Verbraucher : Mit Dividenden doppelt verdienen

Unternehmen, die viel ausschütten, locken häufig auch mit Kursgewinnen /Bis zu fünf Prozent Rendite

Susanne Schmitt

In diesem Jahr können sich Anleger auf die bevorstehende Hauptversammlungssaison freuen: Viele Dax- und M-Dax-Unternehmen haben im vergangenen Jahr glänzend verdient und wollen deshalb höhere Dividenden ausschütten. Insgesamt steigt die Ausschüttungssumme der 30 Dax-Firmen nach Berechnungen der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) um etwa 40 Prozent – von 10,3 Milliarden Euro für das Geschäftsjahr 2003 auf 14,4 Milliarden Euro für 2004. Einen großen Teil dieses Anstiegs verantwortet die Deutsche Telekom, die allein 2,6 Milliarden Euro ausschütten will. 23 Unternehmen erhöhen die Dividende, bei fünf Aktiengesellschaften bleibt sie unverändert. „Nur zwei schwarze Schafe zahlen in diesem Jahr nichts“, sagt LBBW-Analyst Frank Schallenberger, „die Hypo-Vereinsbank und Infineon“.

Die Großzügigkeit der Konzerne rückt einen Klassiker ins Blickfeld der Anleger: die Dividendenrendite. Die Kennzahl bildet das Verhältnis von gezahlter oder erwarteter Dividende zum aktuellen Aktienkurs ab. Aktuell liegt sie bei einigen Unternehmen bei bis zu fünf Prozent. Und wer bei der Anlage auf eine hohe Dividendenrendite achtet, kann dabei häufig sogar doppelt gewinnen. Frank Heise, Fondsmanager bei Union-Investment: „Aktien von Unternehmen, die Dividenden zahlen, verhalten sich fast immer besser als der Markt. Das gilt für etwa 60 bis 70 Prozent der Fälle.“ Eine Orientierung, welche Daxfirmen eine besonders hohe Dividendenrendite aufweisen, gibt seit 1. März der von der Deutschen Börse ermittelte „Div-Dax“. Doch Vorsicht: „Der Index hat einen Fehler“, sagt LBBW-Analyst Frank Schallenberger. Im aktuellen Index seien nur die besten 15 Dividendenpapiere aus dem Jahr 2003 enthalten. „Anleger sollten aber nicht nur auf die Dividendenzahlungen der Vergangenheit achten.“

Die Profis achten vielmehr auch auf nachhaltige Profitabilität und geringe Verschuldung der Unternehmen. „Wer ausschüttet, signalisiert, er hat gut gewirtschaftet“, sagt Fondsmanager Heise. Doch das gilt nicht für alle Konzerne. Seit zwei Jahren glänzt beispielsweise Daimler-Chrysler mit einer hohen Dividendenrendite (siehe Tabelle). Anlageexperte Michael Köhler bei der Landesbank Rheinland-Pfalz (LRP) ist aber skeptisch, ob das so bleibt: „Chrysler ist operativ wieder auf der Höhe, aber es gibt Probleme bei Mercedes.“ Ähnlich sieht es bei MPC aus, einem M-Dax-Wert. Die Hamburger Kapitalanlagegesellschaft erzielte mit Erlösen aus Schiffsbeteiligungen im letzten Jahr einen hohen Gewinn und zahlt eine entsprechend hohe Dividende. Die Aussichten in diesem Jahr sind aber eher verhalten und so zweifelt Experte Schallenberger, ob in Zukunft ähnlich hohe Ausschüttungen möglich sind. Aus dem gleichen Grund würde er auch Telekom und Daimler-Chrysler nicht auf seine Empfehlungsliste setzen. Stattdessen zählt er Hugo Boss, Douglas und die Papiere der IKB zu den viel versprechenden Anlagen.

LRP-Experte Köhler rät Investoren, die Ausschüttungsquote über mehrere Jahre zu beobachten. „Die Dividenden sollten über einen längeren Zeitraum stabil sein“, sagt Köhler. Mit Vorsicht ist unter diesem Aspekt die Telekom zu genießen, bei der die Dividende schon ganz ausgefallen ist. „Das tut dem Kurs in der Regel nicht gut“, meint Union-Fondsmanager Heise. Nach einer Dividendenkürzung könne der Aktienkurs um bis zu 20 Prozent fallen.

Anleger, die sich die Auswahl einzelner Dividendentitel nicht zutrauen, können auch auf entsprechende Fonds zurückgreifen. Besonders gefragt ist der DWS Top Dividende, der seit Jahresbeginn 640 Millionen Euro einsammelte. Aber auch der Dit High Dividend Discount, der Uni Dividenden Ass oder der BWK-Dividenden-Strategie Euro erfreuen sich bei Anlegern großer Beliebtheit. Verständlich, können die Fonds doch Wertsteigerungen von bis zu knapp 17 Prozent im vergangenen Halbjahr vorweisen.

Grundsätzlich beachten sollten Anleger, dass die Ausschüttungsquote in Deutschland geringer ist als in anderen europäischen Ländern. Sie liegt im Dax bei deutlich unter 50 Prozent des Gewinns. Traditionell sind britische Unternehmen ausschüttungsfreudiger. So hält Heise rund ein Viertel britischer Aktien wie die Aktie des britischen Spezialglasherstellers Pilkington in seinem Fonds Uni Dividenden Ass. Henrik Büscher, Fondsmanager beim Dit legt den Schwerpunkt ebenfalls auf britische Aktien. Die durchschnittliche Dividendenrendite im Euro- Stoxx 50 liegt bei drei Prozent, im Dax werden im Schnitt 2,5 Prozent erreicht.

Die vergleichsweise geringe Ausschüttungsquote ist deutschen Anlegerschützern ein Dorn im Auge. „Die Hälfte des Gewinnes sollte an die Aktionäre ausgezahlt werden“, fordert Jürgen Kurz, Sprecher der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz. Die Chancen für Kleinanleger auf die Unternehmen Einfluss zu nehmen, ist allerdings gering. „Großaktionäre haben da schon andere Möglichkeiten“, meint Kurz. Jüngstes Beispiel: Die Deutsche Börse AG, die auf Drängen ihrer Großaktionäre die Übernahme der Londoner LSE abblies und nun eine Sonderausschüttung erwägt.

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