Verbraucher : Mehr Licht!

Sonne statt Öl: Erneuerbare Energie ist gefragt – bei Solaraktien sollte man aber mit Risiken rechnen

Gerald Drissner

Der steile Anstieg des Ölpreises hat auch Anlegern vor Augen geführt: Die Erschließung erneuerbarer Energiequellen wird wichtiger, wenn die Industrieländer ihre Abhängigkeit vom teuren Öl reduzieren wollen. Deutlich bemerkbar macht sich dieser Trend seit einigen Wochen an der Börse. Nach dem Einbruch der Windenergie-Branche haben die Anleger nun die Aktien von Solarherstellern entdeckt.

„Wir erleben ein Rekordjahr“, sagt Stefan Küßner vom Bundessolarverband. Die Zahlen belegen dies: Im ersten Halbjahr hat sich die Produktion von Solarstrommodulen auf insgesamt 70 Megawatt verdoppelt. Die Branche rechnet erstmals mit einem Umsatz von etwa einer Milliarde Euro in den ersten sechs Monaten. „Die Auftragsbücher der Hersteller sind prall gefüllt“, sagt Andreas Knörzer, Analyst der Bank Sarasin.

Die Aktien der Solarhersteller haben in den vergangenen Monaten kräftig zugelegt. Der Kurs des Bonner Unternehmens Solarworld etwa hat sich seit einem Jahr versechsfacht. Der Gewinn nach Steuern betrug im ersten Halbjahr fünf Millionen Euro – ein Zuwachs von 8,5 Millionen Euro im Vergleich zum ersten Halbjahr 2003. Das Unternehmen deckt die gesamte Wertschöpfungskette ab – vom Rohstoff über die Zelle bis zur Solarstromanlage. Allerdings notiert das Papier mit 28 Euro noch weit unter seinem Höchststand von 97,50 Euro im Herbst 2000. „Auf Grund der sehr großen Nachfrage scheint das Unternehmen voll ausgelastet zu sein. Möchte es weiter wachsen, ist aber eine Kapitalerhöhung vonnöten“, sagt ein Analyst von M.M. Warburg.

Ähnlich sieht die Situation bei SAG Solarstrom aus Freiburg aus. Das Unternehmen baut und betreibt Sonnenkraftwerke. Der Kurs hat sich seit einem Jahr verdoppelt, liegt aber noch unter dem Ausgabekurs. Der Berliner Solartechnikhersteller Solon wurde unlängst von Analysten zum Kauf ermpfohlen. „Die im Gesetz für erneuerbare Energien festgeschriebene hohe Förderung würde den Umsatz des Unternehmens nachhaltig nach oben katapultieren“, hieß es beim MWB Wertpapierhandelshaus.

Die Zahlen sind gut, die Ausblicke viel versprechend. Dennoch warnen die Experten: „Die Unternehmen sind noch relativ klein und jung. Die Aktien haben oft eine geringe Liquidität“, sagt ein Experte der Fondsgesellschaft DWS. Das heißt: Schon bei kleinen Handelsumsätzen machen die Kurse oft große Sprünge. Und: Will der Anleger seine Aktie verkaufen, bleibt er oft darauf sitzen, weil sich keine Käufer finden. Die Marktkapitalisierung der meisten Unternehmen liegt weit unter 200 Millionen Euro. Deshalb halten sich auch Investmentfonds noch zurück; das Angebot für Solarfonds ist klein. „Wer Fonds kauft, sollte darauf achten, dass sie international ausgerichtet sind, um das Risiko zu reduzieren“, sagt Jürgen Kurz von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW).

Der Blick über die Grenzen ist ratsam, denn im Vergleich zu Wind- und Wasserkraft spielt die Sonnenenergie hier zu Lande eine kleine Rolle. Sie trägt weniger als ein Prozent zur deutschen Stromproduktion bei. Noch ist die Nachfrage in Deutschland größer als das Angebot – im vergangenen Jahr wurde etwa die Hälfte der installierten Solarmodule importiert. Das könnte sich aber bald ändern: Die Hersteller investierten mehr als eine Milliarde Euro in den Aufbau von neuen Produktionskapazitäten in den vergangenen fünf Jahren. 2006 soll die Produktion die Nachfrage deutlich übersteigen.

Die großen Absatzmärkte liegen aber im Ausland. Nach einer Studie einer Schweizer Privatbank wächst der Markt für Sonnenenergie2004 weltweit um 33 Prozent. „Deutschland ist kein Sonnenland“, sagt ein Commerzbank-Analyst. Die internationale Konkurrenz belebt den Markt, aber sie setzt den heimischen Anbietern auch zu. Marktführer sind die japanischen Konzerne Sharp und Kyocera, gefolgt von den Solartöchtern der Ölkonzerne BP und Shell. Die Unternehmen müssten sich deshalb verstärkt im Export positionieren, sagen Analysten.

Ob der Trend zur Sonnenenergie anhält, hängt auch von den staatlichen Förderungen ab. Im August trat die Neufassung des Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) in Kraft, das Sonnenstrom hohe Einspeisevergütungen garantiert. „Die Solarstrom-Erzeuger haben ohne Subventionen Probleme, sich durchzusetzen“, sagt DSW-Sprecher Kurz. Die Subventionen seien abhängig von politischen Mehrheiten. „Bis zur nächsten Bundestagswahl ist die Branche jedenfalls gesichert.“

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