei nicht so wehleidig gucken und sich den Bauch halten, ich würde es ihr glatt glauben.

0 Kommentare

Neuester Kommentar