Mehr Netto: Folge 7 : Die tägliche Verführung

Mit welchen Tricks die Supermärkte arbeiten, und wie man ihnen widersteht.

Verena Hasel[Heike Jahberg],Johannes Pennekamp

Das teuerste Brot der Welt, hieß die Skulptur eines Künstlers, die im vergangenen Jahr in Nürnberg zu sehen war. In den Brotlaib hatte der Künstler 40 Diamanten eingebacken – der Gesamtwert: mehr als 50 000 Euro. Billiger ist das Brot im Supermarkt allemal, allerdings steigen auch da die Preise. Verglichen mit dem Vorjahr mussten die Verbraucher im Mai für Lebensmittel zwischen sieben und 9,2 Prozent mehr ausgeben, hat das Statistische Bundesamt errechnet. Insbesondere für Milch, Käse und Brötchen mussten die Kunden tiefer in die Tasche greifen.

KOSTEN STEIGEN
Dass Lebensmittel teurer werden, diese Entwicklung wird sich zumindest mittelfristig fortsetzen, sagt Christian Thorun vom Bundesverband der Verbraucherzentralen. Das liegt zum einen an den steigenden Kosten der Produzenten. Weil das Getreide und damit das Futter für die Tiere teurer wird, muss man für das Geflügel mehr zahlen. Dennoch bezweifelt Thorun, dass die hohen Preisaufschläge in jedem Fall gerechtfertigt sind.

NUR MIT EINKAUFSLISTE
Für die Käufer lohnt es sich allemal, nach Sparmöglichkeiten zu suchen. Oft helfen schon einfache psychologische Vorsichtsmaßnahmen. So sollte man nach Möglichkeit nie einen Supermarkt ohne Einkaufsliste betreten. Sonst verlässt man ihn am Ende mit einer Jogurtpalette, die man zwar nicht braucht, die es aber im Sonderangebot gab. Überhaupt Großpackungen: Rechnen Sie immer nach, ob diese wirklich günstiger sind. Und selbst wenn, schlagen sie nur dann zu, wenn es sich um haltbare Lebensmittel handelt. Es sei denn, Sie haben eine sechsköpfige Familie oder bilden eine Einkaufsgemeinschaft mit Nachbarn – was für Singles durchaus sinnvoll sein kann.

KORB STATT WAGEN
Wenn Sie vorhaben, nur wenig zu kaufen, sollten Sie lieber einen Korb als den Einkaufswagen nehmen. Psychologen haben herausgefunden, dass es Menschen geradezu danach drängt, diesen zu füllen. Auch sollte man seinen Blick nicht nur auf die Regalmitte richten. Dort schaut der Mensch als erstes hin, deshalb postieren die Händler dort ihre teuersten Produkte. In den oberen und unteren Regalteilen finden sich dagegen die billigeren Waren.

LIEBER SELBER MACHEN
Ansonsten gilt bei der Entscheidung für oder gegen ein Produkt: Selber machen ist meist billiger. Das fertig gemischte Salatdressing aus der Tüte kostet mehr als die bloßen Zutaten, und selbst für geschnittenen Käse zahlt man einen Zuschlag gegenüber den ungeschnittenen Stücken. Weiterhin sollte man auf Lebensmittel achten, deren Mindesthaltbarkeitsdatum bald abläuft. Auf sie gibt es meist einen Preisnachlass. Ebenso verhält es sich bei Backwaren vom Vortag, nach ihnen sollte man den Bäcker fragen.

Auf manche Einkäufe kann man auch ganz verzichten, Mineralwasser zum Beispiel. Eine Alternative bietet Leitungswasser, das man sich in entsprechenden Geräten selbst sprudeln kann. Nach Berechnungen der Stiftung Warentest lohnt sich diese Anschaffung für eine Familie schon im ersten Jahr.

BESSER ZUM DISCOUNTER?
Viele Verbraucher meinen, beim Discounter sei generell alles billiger. Einer Studie der Unternehmensberatung Nielsen zufolge kaufen die Deutschen dort bereits 42 Prozent ihrer Lebensmittel. Doch auch den Discountern sollte man nicht blind vertrauen. Viele von ihnen haben im Laufe der vergangenen Monate ihre Preise erhöht, ergab eine Untersuchung des Wirtschaftsinformationsdienstes Preiszeiger.

UNSER PREISVERGLEICH
Wir wollten genau wissen, wie sich die Preise unterscheiden. Am Donnerstag sind wir in neun Berliner Supermärkte und Discounter sowie in fünf Bioläden und -supermärkte gegangen und haben die Preise verglichen. Auf unserem Einkaufszettel standen die Grundnahrungsmittel, für die die Deutschen nach Informationen des Statistischen Bundesamts am meisten Geld ausgeben. Gesucht haben wir jeweils nach dem günstigsten Angebot – Sonderangebote inklusive. Die Auswertung ist zwar nicht repräsentativ, aber sie zeigt, dass sich der Preisvergleich lohnt.

BILLIGER GEHT’S NICHT: KAUFLAND
Mit 20,39 Euro wären wir bei Kaufland am billigsten davon gekommen. Billiger als bei Aldi und Lidl. Bei Aldi hätten wir für unseren Einkauf 22,27 Euro zahlen müssen, bei Lidl 20,76 Euro. Selbst Kaiser’s konnte Aldi preislich unterbieten. Das liegt daran, dass die Schweineschnitzel im Angebot waren. Sonst wäre Aldi günstiger gewesen. Das macht deutlich, wie sinnvoll es ist, auf Sonderangebote zu achten. Auch bei den Discountern. Denn deren Schnäppchenangebote sind meist konkurrenzlos günstig.

SONDERANGEBOTE NUTZEN
Kenntnis von Sonderangeboten bekommt man auf unterschiedliche Weise: In den Supermärkten selbst hängen meist Plakate mit Ankündigungen, im Briefkasten zu Hause findet sich entsprechendes Infomaterial. Außerdem kann man über die Websites der Discounter den Newsletter abonnieren – wofür man sich, um vor Spam geschützt zu sein, eine separate E-Mail-Adresse einrichten sollte. Schließlich bietet die Website http://www.supermarktangebote.de/supermarktangebote eine Übersicht über die aktuellen Angebote der Discounter. Auf Sonderangebote sind wir selbst beim KaDeWe gestoßen. Für den Gouda, die Schweineschnitzel und den Kaffee gab es am Donnerstag Sonderpreise. Dennoch wäre der Einkauf unterm Strich ein teures Vergnügen geworden. Mit rund 42 Euro hätten wir im KaDeWe mehr als Doppelt so viel bezahlt wie bei Kaufland – allerdings dürfte sich auch die Qualität der Produkte unterscheiden.

TEURE BIOWARE
Das gilt auch für die Unterscheidung zwischen konventionellen und Bioprodukten. Für Biowaren hätten wir am Donnerstag noch deutlich mehr ausgeben müssen als für einen Einkaufsbummel im KaDeWe. Mit knapp 54 Euro wäre unser Einkauf bei der Bio Company zu Buche geschlagen. Aber auch bei Kaiser’s wären wir kaum günstiger davon gekommen. Vor allem das Fleisch ist in Bio-Qualität deutlich teurer als Nicht-Bioware.

BIO IM SUPERMARKT?
Grundsätzlich reichen konventionelle Supermärkte nicht an das Angebot von Biomärkten heran, da diese eine viel breitere Bioproduktpalette haben. Wer jedoch nur bei einigen Waren auf das Biosiegel besteht, kommt in herkömmlichen Supermärkten nicht immer, aber zumindest oft besser weg. Ein Orangensaft mit Biosiegel ist bei Plus beispielsweise nur halb so teuer wie bei Bio Company. Auch die Bioschnäppchen beim Discounter sind wirklich bio. „Man bekommt bei den Discountern auch ordentliche Bioprodukte, die der Öko-Verordnung entsprechen“, sagt Christoph Römer von der Verbraucherzentrale Berlin.

MILCH ZU 0.61 EURO
Auffallend ist, dass es bei einigen der Produkte so gut wie keine Preisdifferenzen gibt. Wer Milch, Salami, Kartoffeln oder Schokolade kauft und gezielt nach den billigsten Angeboten sucht, wird beim Discounter kaum etwas sparen. Die Milch etwa kostet fast überall 61 Cents. Ob sich daran etwas ändert, wenn die Milchbauern ihren Streik fortsetzen, bleibt abzuwarten.

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