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Die Kosten für Autoversicherungen sinken. Aber nur für Neukunden

Heike Jahberg/Johannes Pennekamp
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Unter den Autoversicherern herrscht seit Jahren ein scharfer Preiswettbewerb. Mit Hunderten Tarifen und immer neuen Angeboten werben die Versicherer um jeden Kunden. Autofahrer haben dadurch gute Sparchancen – noch größer ist jedoch die Gefahr, im Angebotswirrwarr den Überblick zu verlieren. So behalten Sie den Durchblick:

WELCHE POLICEN BENÖTIGE ICH?

Jeder Autofahrer ist gesetzlich verpflichtet, eine Haftpflichtversicherung abzuschließen. Wichtig hierbei: Die Deckungssumme der Versicherung sollte mindestens 100 Millionen Euro betragen. Eine Kaskoversicherung ist dagegen eine freiwillige Sache und sollte sich am Wert des Autos orientieren. In den ersten drei bis vier Jahren nach dem Autokauf ist eine Vollkaskoversicherung sinnvoll, bis zum achten Jahr eine Teilkaskoversicherung, meint Jennefer Fricke vom Bund der Versicherten.

Zudem empfiehlt die Verbraucherschützerin einen Schutzbrief, der kostengünstig schnelle Hilfe bei Pannen oder Diebstahl garantiert. Vielfahrer sollten ihrer Meinung nach zudem eine Verkehrsrechtsschutzversicherung haben.

Wer Mitglied in einem Automobilclub ist, sollte in seine Mitgliedsbedingungen schauen: Oft sind Rechtsschutz und Pannenhilfe über die Mitgliedschaft abgedeckt. Von einer Insassenunfallversicherung rät die Versicherungsexpertin dagegen ab, da eventuelle Ansprüche von Mitfahrern ohnehin durch die Haftpflichtversicherung gedeckt sind. „Das Geld kann man sich sparen“, meint sie.

TEILKASKO- ODER VOLLKASKO?

Während die Haftpflichtversicherung fremde Schäden ersetzt, kommt die Kaskoversicherung für Schäden am eigenen Auto auf. Die Teilkasko zahlt bei Brand, Diebstahl, Raub, Elementarschäden, Zusammenstößen mit Wild, Glasbruch, Schmorschäden und Marderbissen. Die Vollkasko geht darüber hinaus und bietet zudem Ersatz bei Vandalismus. Außerdem kommt sie für Unfallschäden am eigenen Auto auf, wenn der Unfall selbst verschuldet war, der Unfallgegner zahlungsunfähig ist, Fahrerflucht begangen hat oder wenn Kinder den Unfall verursacht haben, die man für den Schaden nicht haftbar machen kann. Obwohl der Vollkaskoschutz umfassender ist, muss die Versicherung nicht teurer sein als die Teilkasko. Denn anders als bei der Teilkaskoversicherung gibt es bei der Vollkasko einen Schadenfreiheitsrabatt. Ist dieser niedrig (bis 40 Prozent), zahlt man nicht mehr als für die Teilkasko.

WANN LOHNT SICH EIN WECHSEL?

Die Preisunterschiede in der Haftpflicht- und Kaskoversicherung sind immens und können mehrere hundert Euro im Jahr ausmachen. Wer vom Wettbewerb der Anbieter profitieren will, muss aktiv werden. Denn die neuen Tarife, die regelmäßig im Herbst auf den Markt kommen, gelten nur für Neukunden. Bestandskunden sollten ihre Versicherung auffordern, ihnen ein Angebot zu machen und notfalls mit dem Wechsel drohen. Beitragsrechner im Internet liefern eine erste Orientierung. Mit Rabatten können vor allem Frauen, Wenigfahrer, Eigenheimbesitzer und Beschäftigte des öffentlichen Dienstes rechnen. Größere Preissprünge sind in diesem Jahr aber nicht zu erwarten, heißt es in der Branche. „Der scharfe Wettbewerb lässt wenig Spielraum für Beitragserhöhungen“, sagt Huk-Coburg-Sprecher Alois Schnitzer.

Wer sich nicht ständig dem Wechselstress aussetzen möchte, sollte sich eine günstige Versicherung suchen und bei ihr bleiben, rät Rüdiger Strichau, Versicherungsberater der Verbraucherzentrale Berlin. Empfehlenswert seien unter anderem die Huk Coburg, die Europa-Versicherung, HDI und die VHV.Heike Jahberg/Johannes Pennekamp

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