Verbraucher : Mit Augenmaß

Einmallinsen und Fertigbrillen gibt es sogar im Supermarkt. Die falsche Wahl kann ins Auge gehen

Adelheid Müller-Lissner

Wer besonders gut auf etwas aufpasst, hütet es nicht umsonst „wie seinen Augapfel". Das Auge gilt als wichtigstes Sinnesorgan des Menschen. Und es ist sehr empfindlich.

Kontaktlinsen, die täglich für Stunden direkt auf der empfindlichen Hornhaut aufliegen, müssen deshalb gründlich gereinigt und desinfiziert werden. Es sei denn, man wirft die Linse gleich nach Gebrauch einfach weg. Das macht Einmal- oder Tageslinsen verführerisch, obwohl sie mit Tageskosten bis zu einem Euro auf die Dauer nicht gerade billig sind.

Im September-Heft von „Test" werden die praktischen modernen Sehhilfen genauer unter die Lupe genommen. Mit unterschiedlichem Ergebnis. In Einzelfällen hapert es schon an den Packungen, in denen die Linsen in Kochsalzlösung liegen. Besonders bedenklich fanden die Tester, dass einige Linsen in der Vertiefung auf dem Trockenen gestrandet waren. Testurteil in diesem Fall: Unbrauchbar.

Auch wenn inzwischen farbige Modelle und sogar mit Fußbällen oder Blümchen geschmückte „Crazy Lenses" als Lifestyle-Produkte angeboten werden: Kontaktlinsen sind medizinische Produkte. Ablagerungen auf dem Material können dazu führen, dass die Hornhaut schlechter mit Sauerstoff versorgt wird. Augenärzte warnen davor, die Sehhilfen länger als 14 Stunden oder gar zum Schlafen anzubehalten.

Beim Kauf von der Stange ergibt sich zudem die Schwierigkeit, dass keineswegs jede Linse für jedermann gleich gut geeignet ist. Die „Apollo-Optik/iWear" etwa eignet sich eher für kleine Augen. „Bei großen Hornhäuten liegt der Linsenrand unter Umständen genau über dem empfindlichen Nervengeflecht zwischen Horn- und Lederhaut, was zu Missempfindungen und Reizungen führen kann", warnen Augenärzte.

Einmallinsen gibt es heute nicht nur beim Optiker, sondern auch in Drogeriemärkten oder über das Internet. Zumindest für den Start ist das bedenklich. Ohne Anpassung und Kontrolle einen Großeinkauf zu tätigen, kann ins Auge gehen. Dazu gehört die Vermessung der Hornhaut, aber auch die Überlegung, ob die Augen überhaupt genügend Tränenflüssigkeit bilden, auf der die Linse „schwimmen" kann.

Ob eine Linse passt, kann der darauf spezialisierte Augenoptiker sehen. Christian Hartmann, Leiter der Augenklinik der Charité, Campus Virchow, rät aber dringend, vor dem Umstieg auf die Linse auch zum Augenarzt zu gehen: „Nur er kann bestehende Veränderungen an der Hornhaut erkennen, die zu Komplikationen führen können." Georg Eckert, Sprecher des Berufsverbands der Augenärzte (BVA) berichtet: „Die Augenarzt-Praxen sind voll von Leuten, die sich für wenig Geld unpassende Linsen gekauft haben." In einigen Bundesstaaten der USA werden Kontaktlinsen dem Käufer seit neuestem erst ausgehändigt, wenn er nachweisen kann, dass er die jährliche Kontrolle beim Kontaktlinsen-Spezialisten absolviert hat.

Auch später sind regelmäßige Kontrollen wichtig. Noch wichtiger als bei Einmallinsen sind sie allerdings, wenn man die preisgünstigeren Monatslinsen trägt oder individuell angepasste weiche Linsen länger behält, deren Gewebe sich mit der Zeit verändert. Das A und O ist hier zudem die sorgfältige Pflege. Hartmann wünscht den formstabilen harten Linsen ein Comeback. Sie sind sauerstoffdurchlässig und halten viele Jahre. Außerdem hat sich ihr Tragekomfort inzwischen sehr verbessert. Und sie brauchen weniger Pflege als ihre weichen Konkurrenten.

Viele kontaktlinsenerfahrene Kurzsichtige kommen in die Jahre – und wollen zum Lesen trotz zusätzlicher Altersweitsichtigkeit keine Brille. Für diesen Zweck gibt es inzwischen verschiedene Linsen-Systeme, die ähnlich wie eine Zweistärkenbrille wirken sollen. Allerdings ist es ausgesprochen schwer, sich an sie zu gewöhnen. Viele Menschen greifen deshalb doch zur Lesebrille. Auch solche Halbbrillen sind ja, wie die Einmallinsen, im Kaufhaus oder im Drogeriemarkt in verschiedenen Stärken als Standardware im Sortiment. Darf man hier bedenkenlos zugreifen? „Nur wenn der Augenarzt bestätigt hat, dass beide Augen völlig gleich sind und keine Hornhautverkrümmung vorliegt", sagt Augenarzt Eckert.

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